Rettung der historischen Orgel von Sankt Sebastian Mannheim

ie machen sich für die Rekonstruktion der ältesten Orgel in den Quadraten in der St. Sebastian-Kirche stark: Stadtdekan Karl Jung (v.l.), Roswitha Niedermeier, Klaus Krämer und Stefanie Grünewald-Janho. | Foto: kathma/Schuhmann
  • ie machen sich für die Rekonstruktion der ältesten Orgel in den Quadraten in der St. Sebastian-Kirche stark: Stadtdekan Karl Jung (v.l.), Roswitha Niedermeier, Klaus Krämer und Stefanie Grünewald-Janho.
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Mannheim. Mit einer „Benefiz-Orgelnacht“ in der Jesuitenkirche, A4, 3, hat eine großangelegte Spendenaktion zur Rettung der Orgel der katholischen Kirche Sankt Sebastian am Mannheimer Marktplatz begonnen.
Das Instrument aus dem Jahr 1875 gilt als ältestes seiner Art in den Quadraten. Aktuell ist es wegen technischer Mängel stillgelegt, soll aber bis 2026 wieder klingen. Dafür will die Initiativgruppe zu Rettung der Orgel von Sankt Sebastian mit Spenden-Aktionen, Pfeifenpatenschaften, Orgelschnupperkursen, Orgelführungen und zahlreichen weiteren musikalischen Veranstaltungen sorgen.
Die Orgelnacht, bei der rund 1200 Euro an Spendengeldern zusammenkamen, sei nur der erste „Paukenschlag“ gewesen, beschreibt der katholische Bezirkskantor Klaus Krämer den Auftakt der großangelegten „Rettungsaktion“. „Musik zur Marktzeit im Advent“ heißt die nächste Veranstaltungsreihe, mit der die Initiativgruppe für Spenden werben wird.
Diese Kurzkonzerte finden ab Samstag, 9. Dezember, an den Adventssamstagen jeweils um 11 Uhr in Sankt Sebastian statt.
Musizieren werden Peter Ling (Bariton) und Harald Weidner (Organist) am 9. Dezember, der Spatzen- und Kinderchor an Heilig Geist sowie ein Ensemble aus Mitgliedern der Chöre an Heilig Geist am 16. Dezember sowie Kathrin Haberkern (Flöte) und Bezirkskantor Klaus Krämer am 23. Dezember.
Historisch bedeutsam „Die Orgel ist Teil des historischen Erbes der Stadt“, betont der katholische Stadtdekan Karl Jung. Die Orgel ist als Teil der Marktplatzkirche auch Teil des ältesten erhaltenen Gebäude Mannheims. Das barocke Ensemble aus Altem Rathaus und Pfarrkirche Sankt Sebastian wurde ab 1706 gebaut. Gleichzeitig spielt das historische Instrument, das 1875 durch Großherzog Friedrich I. von Baden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, in den Gottesdiensten an diesem bis heute täglich von vielen Menschen besuchten Kirchort „eine entscheidende Rolle“. Schließlich sei der sakrale Raum dem Stadtpatron – dem Heiligen Sebastian – geweiht und diesen Namen wird ab 2026 auch die Großpfarrei für ganz Mannheim, inklusive Ilvesheim sowie Edingen und Neckarhausen tragen. Umso wichtiger sei es, diese „Königin der Instrumente zu retten“, findet der Stadtdekan.
Dringender Handlungsbedarf Rettung hat die 145 Jahre alte Pfeifenorgel dringend nötig – obwohl sie zwei Weltkriege nahezu unbeschadet überstanden hat. „1917 mussten lediglich die Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben werden“, erläutert Klaus Krämer.
Aus heutiger Sicht problematisch stuft der Katholische Bezirkskantor hingegen die Umbauten aus dem Jahr 1961 ein. „Was der Krieg nicht geschafft hat, haben nachfolgende Generationen erledigt.“ Im Mittelpunkt stand damals der Wunsch nach einem barocken Instrument größerer Dimension. „Dabei nahm keine Rücksicht auf die klangliche und architektonisch bedeutende Substanz der Orgel“, seufzt der Kirchenmusiker und blickt auf den mittleren Originalteil des Gehäuses, das der Architekten Philipp Bender entworfen hatte.
Durch den Orgelumbau entstandene Konstruktionsmängel und Verschleiß hatten in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Probleme verursacht. „Hängende Töne führten regelmäßig zum Ausfall des Instruments in den Gottesdiensten“, beschreibt Krämer. Den Ausschlag für die Stilllegung gab letztlich die marode Elektrik. Die Königin der Instrumente wurde als „brandgefährlich“ eingestuft, „so dass ein Weiterbetrieb der Orgel 2020 von der Kirchengemeinde nicht mehr verantwortet werden konnte“, beschreibt Jung, der auch Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Mannheim Johannes XXIII ist, zu der Sankt Sebastian gehört.
Zurück zum Original: Ziel ist es daher jetzt, den historischen Zustand des Instruments aus der Orgelbauwerkstatt Louis Voit und Söhne Durlach wieder herzustellen „und so für die Nachwelt zu erhalten“, betont der Bezirkskantor. Zahlreiche Orgelpfeifen wurden während des Umbaus nämlich versetzt und verändert, was die Rekonstruktion sehr aufwändig mache.
Ab Januar 2025 wird die Orgelbauwerkstatt Lenter aus Sachsenheim das Instrument Stück für Stück demontieren. Noch vorhandene Originalteile sollen wiederverwendet werden. Die Orgel wird klanglich die originale Größe mit zwei Manualen und Pedal bei 22 Registern haben. Daher muss auch der Spieltisch rekonstruiert werden. „Nach diesen Arbeiten in der Werkstatt, die etwa ein Jahr dauern werden, wird die Orgel wieder in der Kirche aufgebaut“, beschreibt Krämer die einzelnen Schritte, die parallel zum Umbau der Orgelempore erfolgen werden. Die zeitgenössischen Zubauten von 1961 werden nicht wieder aufgestellt. Die Orgel kommt also auch optisch wieder dem Original von 1875 nahe, wenn das Gehäuse überarbeitet und farblich neu gefasst ist.
Man rechne damit, dass die Orgel im Frühjahr 2026 wieder erklingen kann, so die Verantwortlichen.
Kosten werden die Rekonstruktions-, Rück- und Umbaumaßnahmen rund 600.000 Euro. Zwei Drittel davon sind bereits durch Zuschüsse des Erzbistums Freiburg, der Pfälzer Katholischen Kirchenschaffnei und angesparte Spendenmittel gedeckt. Für die restlichen 200.000 Euro wird die Kirchengemeinde Mannheim Johannes XXIII selbst aufkommen.
Genau hier kommt die Initiativgruppe zur Rettung der Orgel von Sankt Sebastian ins Spiel. „Wir wollen Menschen dafür begeistern, sich mit Spenden, einer der 1200 möglichen Pfeifenpatenschaften, Orgelführungen oder Orgelschnupperstunden an diesem Projekt zu beteiligen“, beschreibt Roswitha Niedermeier als Mitglied der Initiativgruppe eine Reihe von geplanten Aktionen. „Eine charmante Idee kann sein, gleich mehrere Pfeifenpatenschaften zu übernehmen oder zu verschenken.“
Möglich sei, dabei Ton für Ton die Initialen der oder des Beschenkten, den eigenen Namen oder den des Lieblingskomponisten – zum Beispiel B-A-C-H – zu buchstabieren, führt Niedermeier aus.
Insgesamt sei das Projekt ein „Herzensanliegen“ der ganzen Pfarrei, betont Stefanie Grünewald-Janho vom Gemeindeteam. Mit der Entscheidung für die Rekonstruktion gehe ein ganz großer Wunsch in Erfüllung: „Es handelt sich schließlich um unser Kulturgut!“ Der gleichen Auffassung waren auch die Organisten, die bei der ersten Benefizveranstaltung während des Mannheimer Orgeltags am Spieltisch der Klais-Orgel in der Jesuitenkirche Platz nahmen. Bezirkskantor Klaus Krämer, der Organist der Jesuitenkirche Tobias Breitner, der ebenfalls Mitglieder der Initiativgruppe ist, aber auch zahlreiche evangelische Kollegen spielten für die Rettung der Orgel von Sankt Sebastian – darunter der stellvertretende evangelische Landeskantor Nordbaden Johannes Michel sowie die Orgelvirtuosen Beate Rux-Voss, Marion Krall und Lars Schwarze.
Weitere Informationen sind unter www.kathma-johannes23.de/orgelrettung zu finden. hät/red

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Autor:

Kristin Hätterich aus Mannheim

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