Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes in der Corona-Krise
"Jeder wird so angenommen wie er ist"

Martin Engelbert, Bärbel Deobald und Heidi Fahr (von links)
  • Martin Engelbert, Bärbel Deobald und Heidi Fahr (von links)
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Von Frank Schäfer

Blaues Kreuz Kaiserslautern e.V. Seit Mitte März bestimmen Kontaktbeschränkungen das gesellschaftliche Leben in Deutschland. Davon betroffen ist auch die Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes Kaiserslautern e.V. Normalerweise treffen sich dort jeden Mittwoch- und Freitagabend Suchtkranke und deren Angehörige im Haus der Diakonie in der Pirmasenser Straße 82 in Kaiserslautern zum Erfahrungsaustausch. Doch aufgrund der Kontaktbeschränkungen ist dies zurzeit nicht möglich, sodass die Mitglieder nur noch über Video-Chat und Telefon in Kontakt bleiben.

Austausch im Online-Treffen

Viele vermissen den gewohnten Austausch im vertrauten Kreis. "Ich bin seit Januar 2019 in unserer Selbsthilfegruppe. Es ist erstaunlich, wie schnell diese Gruppe ein fester Bestandteil meines Lebens geworden ist", berichtet ein Mitglied der Selbsthilfegruppe. "Als mit Beginn der Corona-Krise die regelmäßigen Treffen ausfallen mussten, hat mich das tief getroffen. Umso erleichterter war ich, als wir dann anfingen, via Skype miteinander zu chatten. Es war wie eine Erlösung für mich. Endlich konnte ich wieder die vertrauten Gesichter sehen und über meine Ängste und Sorgen sprechen. Es war alles wie immer: Die Gruppe hat mich aufgefangen." Geleitet wird die Gruppe von Martin Engelbert, Heidi Fahr und Bärbel Deobald. Das Team ist ehrenamtlich tätig, alle haben eine Ausbildung als freiwillige Suchtkrankenhelfer und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.

Gemeinsame Aktivitäten fallen aus

Neben den regelmäßigen Gruppentreffen werden normalerweise auch gemeinsame Wanderungen und Ausflüge unternommen. "Wir wollen den Leuten einen Rahmen bieten, in dem Alkohol keine Rolle spielt", betont Heidi Fahr, die zweite Vorsitzende des Vereins. Doch bis auf eine Grillparty im Sommer und wenige Wanderungen mussten diese Aktivitäten dieses Jahr ausfallen. Darunter leidet aber nicht das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppenmitglieder. An Veranstaltungen wie dem Stadtparkfest und dem Westfest macht das Blaue Kreuz Kaiserslautern an Info-Ständen auf seine Arbeit aufmerksam. Dies ist in diesem Jahr genauso weggefallen wie die Suchtprävention der Konfirmanden. Auch die Weiterbildungen, an denen die ehrenamtlichen Gruppenleiter regelmäßig teilnehmen, können zurzeit Corona-bedingt nicht stattfinden. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Pfalzklinikum gehen die Suchtkrankenhelfer des Blauen Kreuzes alle zwei bis drei Wochen auf suchtkranke Menschen zu, die sich im Pfalzklinikum in einer akuten Notlage befinden und eine Entgiftung durchmachen. Auch diese Kontakte fallen zurzeit weg. Offen steht aber der Zugang zu den Online-Treffen. Einladungslinks können per E-Mail angefordert werden.

Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten

"Zu uns kommen Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten - die jüngsten sind Mitte zwanzig, die ältesten um die 70. Oft kommen auch zuerst die Angehörigen zu uns, bevor die Betroffenen selbst kommen", berichtet der erste Vorsitzende Martin Engelbert. "Es gibt immer mehr Leute, die mehrfach abhängig sind. Zur Alkoholabhängigkeit kommen oft noch Spielsucht oder Drogen- bzw. Medikamentenabhängigkeit hinzu. Jeder, der neu in die Gruppe kommt, wird so angenommen, wie er uns entgegentritt und kann auf Wunsch auch anonym bleiben. Es gibt keine Beurteilung oder Verurteilung. Alles, was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe", betont Martin Engelbert. Neue Gruppenmitglieder bekommen drei Telefonkontakte. So können sie auch außerhalb der Treffen andere Gruppenmitglieder kontaktieren, wenn sie Hilfe brauchen.

Wege aus der Sucht finden

Das Blaue Kreuz in Deutschland (BKD) bietet in seinen Selbsthilfegruppen und Vereinen einen alkoholfreien Lebensraum an, der Menschen mit ähnlichen Erfahrungen verbindet. Ziel ist es, Abhängige und Angehörige zu unterstützen, einen Weg aus der Sucht zu finden. Dieser Weg sieht immer anders aus und bedarf einer ganz individuellen Hilfe. Die Selbsthilfegruppe in Kaiserslautern bietet Raum für positive Beziehungserfahrungen in einem annehmenden und helfenden Miteinander. Das Blaue Kreuz Kaiserslautern arbeitet mit der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes Pfalz zusammen.

Kontakt:
Blaues Kreuz Kaiserslautern e.V.
Haus der Diakonie
Pirmasenser Straße 82
67655 Kaiserslautern
Telefon: 0151 2873 0033 (ab 16 Uhr)
E-Mail: KL@blaues-kreuz-pfalz.de

Autor:

Frank Schäfer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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