Dürkheimer Hotelplanung
„Verheerende Nachteile für das Stadtklima“

Die Initiative „Alte Stadtgärtnerei“ begrüßt das von der Stadt jüngst in Auftrag gegebene Stadtklimagutachten. Sie zeigt sich jedoch verwundert, dass die Stadtverwaltung bereits jetzt die Deutungshoheit über das Gutachtenergebnis zu erlangen versuche, obwohl es noch gar nicht vorliegt. Die Initiative regt an, die Großprojekte der Stadt auf Eis zu legen, bis das Stadtklimagutachten in etwa drei Monaten vorliegt, und erinnert in diesem Zusammenhang an die bislang tabuisierte Studie des Dürkheimer Biologen Dr. Volker John.
Die im Rathaus mit dem Stadtklimagutachten verknüpften Intensionen stehen nach Auffassung der Initiative im Widerspruch zu aktuellen Planungen von Großprojekten. Wenn es die Stadtverwaltung mit dem Klimaschutz ernst meine, so die Initiative, müsste das Ergebnis dieses Gutachten eigentlich abgewartet und die klimatischen Konsequenzen der geplanten Neu- und Erweiterungsbauten bewertet werden, bevor sie umgesetzt werden.
Das Stadtklimagutachten könne nicht nur Aufschluss über die aktuelle Klimasituation in der Kurstadt geben. Vielmehr seien daraus möglicherweise auch Hinweise auf die Klimafolgen abzuleiten, die aus dem Hotelbau auf dem Gelände der „Alten Stadtgärtnerei“, aus der geplanten Therme sowie der Brunnenhallen-Erweiterung oder aus einer geplanten Bebauung an der Leistadter Straße resultieren. „Denn unzweifelhaft“, begründet die Initiative, „stellen die Großprojekte zusätzliche Wärmeinseln dar und verdichten bestehende Bebauung.“
Auch die drei Gutachten zur Bebauung im Gebiet der „Alten Stadtgärtnerei“, die die Initiative nach monatelangem Ersuchen bei der Stadtverwaltung einsehen durfte, thematisieren neben dem Frostschutz für die Reben mehr oder weniger ausführlich die Durchlüftung der Kernstadt im Sommer. Die Schlussfolgerungen, die das städtische Bauamt aus diesen Untersuchungen für die Klimasituation der „Silz“ und weiter südlich liegende Stadtgebiete wie auch den Kurbereich zieht, sind nach den Worten der Initiative „gelinde gesagt: verharmlosend“.
So spricht beispielsweise das Klimagutachten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), das im Oktober 1989 für eine im Bereich des Wohnmobilstellplatzes geplante Kurklinik erstellt wurde, ausdrücklich auch die Verengung des Tals durch einen solchen Baukörper an. Sie wirke sich „bioklimatisch vor allem bei belastenden Schwachwindwetterlagen“ aus. Dies könne zusammen mit der Schwächung thermischer Windsysteme in den Gebieten zur Isenach hin zu einer Zunahme der schwülen Tage im Sommer führen. Das DWD-Gutachten empfiehlt zwar, den Baukörper weiter nach Osten zu verschieben und nördlich der damals noch existierenden Stadtgärtnerei zu positionieren. „Wir können uns aber nicht vorstellen, dass sich damit alle klimatischen Probleme, die mittlerweile durch den Klimawandel verschärft sind und noch verschärft werden, in Luft auflösen“, unterstreicht die Initiative.
Dem Bauamt mangle es naturgemäß an der klimatologischen Expertise, um diese Fragen abschließend beurteilen zu können. Deshalb fordert die Initiative eine ganzheitliche Betrachtung der Klimafolgen an der jeweils konkret geplanten Bebauung durch unabhängige Gutachter. Sie weist darauf hin, dass in einem 2007 erstellten Gutachten für einen großen Baukörper im Bereich der „Alten Stadtgärtnerei“ aus klimatischen Gründen mehrere vier bis fünf Meter hohe Durchbrüche in Bodennähe empfohlen wurden, um den Temperaturausgleich zu verbessern und die Wärmebelastung im Sommer zu reduzieren.
Die Initiative erinnert in diesem Zusammenhang auch an die wissenschaftlich detailliert belegte Studie des Dürkheimer Biologen Dr. Volker John, die vom Bauamtsleiter zuletzt mit geringschätzenden Äußerungen bedacht worden sei, und, so die Initiative weiter, „von der Stadtverwaltung wie vom Stadtrat beharrlich totgeschwiegen wird“. Aufgrund einer Kartierung von Flechten im Sommer 2020, die als empfindliche Bioindikatoren gelten, bewertet John das Gelände bei der „Alten Stadtgärtnerei“ als „eine lufthygienisch und klimaökologisch sehr wertvolle Fläche“ und warnt: „Eine massive Veränderung der Fläche und der Umgebung würde zu verheerenden Nachteilen für das Stadtklima führen. Die negativen Auswirkungen würden ohne Zweifel bis weit ins Stadtzentrum zu gesundheitlichen Nachteilen der Bürger führen.“

Die Untersuchung Dr. Johns ist auf der Internetseite www.alte-stadtgaertnerei.com hier dokumentiert.

Autor:

Klaus Kochendörfer aus Bad Dürkheim

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