Rückblick auf zwei Ausstellungen im Sommer 2025
Auf den Spuren des malenden Pfarrers Carl Otto Günther
- Ausstellung Carl-Otto Günther in der Pfarrkirche von Kapsweyer im September 2025
- Foto: Andrea Abt
- hochgeladen von Andrea Abt
Südpfalz. Dass ein Pfarrer nicht nur seelsorgerisch tätig sein, sondern zugleich eine große Leidenschaft für die Malerei entwickeln kann, zeigt das Leben von Pfarrer Carl Otto Günther (1909–1974). Seine künstlerischen Spuren reichen dabei von Rheinzabern bis nach Kapsweyer.
Nach seinem Theologiestudium und der Priesterweihe kam Carl Otto Günther im Mai 1939 als Kaplan nach Rheinzabern. Hier entstanden 1942 und 1943 seine ersten bislang bekannten Gemälde. Briefe aus seinem Nachlass belegen einen regen künstlerischen Austausch mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern der Region. Mit einigen von ihnen verband ihn eine enge Freundschaft.
Zu Lebzeiten stellte Pfarrer Günther seine Bilder allerdings nie öffentlich aus. Erst nach seinem Tod wurde sein künstlerisches Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Seine Pfarrhaushälterin Anny Münzing, die seinen Nachlass erbte, betrachtete es als ihre „Ehrenpflicht“, seine Bilder zu zeigen. Gemeinsam mit der Künstlergilde Bad Bergzabern organisierte sie deshalb 1976 die erste Ausstellung. Zehn Jahre später folgte eine weitere Präsentation im Bürgerhaus Kapsweyer.
Die Gemeinde Kapsweyer erwarb zwei Gemälde aus dem Nachlass. Weitere Werke kamen 1988 hinzu. Heute befinden sich insgesamt 20 Gemälde von Pfarrer Günther im Bürgerhaus seiner Heimatgemeinde, wo sie im Sitzungssaal zu sehen sind.
Eine besondere Wendung nahm die Geschichte als der Rheinzaberner Heimatforscher Manuel Thomas bei einer Internetauktion auf ein Ölgemälde mit dem Titel „Juni 1943 – Partie aus Rheinzabern“ stieß. Signiert war das Bild mit „C.G. 1943“. Die anschließende Recherche führte zu Pfarrer Carl Otto Günther, der von 1939 bis 1945 als Kaplan in Rheinzabern tätig gewesen war. Damit wurde eine Verbindung zwischen dem heute in Kapsweyer bewahrten künstlerischen Nachlass und den Jahren hergestellt, in denen Günther in Rheinzabern lebte und malte.
Manuel Thomas verabredete ein Treffen mit Ortsbürgermeister Bernhard Jud in Kapsweyer, um die Gemälde im Bürgerhaus zu sehen und dabei auch zu erfahren, ob man sich in Kapsweyer noch an den ehemaligen Pfarrer Carl-Otto Günther erinnert. Einige haben ihn über 50 Jahre nach seinem Tod noch in guter Erinnerung.
Parallel dazu beschäftigte sich auch das Palatin-Atelier in Speyer mit dem Werk des Pfarrers. Die neu erwachte Aufmerksamkeit für seine Bilder bot schließlich den Anlass, sein künstlerisches Schaffen im Jahr 2025 erneut öffentlich zu präsentieren.
Im Rahmen des Dorffestes „Rheinzabern feiert“ vom 27. bis 30. Juni 2025 wurden Gemälde von Pfarrer Günther in der Kirche St. Michael in Rheinzabern ausgestellt. Damit kehrten seine Bilder gewissermaßen an einen Ort zurück, der für seine künstlerische Entwicklung von besonderer Bedeutung gewesen war.
Eine zweite Ausstellung folgte am 6. und 7. September 2025 in der Kirche St. Ulrich in Kapsweyer. Dort konnte das Publikum die Werke des Pfarrers und Künstlers kennenlernen und zugleich mehr über seine Lebensgeschichte und seine Verbindung zur Region erfahren.
Zu beiden Ausstellungen wurde ein kleiner Ausstellungskatalog zusammengestellt. Er dokumentiert die Geschichte des Künstlers, seine Verbindung zu Rheinzabern und Kapsweyer sowie die Entstehung und Bewahrung seiner Gemälde.
So wurde 2025 ein lange Zeit wenig bekannter Teil der regionalen Kunst- und Kirchengeschichte wieder sichtbar: das Lebenswerk eines Pfarrers, der seine Liebe zur Malerei über Jahrzehnte bewahrte und dessen Bilder heute noch Zeugnis von seiner Verbundenheit mit der Region geben.
Autor:Andrea Abt aus Jockgrim |
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