BriMel unterwegs
ORGANIC JUKEBOX in der Pauluskirche
- Blick zur Stage
- Foto: Brigitte Melder
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Haßloch. Am Abend des 13. März füllte sich die Pauluskirche in Haßloch, Martin-Luther-Straße 33, rasch. Die Band ORGANIC JUKEBOX hatte ein ganz besonderes Konzert angekündigt. Eingeladen hatte der Förderverein Pro Pauluskirche, der seit 13 Jahren besteht und vom Vorstand Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Landkreises Bad Dürkheim, geleitet wird. Doch nichts geht ohne die fleißigen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die an diesem Abend alle Hände voll zu tun hatten. Das Presbyterium der protestantischen Kirchengemeinde Haßloch hat das Gemeindezentrum Pauluskirche im Jahr 2026 an den Förderverein übertragen. Mit der Nutzung durch den Verein ist die Übernahme sämtlicher jährlich anfallender fixer und variabler Betriebskosten verbunden – und da kommt einiges zusammen. Entsprechend dankbar zeigte man sich für die Spenden an diesem Abend. Auch neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen, um das vielseitige Kulturprogramm mitzutragen.
Auf den von Sänger Bernd Sold gestalteten Plakaten wurde eine musikalische Mischung von Metallica bis Michael Jackson angekündigt. Ihm zur Seite standen Daniel Alvarez an der Orgel und Mark A. Hüther am Schlagzeug. Alle drei stammen aus Frankenthal (Pfalz) und hatten sozusagen einen kleinen Fanclub aus ihrer Heimatstadt mitgebracht. Unter ihm waren auch die bekannte bildende Künstlerin Nicoleta Steffan sowie die Ehefrau des Sängers – sie malt unter dem Künstlernamen artMANOU und ist bereits mit dem Förderverein über eine mögliche Ausstellung im Gespräch.
In dieser Besetzung existiert ORGANIC JUKEBOX erst seit 2024. Die drei Musiker – allesamt Lehrer – sind jedoch bereits seit längerem durch verschiedene Projekte miteinander verbunden. Da Alvarez in Baden-Württemberg unterrichtet, ist es oft schwierig, gemeinsame Probentermine außerhalb der Ferien zu finden. Für diesen besonderen Auftritt hatten sich die Musiker natürlich gründlich vorbereitet und zuvor auch einen Soundcheck vor Ort durchgeführt. Schließlich ist es immer eine Herausforderung, die drei Klangfarben Orgel, Schlagzeug und Gesang auf die jeweilige Kirchenakustik abzustimmen. So war es bereits bei den bisherigen Konzerten im Herbst 2024 in der Christuskirche Eppstein sowie im Mai 2025 in der Versöhnungskirche in Frankenthal.
Das Ziel der Musiker: Menschen wieder stärker in die Kirchen zu holen und die Faszination für das vielseitige Instrument der Orgel neu zu wecken. An diesem Abend war die Band erstmals außerhalb ihres Frankenthaler Umfelds unterwegs und freute sich über den großen Zuspruch von mehr als 150 Gästen in Haßloch. Dort stand eine Barockorgel zur Verfügung, die sich besonders für Werke von Johann Sebastian Bach eignet. An diesem Abend standen jedoch ganz andere Stücke auf dem Programm.
Unter großem Applaus betrat ORGANIC JUKEBOX die Kirchenbühne und eröffnete das Konzert mit „Addicted to Love“ von Robert Palmer. Sänger Bernd Sold forderte das Publikum sofort zum Mitklatschen auf – mit Erfolg. Begeistert machten die Zuhörer mit. Sold begrüßte die Gäste, bedankte sich und führte mit kleinen humorvollen Bemerkungen durch den Abend. „Auf den Plakaten steht zwar Eintritt frei, heißt aber nicht, dass der Austritt frei ist.“ Dieser Satz sorgte für großes Gelächter, denn die große Vase am Ausgang sollte sich mit Spenden für den Förderverein füllen. Mit seiner kräftigen Stimme überzeugte Sold auch bei „Lose Control“ von Teddy Swims, das in Verbindung mit der Orgel einen ganz eigenen Klang entwickelte. Daniel Alvarez zeigte ebenfalls sein Können und begann „Nothing Else Matters“ von Metallica zunächst allein an der Orgel, bevor Schlagzeug und Gesang einsetzten.
Der Trend zum genreübergreifenden Einsatz der Kirchenorgel kommt ursprünglich aus Großbritannien. Die drei Musiker dachten sich: „Das können wir doch auch.“ Von Organic Metal ging es deshalb direkt zu Organic Reggae – mit Bob Marleys „No Woman, No Cry“. Der Liedtext wird häufig missverstanden, denn er richtet sich als Ermutigung an eine Frau, trotz Armut im Ghetto und persönlicher Herausforderungen stark zu bleiben. Rasch stellte sich Reggae-Feeling in den Kirchenbänken ein, und manche hätten ihre Glieder wohl lieber im Stehen bewegt. „California Dreamin’“ von The Mamas & The Papas erklang in einer eigenen, eher ruhigen Version. Mitklatschen war dagegen bei „Sweet Dreams“ von Eurythmics angesagt, kombiniert in einem Mash-up mit dem Garage-Rock-Hit „Seven Nation Army“. Bei „Bad Guy“ von Billie Eilish und „You Give Love a Bad Name“ von Bon Jovi wurde es besonders originell: Hier wurden Coverversionen von Postmodern Jukebox noch einmal neu interpretiert und im wahrsten Sinne des Wortes durch die Orgel gedreht. Dabei bekam Bernd Solds Stimme stellenweise einen Elvis-Touch.
Anschließend wurden auf die Kirchenwand drei Werke der Kunstgeschichte projiziert, die für Freiheit und Lebensfreude stehen. Sie griffen Themen der Lieder „Titanium“ von David Guetta feat. Sia und „Viva la Vida“ von Coldplay auf. Letzteres leitete mit einem Schlagzeugsolo von Mark Hüther die Pause ein.
Während der Pause verteilte die Schriftführerin des Vereins, Margot Baur, Sekt und Orangensaft an die Gäste im dicht gedrängten Foyer, während andere Mitglieder beim Einschenken halfen. Auf den Stehtischen standen kleine Knabbereien bereit.
Im zweiten Teil eröffnete Daniel Alvarez das Programm an der Orgel ebenfalls mit einer Collage aus verschiedenen Songs – aber ohne Schlagzeug und Gesang. Das Publikum honorierte den virtuosen Einstieg mit viel Applaus. Anschließend wurde es swingend mit einem Cross-Genre-Medley aus „Beat It“ von Michael Jackson und „I Was Made for Lovin’ You“ von KISS. Sowohl das getragene „Wicked Game“ von Chris Isaak, mit viel Gefühl gesungen, als auch „Big in Japan“ von Alphaville in einer ungewöhnlichen Version im 6/8-Takt überzeugten musikalisch. Bei „Let’s Get Loud“ von Jennifer Lopez und „Hit the Road, Jack“ von Ray Charles wurde erneut kräftig mitgeklatscht – Swing vom Feinsten.
Nach dem Anti-Kriegs-Lied „Zombie“ von The Cranberries wurde es nachdenklich. Bernd Sold sprach über die großen Konflikte in der Welt, aber auch über Hass im Kleinen – etwa in sozialen Medien oder in der Nachbarschaft. „Was kann Hass vertreiben? Das kann nur die Liebe!“ Mit diesem Zitat des Bürgerrechtlers Martin Luther King, das ebenfalls groß projiziert wurde, rief er zu Toleranz und Offenheit auf. Schließlich mache die Vielfalt der Welt alle reicher.
Manchmal reichen schon kleine Worte und Gesten für „Ein bisschen Frieden“. Dieser Titel, 1982 beim Eurovision Song Contest von Nicole gesungen, blieb das einzige deutsche Lied des Abends. Dank eingeblendeten Textes sang das Publikum begeistert mit.
Besonders eindrucksvoll geriet „Chasing Cars“ von Snow Patrol – 94 Wochen lang war der Titel in den britischen Charts vertreten und damit Rekordhalter. Mit einem weiteren Rekordtitel überraschte ORGANIC JUKEBOX schließlich zum Finale. Das Publikum feierte ausgelassen, klatschte im Takt, und eine mutige Dame begann seitlich zu tanzen. Am Ende gab es Standing Ovations.
Hans-Ulrich Ihlenfeld überreichte den Musikern Präsente und bedankte sich besonders beim engagierten Helferteam des Fördervereins. Zugleich ermutigte er dazu, weiterhin kulturelle Angebote für Jugendliche und Junggebliebene auf die Beine zu stellen.
Mit der Zugabe „Rise Like a Phoenix“ von Conchita Wurst bescherte ORGANIC JUKEBOX dem Publikum noch einmal echte Gänsehautmomente – gekrönt von einer langen und kraftvollen Fermate am Schluss. Erneut erhoben sich die Zuschauer und applaudierten begeistert. Mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht verließen die Gäste gegen 21.30 Uhr die Pauluskirche. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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