Horror und Grusel Kurzgeschichten
Seelenfrost – Der Fluch

Foto: Das Bild wurde mit einer KI (Google Gimini AI) erstellt und ist nicht aus einem urheberrechtlich geschützten Werk abgeleitet. Es ist ein freies nutzbares Bilder passend zu meiner Geschichte.
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  • hochgeladen von Michael (Gecko) Mahler

Teaser:
„Manche Geheimnisse töten. Dieses hier sucht dich heim.“
In der Notrufzentrale stirbt ein Mann am Telefon. Seine letzten Worte: Ein unheimlicher Reim.
Eine packende Horrorgeschichte über ein Grauen, das niemals endet

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Lesezeit zirka 13 Minuten

Horror und Grusel Kurzgeschichten
Seelenfrost Staffel 2 Episode 1

Seelenfrost – Der Fluch

Kapitel 1: Der Anruf
Das Summen der Leuchtstoffröhren in Raum 4 der Notrufzentrale hatte eine ganz eigene, zermürbende Frequenz. Es war 03:14 Uhr morgens. Die Zeit, in der die Welt da draußen entweder schlief oder in ihren dunkelsten Ecken versank. Maya rieb sich die brennenden Augen, nahm einen Schluck von dem mittlerweile lauwarmen, bitteren Kaffee und starrte auf die Monitore. Vor ihr blinkten die Standorte von Rettungswagen, die träge durch die verregnete Stadt krochen. Eigentlich eine ruhige Schicht. Eigentlich.
Dann leuchtete das Display auf. Leitung 3. Kein Vorwahlsignal, nur eine anonyme ID.
Maya setzte das Headset auf und drückte die Annahmetaste. „Notrufzentrale, wo ist der Unfallort?“
Am anderen Ende der Leitung war zunächst nur Atem zu hören. Ein schnelles, flaches Rasseln, als würde jemand versuchen, die Luft in einer völlig staubigen Kammer einzusaugen.
„Hallo?“, wiederholte Maya, ihre Stimme professionell, aber bestimmt. „Können Sie mich hören? Brauchen Sie Hilfe?“
„Ich... ich habe es getan“, flüsterte eine Männerstimme. Sie klang brüchig, jung, aber völlig am Ende. „Ich dachte, wenn ich es einfach ignoriere, geht es weg. Aber es geht nicht weg. Es wird lauter.“
„Wer wird lauter?“, fragte Maya und legte die Finger auf die Tastatur, bereit, eine Adresse einzutippen, sobald sie eine bekam. „Sind Sie in Gefahr? Ist jemand bei Ihnen?“
„Nicht jemand. Es“, wimmerte der Mann. Im Hintergrund war plötzlich ein leises, rhythmisches Geräusch zu hören. Ein trockenes Schaben, wie Fingernägel auf rauem Holz. Kratz. Kratz. Kratz. „Es steht im Flur. Die Lichter sind aus, aber... aber sein Schatten ist schwärzer als die Dunkelheit. Es schaut mich an. Gott, es hat kein Gesicht, aber es schaut mich an!“
„Hören Sie mir zu“, sagte Maya, während ihr ein unerklärlicher Schauer über den Rücken lief. „Ich brauche Ihren Namen und Ihre Adresse. Ich schicke sofort die Polizei zu Ihnen. Bleiben Sie am Apparat.“
„Nein, nein, dafür ist es zu spät!“, schrie der Mann plötzlich auf. Das Schaben im Hintergrund wurde schneller, lauter, ging in ein wildes Kratzen über, als würde etwas mit roher Gewalt versuchen, eine Tür zu durchbrechen. „Es ist im Zimmer! Es tut mir leid. Es tut mir so leid, wer auch immer Sie sind. Aber ich will nicht alleine sein. Ich will nicht...“
„Sagen Sie mir, wo Sie sind!“, rief Maya, die Professionalität schwand aus ihrer Stimme, pure Anspannung trat an ihre Stelle.
Das Kratzen hörte abrupt auf. Totenstill. Sogar das Atmen des Mannes verstummte für einen Moment. Dann knackte die Leitung, und die Stimme des Mannes war plötzlich ganz nah am Mikrofon, als würde er direkt in Mayas Ohr flüstern. Seine Stimme war kalt, mechanisch, völlig frei von der vorherigen Panik, als stünde er unter Trance:
„Was im Dunkeln nach dir greift, erst verlischt und dann herangereift. Nimm den Hauch, den letzten Sinn, ich bin fort und du bist drin.“
„Was...?“, stammelte Maya.
Ein gurgelnder, schrecklicher Schrei durchschnitt die Leitung. Das Geräusch von splitterndem Knochen war zu hören, gefolgt von einem dumpfen Aufprall. Dann fing das Telefon an zu tuten. Die Verbindung war abgebrochen.
Maya saß starr da. Das Summen der Leuchtstoffröhren schien plötzlich ohrenbetäubend laut. Auf ihrer Haut hatte sich eine Gänsehaut gebildet, die nicht mehr verschwinden wollte. Und irgendwo, ganz tief in ihrem Hinterkopf, glaubte sie, das Echo dieses seltsamen Reims noch immer zu hören.

Kapitel 2: Gedanken
Maya starrte auf den schwarzen Bildschirm. Ihre Finger schwebten über der Tastatur, unfähig, sich zu bewegen. Automatisch protokollierte das System den Abbruch des Gesprächs, doch in Mayas Kopf lief die Tonspur des Mannes in einer endlosen Schleife ab. Ich bin fort und du bist drin. Was für ein kranker Scherz. Ein böser Streich in der Nachtschicht, sagte sie sich. Das musste es sein.
Als ihre Schicht um sechs Uhr morgens endete, war das Tageslicht draußen grau und von einem dichten, kalten Nieselregen verschleiert. Maya trat aus dem Gebäude der Zentrale. Normalerweise liebte sie das Gefühl, wenn die kühle Morgenluft die Müdigkeit vertrieb, doch heute fühlte sich die Kälte anders an. Sie war nicht frisch; sie war stechend.
Auf dem Heimweg in der U-Bahn ertappte sie sich dabei, wie sie die Gesichter der wenigen Pendler musterte. Saß dort drüben nicht ein Mann, der sie starr ansah? Nein, er blickte nur schlaftrunken ins Leere. Als der Zug in einen Tunnel einfuhr und die Fenster zu Spiegeln wurden, zuckte Maya zusammen. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte sie zu sehen, dass ihr eigenes Spiegelbild den Kopf nicht mitgedreht hatte, sondern sie weiterhin frontal anstarrte. Sie blinzelte. Alles normal. Du brauchst Schlaf, Maya. Nur Schlaf.
In ihrer Wohnung angekommen, schloss sie die Tür doppelt ab. Das vertraute Klicken des Schlosses beruhigte sie ein wenig. Sie zog die Vorhänge zu, um das graue Licht auszusperren, und legte sich ins Bett.
Doch die Stille war nicht still.
Das Ticken der Wanduhr im Flur schien im Takt des flachen, rasselnden Atems des sterbenden Mannes zu schlagen. Maya drehte sich unruhig von einer Seite auf die andere. Gerade als sie in den Schlaf hinüberzugleiten drohte, vibrierte ihr Handy auf dem Nachttisch. Sie schreckte hoch, das Herz hämmerte ihr bis zum Hals.
Es war eine Nachricht von Jonas, ihrem Kollegen aus der Tagschicht, der die Nachbearbeitung der ungeklärten Fälle übernommen hatte.
„Hey Maya, wegen dem anonymen Call aus deiner Schicht... Das Telekommunikationsunternehmen konnte die Nummer zurückverfolgen. Die Polizei ist vor einer Stunde zu der Wohnung gefahren.“
Mayas Finger zitterten, als sie tippte: „Und? Was haben sie gefunden?“
Die Antwort kam quälend langsam. Die drei Punkte auf dem Display tanzten minutenlang, bevor Text erschien.
„Der Mieter ist tot. Ein 24-jähriger Student. Herzversagen, sagen die Sanitäter. Aber Maya... die Wohnung war von innen verriegelt. Und Jonas meinte, der Typ lag im Flur. Seine Fingerkuppen waren bis aufs Fleisch blutig gescheuert. Er hat die Tapete von den Wänden gekratzt. Und sein Gesicht... er sah aus, als hätte er den Teufel persönlich gesehen.“
Das Handy glitt Maya aus den Händen und fiel weich aufs Bettlaken.
Ihr Atem ging plötzlich genauso flach und schnell wie der des Mannes in der Leitung. Es war kein Scherz.
In diesem Moment sackte die Temperatur im Schlafzimmer spürbar ab. Ein eisiger Hauch strich über Mayas ungeschützte Schulter. Sie fror, obwohl die Heizung aufgedreht war. Als sie den Atem anhielt, um zu lauschen, hörte sie es. Es kam nicht von der Straße draußen und nicht aus der Nachbarwohnung.
Hinter der Tapete, direkt an der Wand über ihrem Bett, ertönte ein leises, trockenes Schaben.
Und tief in ihrem Gehörgang, wie das Summen einer Mücke, flüsterte eine tonlose, vertraute Stimme das Ende des Reims: ...und du bist drin.

Kapitel 3: Das Erbe der Nacht
Das Schaben an der Wand wurde lauter, fordernder, als würde sich etwas durch den harten Beton fressen. Maya sprang vom Bett, die nackten Füße auf den eiskalten Holzdielen. Das Licht! Sie musste das Licht anmachen! Sie schlug panisch auf den Lichtschalter an der Tür, doch die Glühbirne flackerte nur einmal grell auf und erlosch mit einem hässlichen Zischen.
Dunkelheit flutete den Raum. Eine Dunkelheit, die sich schwer und dickflüssig anfühlte.
„Verschwinde!“, schrie Maya in die Leere, doch ihre eigene Stimme klang seltsam gedämpft, wie unter Wasser.
Die Kälte war nun unerträglich. Ihr eigener Atem stieg in dichten, weißen Wölkchen auf. Und dann sah sie es. In der Ecke des Zimmers, wo die Dunkelheit am dichtesten war, begann sich der Schatten vom Boden zu lösen. Er floss die Wand hinauf, entfaltete sich und formte eine spindeldürre, unnatürlich lange Gestalt. Sie hatte keine Augen, keinen Mund, kein Gesicht – nur eine gähnende, matte Leere, die das restliche Licht der Straße regelrecht aufsaugte.
Das Ding tat einen Schritt nach vorne. Es gab kein Geräusch von Schritten, aber der Boden unter Mayas Füßen vibrierte vor purer, bösartiger Energie.
Maya wich zurück, bis ihr Rücken gegen die verschlossene Wohnungstür prallte. Sie versuchte, den Schlüssel im Schloss zu drehen, doch ihre Finger waren vor Kälte so taub, dass sie den Schlüssel nicht greifen konnte. Das Wesen kam näher. Es bewegte sich ruckartig, in unnatürlichen, abgehackten Winkeln, wie eine kaputte Marionette.
Ein stechender Schmerz explodierte in Mayas Brust. Ihr Herz stolperte, schlug wild gegen ihre Rippen und setzte dann für quälend lange Sekunden komplett aus. Das Gefühl von purem, nacktem Entsetzen lähmte ihre Muskeln. Sie ging in die Knie, die Lungen schrien nach Sauerstoff, aber die Luft im Raum war zu Eis gefroren. Sie würde sterben. Genau hier. Allein im Dunkeln.
Ich will nicht alleine sein. Die Worte des Studenten hämmerten in ihrem Kopf. Der Fluch... er forderte ein Opfer. Oder einen Nachfolger.
Mit letzter, verzweifelter Kraft tastete Mayas zitternde Hand nach ihrer Jackentasche. Ihr Handy. Das Display leuchtete schwach und warf ein krankes, blaues Licht auf die gesichtslose Gestalt, die nun direkt vor ihr stand und die langen, knöchernen Finger nach ihrem Gesicht ausstreckte.
Maya wählte blind die erste Nummer, die ihr einfiel. Ihre Finger tippten die Zahlen, während ihr Sehvermögen am Rand bereits schwarz wurde.
Bitte geh ran. Bitte, verdammt noch mal, geh ran!
Ein Freizeichen. Ein zweites. Das Wesen berührte Mayas Stirn. Es fühlte sich an, als würde flüssiger Stickstoff in ihr Gehirn gepresst. Sie öffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei, als das Telefon endlich abhob.
„...Hallo?“, ertönte die schlaftrunkene, besorgte Stimme ihrer jüngeren Schwester am anderen Ende. „Maya? Ist alles okay? Warum rufst du so spät an?“
Mayas Herz tat einen letzten, finalen Schlag, der sich anfühlte, als würde es in ihrer Brust zerreißen. Das Blut schoss ihr aus der Nase, warm und metallisch. Sie wusste, wenn sie jetzt starb, war es vorbei. Sie musste die Worte sprechen. Sie musste die Schlinge weiterwerfen.
Mit einem gurgelnden, letzten Atemzug presste Maya das Handy an ihre blutigen Lippen und flüsterte die Zeilen in das Mikrofon:
„Was im Dunkeln nach dir greift, erst verlischt und dann herangereift. Nimm den Hauch, den letzten Sinn, ich bin fort... und du bist drin.“
Das Handy entglitt ihren Fingern und schlug stumpf auf dem Boden auf. Mayas Körper sackte in sich zusammen, die Augen starr und glanzlos auf die Decke gerichtet. Das Herz in ihrer Brust stand still.
In der Wohnung wurde es augenblicklich totenstill. Das spindeldürre Wesen war verschwunden, als wäre es nie da gewesen. Das graue Morgenlicht begann langsam wieder durch die Ritzen der Vorhänge zu kriechen und beleuchtete Mayas leblosen Körper.
Auf dem Boden, direkt neben ihrer Hand, leuchtete das Display des Handys immer noch. Die Leitung war nicht unterbrochen.
Aus dem kleinen Lautsprecher knackte es. Dann war die Stimme ihrer Schwester wieder zu hören. Sie klang nicht mehr schläfrig. Sie klang verwirrt. „Maya? Was war das für ein Blödsinn? Hallo?“
Am anderen Ende der Leitung, meilenweit entfernt in der Wohnung ihrer Schwester, war plötzlich ein leises Geräusch zu hören. Ein flaches, schnelles Rasseln. Und dann das unverwechselbare, trockene Schaben von Fingernägeln auf einer Tapete.
„Maya?“, wimmerte die Stimme ihrer Schwester, jetzt am Rande einer Panik. „Hier... hier ist gerade der Strom ausgefallen. Und da ist irgendwas im Flur...“
Das Display des Handys erlosch. Der Kreis war geschlossen. Und der Fluch suchte sich seinen Weg in die nächste Nacht.

Ende



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Autor:

Michael (Gecko) Mahler aus Wörth am Rhein

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