Juden in Frankenthal
Angesehene Bürger

Das jüdische Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße
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  • Das jüdische Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße
  • Foto: Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal
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Frankenthal. Seit dem 16. Jahrhundert ist jüdisches Leben in Frankenthal nachgewiesen. Ende des 19. Jahrhunderts sind sie voll integrierte und engagierte Bürger. Seit 1933 wurden sie verfolgt, ausgegrenzt, schließlich deportiert und ermordet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren 16.899 Einwohnern in Frankenthal 371 Juden. Sie waren weitestgehend integriert und lebten ihren Glauben liberal. Sie waren als Rechtsanwälte, Ärzte, Richter, Lehrer, Bankiers, Geschäftsinhaber angesehene Bürger, die im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt wichtige Aufgaben übernahmen, berichtet Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal. So gehörten etwa der Weinhändler Marx Kaufmann, der Rechtsanwalt Josef Thalmann, der Schuhwarenhändler Jakob Weil und der Rechtsanwalt Moritz Mayer lange Jahre dem Frankenthaler Stadtrat an, Aron Loeb war Vorsitzender des Kriegervereins, Emil Loeb Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender des Rudervereins, Ludwig Nachmann Vorsitzender des Fußballvereins 1900/02 und in vielen anderen Vereinen waren Juden in führender Position engagiert.
Dokumente im Frankenthaler Stadtarchiv deuten darauf hin, dass Juden bereits vor 1558 Handel im Schutz des Frankenthaler Klosterbezirks im Bereich der heutigen Erkenbert-Ruine getrieben haben, so Baum. Im unruhigen 17. Jahrhundert, ist auch jüdisches Leben in der Stadt nachgewiesen. Häufig werden sie aber auch aus der Stadt verwiesen. Erste Versuche eine jüdische Gemeinde zu gründen, gab es ab etwa 1780. Der Leder- und Medaillonhändler Elias Durlacher ist 1785 als Vorsteher der jüdischen Gemeinde urkundlich erwähnt. Und im Jahr 1791 war die erste Frankenthaler Synagoge fertiggestellt. Im Haus Schlossergasse 5 befand sich die Mikwe, das jüdische Ritualbad. Seit die Franzosen in der Pfalz das Sagen hatten, gelten auch für sie die vollen Menschen- und Bürgerrechte. Im November 1808 waren 27 jüdische Familien mit 107 Personen auf dem Bürgermeisteramt gemeldet. Ein jüdischer Friedhof entstand 1821. Der erste Grabstein für Sarah Heymann von 1826 steht noch heute.
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der Juden in Frankenthal stetig zu. Von den etwa 70 Geschäften in Frankenthal, wurden 17 von Juden geführt. Da die alte Synagoge an der Glockengasse zu klein wurde, baute man auf dem gleichen Grundstück eine neue, die 1885 eingeweiht wurde. Farbige Glasfenster, eine Orgel und eine Kuppel mit blauem Hintergrund und goldenen Sternen zeugten vom liberalen Glauben der Frankenthaler Juden. Neben der Synagoge besaß die Gemeinde seit 1895 ein Gemeindehaus, in dem sich die jüdischen Vereine trafen.

Ausgrenzung der Juden ab 1933

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann die Ausgrenzung der Juden. Im März wurden Aufrufe zum Boykott jüdischer Geschäfte in der Frankenthaler Zeitung veröffentlicht. Jüdische Lehrer, Richter und andere Beamte wurden entlassen. Im August 1933 hing am Eingang des neuen Frankenthaler Strandbades ein Schild mit der Aufschrift: "Juden haben keinen Zutritt". "Hier werden keine Juden bedient", stand auf Schildern seit 1935 in fast allen Frankenthaler Geschäften. Juden, die Möglichkeit hatten, flohen ins Ausland. Am Morgen des 10. November 1938 stand die Synagoge an der Glockengasse in Flammen. Nationalsozialisten zogen durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) nahm 23 Frankenthaler Juden in „Schutzhaft“. Der Besitz der Juden wurde eingezogen, die Geschäfte und Betriebe „arisiert“. Aus Frankenthal wurden 39 Frauen, Männer und Kinder deportiert. Damit war die jüdische Gemeinde in Frankenthal ausgelöscht.
Heute leben rund 80 Menschen jüdischen Glaubens in Frankenthal, die jedoch keine eigene Gemeinde haben. Der Förderverein für jüdisches Gedenken dokumentiert seit 1992 zahlreiche Informationen über die rund 250-jährige Geschichte der Juden in Frankenthal. rk/gib

Informationen

Genauere Informationen zum Thema findet man im Internet unter www.juden-in-frankenthal.de.

Autor:

Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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