Bildungswerk Programm-Eröffnung mit Silke Naun-Bates
Glücklich sein als seine Wahl?

Es war schon irgendwie irritierend: Um mit ihrem Impulsvortrag anlässlich der Programmeröffnung der Bildungswerke Ubstadt-Weiher/Forst zu beginnen, schwang sich die Referentin kurzerhand auf den Tisch. Weil es so für sie einfacher sei, erklärte Silke Naun-Bates lachend. Überhaupt war das Lachen, die Freude, die sie ausstrahlte, ein Merkmal, das rasch vergessen machte, dass sie dort oben auf der Bühne, auf dem Tisch saß – ohne Beine. Sie erzählte, wie es dazu kam. Ließ die Besucher im Kelterhaus in Ubstadt einen Blick werfen in ihr Fotoalbum. Stellte ihnen das achtjährige Mädchen Silke vor, das sehr bewegungsfreudig war, sich am liebsten im Wasser aufhielt, bis ihr bei einem Unfall ein Güterzug beide Beine abriss und ihr Leben nur durch eine Amputation bis zum Becken erhalten werden konnte. Doch die heute 51-Jährige hadert nicht mit diesem Schicksal – weder damals noch jetzt. Sie brachte die Zuhörer mit witzigen Anekdoten aus der Reha-Zeit zum Schmunzeln, als sie ihre Prothesen nicht ernst genommen und dank einer speziellen Rutschhose ihre Mobilität erreicht habe, die ihr immer schon sehr wichtig gewesen sei. Silke Naun-Bates widerlegt sämtliche Prognosen. Nach der Reha geht sie zur Schule wie alle anderen auch, nur dass sie sich auf ihren Händen durchs Schulhaus bewegt, macht Führerschein mit 18, erlernt einen Beruf, heiratet, wird schwanger und bekommt zwei Kinder, „ganz normal per Kaiserschnitt“. „Es hat nichts mit dem Aussehen zu tun, ob man einen Partner findet oder nicht, es hat mit der Einstellung zu einem selbst zu tun, mit der Ausstrahlung“, brachte sie ihre Überzeugung auf den Punkt. Sie berichtete von ihrer beruflichen Orientierung in der Jugend- und Erwachsenenbildung, von ihrer Überzeugung, „es geht immer weiter, irgendwo geht immer eine Tür auf“, aber auch von der Zeit, mit der sie ganz und gar nicht einverstanden war. Und da griff sie zum ersten Mal zu ihrem Buch „Mein Weg in die Freiheit“ und las vor, wie innerhalb weniger Jahre für sie wichtige Menschen starben, sie sich aus dem Leben zurückzog und den Tod herausforderte. Doch „der Tod nahm die Herausforderung an und schickte mir als Antwort – das Leben“, schreibt sie. Silke Naun-Bates begann zu hinterfragen, sich und ihr Leben neu zu definieren, kam zu den Erkenntnissen, dass „dieses Leben wertvoll und kostbar ist“ und „Du bist frei mit dem Geburtsrecht glücklich zu sein“. Davon ausgehend machte sie „Glücklich sein ist eine Wahl“ zu ihrem Lebensmotto und Dankbarkeit, Freude, Mut und Humor zu ihren „Glücksschätzen“. Silke Naun-Bates wurde von einem Kamerateam des österreichischen Fernsehsenders ORF 2 begleitet, die auch beim Vortrag in Ubstadt anwesend waren. Die Dokumentation unter der Regie von Tobias Dörr wurde für die Reihe „kreuz und quer“ gedreht, die Sendung über Silke Naun-Bates wird voraussichtlich Mitte Dezember dieses Jahres ausgestrahlt.
Weitere Infos: www.kirche-forst-ubstadt.de und www.silkenaunbates.com

Autor:

Petra Steinmann-Plücker aus Bruchsal

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