Pfalztheater: Operette „Das Land des Lächelns“
„Immer nur lächeln...“

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„Immer nur lächeln...“, so traurig die Erkenntnis für Prinz Sou-Chong ist, so glücklich waren die Zuschauerinnen und Zuschauer über die Premierenvorstellung der Operette von Franz Lehár im Großen Haus des Pfalztheaters. Zum nunmehr dritten Mal, nach der „Westside Story“ und „My Fair Lady“, hat Regisseur Cusch Jung mit „Das Land des Lächelns“ einen Volltreffer gelandet. Wie er es schafft, dass seine Inszenierungen immer leicht, unverstaubt und authentisch daher kommen, bleibt sein Geheimnis. Und so ist auch diese Operette wieder ein Highlight auf dem Spielplan des Pfalztheaters.

Man mag darüber diskutieren, ob die gute, alte Operette ausgedient hat nicht längst durch moderne Musicals ersetzt wurde, aber Cusch Jung schafft es mit diesem 90 Jahre alten Stück, sein Publikum in einen heute noch längst nicht ausgestanden Disput zwischen Tradition und Emanzipation zu entführen, sowohl bei Mann als auch Frau. Da ist Lisa (Elvira Hasanagic), eine junge Wiener Adelige, die sich in den chinesischen Prinzen Sou-Chong (Daniel Kim) verliebt, der als Gesandter seines Heimatlandes in Wien Dienst tut. Als dieser überraschend nach China zurückberufen wird, entschließt sich die selbstbewusste, junge Frau, ihn zu heiraten und mit ihm zu gehen. In China jedoch muss Lisa feststellen, dass ihr Sou-Chongs Liebe allein nicht über die Fremdheit der Kultur hinweghilft. Als Sou-Chong auf Drängen seines Onkels nach Landessitte vier Mandschu-Mädchen heiraten soll, realisiert Lisa, dass sie sich niemals in China zu Hause fühlen wird. Und auch Sou-Chong muss sich eingestehen, dass er trotz seiner großen Liebe zu Lisa („Dein ist mein ganzes Herz“) nicht mit seinen Traditionen brechen kann („Immer nur lächeln... doch wie’s da drin aussieht, geht niemand etwas an.“).

Gesanglich ist die Operette auf höchstem Niveau, allen voran die Stimme von Daniel Kim. Ihm gelingt es, den Prinzen in seinem Glück, seiner zarten Liebe und seiner Zerrissenheit mit allen Facetten seiner beeindruckenden Stimme darzustellen und zu singen. Da atmet kaum noch jemand im Publikum, wenn er leise jeden Ton präzise trifft und damit für Gänsehaut pur sorgt. Auch Elvira Hasanagic beeindruckt mit ihrem stimmlichen Können. Wunderbar sind Daniel Böhm als Graf Gustl und Monika Hügel als Prinzessin Mi, und beide zeigen nicht nur, dass sie ihre Rollen gesanglich perfekt singen, sondern bezaubern auch durch ihr schauspielerisches und komödiantisches Talent. Aber, und das ist auch typisch für Cusch Jung, jede Rolle hat etwas Besonderes und ein Augenzwinkern bereit, vom alten Diener über den strengen Onkel bis hin zum Obereunuchen. Zusammen mit dem Pfalztheater-Orchester unter der musikalischen Leitung von Anton Legkii und dem Chor des Hauses unter der Leitung von Gerhard Polifka ist die Operette ein wahrer Hörgenuss.

Maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass man als Zuschauer mühelos von der Großstadt Wien nach China und wieder zurück reisen kann, ist neben dem unverstaubten Bühnenbild und den schönen Kostümen das Tanz-Ensemble des Pfalztheaters, das in ganz unterschiedlichen Kostümen sowohl Wien als auch das Land des Lächelns ausdrucksstark auf die Bühne bringt und so den Flair des jeweiligen Landes beim Publikum ankommen lässt. Und wenn „Klein-Wien“ mit dem Prater-Riesenrad und dem Stephansdom mit einem Augenzwinkern auf dem Mobiliar drehen, dann zeigt der Regisseur auch im kleinsten Detail eine großartige Inszenierung. Auf ins Land des Lächelns...

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