Deutsche Hörercharts begeistern
Starke Sendung, aber "Katzen Quälerei" am Ende
- Eine schöne Sendung gab es bei der heutigen Chart-Show, trotz richtig schwacher Nummer 1.
- Foto: freestocks-photos/pixabay
- hochgeladen von Marianne Foregger
So viele Stimmen wie schon lange nicht mehr waren nötig, um überhaupt den Sprung in die Top 20 der deutschen Hörercharts zu schaffen. Das Niveau der Sendung war entsprechend hoch. Viele starke Titel schafften es in die Wertung und selbst im hinteren Bereich der Top 20 fanden sich Songs, die in einer anderen Woche durchaus Chancen auf die Top 5 gehabt hätten.
Umso größer war am Ende die Verwunderung über den Sieger. Die bislang kaum bekannte Band N2E landete mit "In meinem Kopf" auf Platz 1 und setzte sich mit einer geradezu absurd hohen Punktzahl gegen die gesamte Konkurrenz durch. Das Lied erzählt die Geschichte eines Freundes, der Suizid begangen hat. Die ernste Botschaft wurde durchaus anerkannt, musikalisch konnte der Titel das Publikum jedoch überhaupt nicht überzeugen. Während der Sendung wurden deutliche Worte gefunden, wie zum Beispiel "hört sich an wie wenn jemand eine Katze quält". Viele Zuhörer bezeichneten den Song als die wohl schwächste Nummer 1, die es in den Hörercharts jemals gegeben habe. Entsprechend groß war das Erstaunen über den riesigen Vorsprung, mit dem N2E den Sieg einfuhr, es gab Mutmassungen, dass es da wohl nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte.
Von der, freundlich gesagt, "sehr gewöhnungsbedürftigen Nummer 1" abgesehen, sollte man aber nicht vergessen, dass sonst der Abend musikalisch einiges zu bieten hatte. Die Plätze 20 bis 17 gingen an spannende Künstler, deren Songs durchweg positiv aufgenommen wurden: Die Deutsche Meltem Acikgöz mit Explosion In My Heart (Platz 20), die Britin JADE mit Angel of my Dreams (Platz 19), Yaris mit Papa (Platz 18) und Monrose mit Shame (Platz 17) alleien waren schon Grund genug um einzuschalten. Mehrere Hörer waren sich einig, dass einige dieser Titel ohne Weiteres auch in den Top 5 hätten landen können.
Weniger Begeisterung löste dagegen "Glatze Schlumpf" von Königs Taler aus. Der Österreicher Christian Taler steckt hinter Königs Taler und sorgt derzeit mit "Stop Misgendering Me" in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit. Er schaffte es aber hier mit einem Song über die männliche Selbstbefriedigung in die Top 20. Polarisieren wollte der Titel zwar, wirklich zünden konnte er beim Publikum aber nicht und der wohl spekulativ geplante Eklat des Songs lockte eher ein müdes Gähnen hervor.
International wurde es auf Platz 15 mit der finnischen Hard Rock und Heavy Metal Band Meluntekijä. Der Song kam prinzipiell gut an, einigen fehlte allerdings der letzte Funke. Direkt dahinter folgte die schwedische Formation Skumbollar. Die in ihrer Heimat als ABBA Coverband bekannte Gruppe präsentierte mit ihrem eigenen Song eine Hommage an den klassischen Pop Sound Schwedens. Die Meinungen gingen dabei weit auseinander. Während einige den Titel feierten, konnten andere damit überhaupt nichts anfangen.
Auch die deutschen und österreichischen Künstler überzeugten im oberen Feld. Der Wiener Rapper Papageno MC verbesserte sich mit "Rauschen in meinem Kopf" deutlich und sprang von Platz 14 auf Rang 9. Die Rockband Rammbock behauptete mit "Skinwalker" souverän ihren achten Platz aus der Vorwoche. Skeleton Trap Horse machte mit ihrem Song über die Epstein Files ebenfalls Boden gut und kletterte von Platz 10 auf Rang 7.
Für gute Stimmung sorgte DJ Wolfgang Karabas. Sein Titel "Moskito" führte nicht nur zu einer unterhaltsamen Diskussion über Mückenstiche und Hausmittel, sondern erwies sich erneut als echter Ohrwurm. Nachdem der Song in der Vorwoche noch auf Platz 3 gelegen hatte, reichte es diesmal für Rang 6.
Die Austro-Pop Formation Cafe Royal 10 mussten sich nach ihrer Spitzenposition vor zwei Wochen weiter nach unten orientieren. "Bankrott, Bankrott" belegte diesmal Platz 5 und verlor einen weiteren Rang gegenüber der Vorwoche. Knapp am Podium vorbei landeten Nick Wachta & Travellers mit "Dreams of Infinity". Das Nebenprojekt des bekannten Modelmanager und DJs Dominik Wachta verbesserte sich leicht von Platz 5 auf Rang 4.
Für den spektakulärsten Neueinstieg der Woche sorgte das deutsch-österreichische EDM Projekt BILLY WANTS MORE. Verkörpert durch die Berliner Drag Queen Miss Candy Rush schaffte es "Too Hot for Heaven" direkt auf Platz 3 und brachte mit seinem augenzwinkernden Dance Pop frischen Wind in die Sendung.
Auf Platz 2 landete schließlich Velvet Vulture mit "Planet Earth". Das EDM Projekt machte einen gewaltigen Sprung von Rang 7 und wäre für viele Zuhörer der verdiente Sieger des Abends gewesen. Stattdessen ging der Sieg an N2E, deren außergewöhnlich hoher Punktestand auch nach Ende der Sendung für Kopfschütteln und Diskussionen sorgte, vorallem anbetracht der dürftigen Qualität des Tracks.
Unterm Strich bleibt dennoch eine starke Ausgabe der deutschen Hörercharts. Das musikalische Niveau war hoch, viele neue Künstler konnten überzeugen und es gab zahlreiche Songs, die Lust auf mehr machen. Schade nur, dass ausgerechnet der umstrittenste (und wohl schwächste) Titel des Abends am Ende ganz oben stand. Hoffentlich verfolgt uns dieser Song nicht noch länger.
[table]MonroseShame [/table]
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.