Fridays For Future demonstriert - Rhein Petroleum bietet Gespräche an
Erdöl im Boden lassen oder regional fördern?

400 Klimaschützer protestierten gegen Ölförderung bei Weingarten
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Bruchsal/Weingarten/Karlsruhe. Rund 400 Demonstranten haben sich am heutigen Freitag mit dem Fahrrad und der Stadtbahn aus Karlsruhe und Bruchsal auf den Weg gemacht, um in Weingarten gegen die geplante Erdölförderung der Firma Rhein Petroleum zu protestieren. "Keep it in the Ground" - so das Motto der "Fridays For Future"-Protestaktion, die sich auch generell gegen die Ausbeutung fossiler Brennstoffe stellt.

Erst 2019 hatte ein Produktionstest der Bohrung Steig 1 in Weingarten die Wirtschaftlichkeit des Ölfunds nachgewiesen. Insgesamt war auf  rund 150 Metern Ölvorkommen in den Sandsteinen des Untergrunds entdeckt worden. Die endgültigen Genehmigungsprozesse für eine Förderung laufen. Wenn Öl gefördert wird, ist geplant, die Produktionsanlage südlich des Gewanns Bronnloch, etwa auf Höhe der Betriebsgebäude der Kiesgrube, zu installieren. Das Erdöl würde von dort aus per Tanklastwagen zur Raffinerie nach Karlsruhe transportiert. 
Problematisch für viele Kritiker des Projekts ist nicht nur das Fördern des Öls alleine, vielmehr die Tatsache, dass die Bohrung hinein in das Wasserschutzgebiet bei Untergrombach reicht. 
Nach Einwänden der Stadt Bruchsal hatte sich die Rhein Petroleum  schon vor und während der Probebohrungen zu einem Grundwassermonitoring verpflichtet. 

Vertreter der Rhein Petroleum waren in Weingarten während der Demo nicht vor Ort, das Unternehmen signalisiert jedoch Gesprächsbereitschaft. Dr. Carsten Reinhold, Geschäftsführer Rhein Petroleum, hat sich am heutigen Freitag gegenüber dem "Wochenblatt" zu den Demonstrationen gegen sein Unternehmen und dessen Vorhaben geäußert: "„Wir begrüßen die Initiative von Fridays For Future, da sich ihre Ziele in vielen Bereichen mit den Überzeugungen von Rhein Petroleum decken. Wir plädieren seit Jahren dafür, den weltweiten Verbrauch von Erdöl zu reduzieren und insbesondere im Bereich der Mobilität auf alternative Antriebsmöglichkeiten zu setzen. Hier ist der Verbraucher gefordert. Denn Erdöl ist zum Verbrennen und Verheizen viel zu schade und muss viel mehr als das genutzt werden, was es ist: ein wertvoller Rohstoff. Ein Rohstoff, der sinnvoll zur Herstellung wichtiger Produkte eingesetzt werden sollte."

Erdöl komme unter anderem zum Einsatz bei der Herstellung von Medikamenten, Funktionskleidung oder hochwertiger Kunststoffe, die etwa für Smartphones, Stromkabel, Solarpanels oder Windräder unverzichtbar seien. Auf Erdöl basierte Hightech-Kunststoffe, die nichts mit einfachem Plastik gemein haben, seien nicht zuletzt auch wichtige Bausteine für Produkte der Energiewende.

"Konsequenterweise sollte der Rohstoff dann auch dort gefördert werden, wo er verarbeitet und genutzt wird. Auf diese Weise wird das Klima nicht durch lange Transportwege belastet, und es wird sichergestellt, dass die Förderung sauber, sicher und unter Einhaltung strengster Arbeitsschutz- und Umweltauflagen stattfindet. Bei gleichzeitiger Reduzierung des Ölverbrauchs in Deutschland und damit verbunden sinkender Importe steigt dann auch automatisch der Anteil des heimischen Erdöls", so Reinhold weiter.
Das heimische Erdöl deshalb im Boden zu lassen und die Verantwortung für den eigenen Lebensstil in ferne Länder zu übertragen sei daher der falsche Weg und stehe im Gegensatz zu den richtigen Zielen hinsichtlich mehr Klima- und Umweltschutz. Darüber müsse ein Dialog geführt werden. "Und wir bieten den Organisatoren der Demonstration daher an, mit uns darüber in Ruhe und faktenbasiert zu diskutieren", betont Reinhold abschließend.

Autor:

Heike Schwitalla aus Karlsruhe

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