Star Deejay attackiert Oskar Lafontaine
„Malen Sie sich doch gleich ein Hakenkreuz auf“
- Hatte früher durchaus Sympathien für Oskar Lafontaine. Der österreichische Chartstürmer DJ Dominik Wachta ist aber vom heutigen Weltbild des einstigen Spitzenpolitikers entsetzt.
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Das dürfte eine der deutlichsten politischen Ansagen sein, die der bekannte Modelmanager und Deejay Dominik Wachta (Timmy now you´re free, Electronic Bird, Cucuy) in den vergangenen Jahren öffentlich gemacht hat. Der Frontmann von DJ Dominik Wachta & friends (immerhin 10 Nummer 1 Hits in europäischen Deejay und Hörercharts) geht mit Oskar Lafontaine hart ins Gericht und spart dabei nicht mit drastischen Worten. Auslöser ist ein Text Lafontaines unter dem Titel „Die Steigbügelhalter des Faschismus“, in dem der ehemalige SPD Vorsitzende vor allem die deutsche Außen und Sicherheitspolitik, die Unterstützung der Ukraine und Israels sowie den Umgang mit der AfD scharf kritisiert.
Wichtig ist dabei die politische Einordnung von Wachta selbst. Er versteht sich als Mann der politischen Mitte und Humanist, seine Kritik an Lafontaine kommt ausdrücklich nicht aus einer Haltung, die sich einfach einem politischen Lager zuordnen lässt. Im Gegenteil. Wachta betont, dass auch die Politik des Westens kritisiert werden könne und dass er ebenso die Politik der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu kritisch sehe. Für ihn gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied zwischen berechtigter Kritik und dem Ausblenden dessen, wer einen Krieg begonnen oder einen Terrorangriff verübt hat.
Lafontaine stellt in seinem Text das Bündnis Sahra Wagenknecht als Partei dar, die sich als einzige politische Kraft konsequent gegen Krieg und Aufrüstung stelle. Gleichzeitig greift er CDU, SPD, Grüne und Linke an und wirft ihnen vor, mit ihrer Politik die AfD immer größer gemacht zu haben. Besonders scharf wird Lafontaine bei seiner Kritik an der sogenannten Brandmauer. Er spricht von den „Steigbügelhaltern des Faschismus“ und meint damit ausgerechnet jene Parteien, die sich selbst als demokratische Mitte verstehen.
Doch genau an diesem Punkt platzt Dominik Wachta offenbar der Kragen: „Unfassbar Herr Lafontaine“, beginnt Wachta seine Reaktion. Er habe Lafontaine früher ebenso wie Sahra Wagenknecht für intelligente Menschen gehalten. Was Lafontaine inzwischen über Russland und Israel verbreite, gehe für ihn jedoch „auf keine Kuhhaut mehr“.
Vor allem Lafontaines Darstellung des Ukraine Krieges stößt bei Wachta auf heftigen Widerspruch. Er erinnert daran, dass Russland den Krieg begonnen habe. Dass der Westen zuvor ebenfalls Fehler gemacht haben könne, bestreitet Wachta ausdrücklich nicht. Für ihn ändert das aber nichts an der Frage, wer den Angriffskrieg begonnen hat und dass Putin ein Massenörder sei, der verantwortlich für den Tod 100.000 ter Menschen ist.
Damit grenzt sich Wachta auch von politischen Erzählungen ab, die jeweils Russland oder den Westen einseitig für den Krieg verantwortlich machen. Seine Haltung ist dabei nicht als uneingeschränkte Unterstützung westlicher Politik zu verstehen. Er kritisiert durchaus Entscheidungen des Westens und macht auch bei Israel keine Ausnahme.
Besonders deutlich wird das bei seiner Reaktion auf Lafontaines Aussagen über Israel. Wachta kritisiert die aus seiner Sicht einseitige Darstellung des Konflikts und zieht dabei einen äußerst drastischen Vergleich. Sinngemäß wirft er Lafontaine vor, seine Positionen zu Israel seien so extrem, dass er sich „gleich ein Hakenkreuz aufmalen“ könne. Eine Aussage, die bewusst provoziert und entsprechend schwer wiegt.
Gleichzeitig stellt Wachta ausdrücklich klar, dass seine Kritik an Lafontaine nicht bedeutet, dass er die Politik der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu gutheißt. Auch diese Politik könne und müsse kritisiert werden. Für ihn ist jedoch der Ausgangspunkt des aktuellen Iran Krieges entscheidend: der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem zahlreiche unschuldige Zivilisten getötet und Geiseln verschleppt wurden.
Genau diese klare Trennung vermisst Wachta bei Lafontaine. Wer über Israels Vorgehen spreche, dürfe aus seiner Sicht den Terrorangriff der Hamas nicht ausblenden. „Wer dafür keine klaren Worte findet, sollte besser komplett schweigen“, schreibt der DJ in seiner Abrechnung.
Damit treffen zwei sehr unterschiedliche politische Sichtweisen frontal aufeinander. Lafontaine sieht in der deutschen Politik eine gefährliche Entwicklung hin zu immer mehr Aufrüstung und warnt vor einer Wiederholung historischer Fehler. Wachta wiederum hält gerade Lafontaines Umgang mit Russland und Israel für völlig verfehlt und wirft ihm vor, bei seiner Kritik entscheidende Zusammenhänge auszublenden.
Interessant ist dabei gerade, dass Wachta auf Nachfrage seine Position nicht als klassisches Lagerdenken verstanden wissen will. Er stellt sich weder bedingungslos hinter die westliche Politik noch übernimmt er Lafontaines Sichtweise auf Russland oder Israel. Seine Argumentation folgt vielmehr dem Gedanken, dass man mehrere Dinge gleichzeitig kritisieren kann: die Politik Netanjahus, Fehler des Westens und trotzdem den russischen Angriff auf die Ukraine klar verurteilen. Ebenso könne man Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisieren und gleichzeitig den Hamas Terror vom 7. Oktober eindeutig verurteilen.
Ob man Wachtas drastische Wortwahl nun für berechtigt oder völlig überzogen hält, eines lässt sich kaum bestreiten: Leise war diese Reaktion nicht. Aber leise war der Erfinder von "Österreichs Nächstes Topmodel" sowieso selten.
Gerade der Vergleich mit dem Hakenkreuz dürfte für reichlich Diskussion sorgen. Denn damit verlässt Wachta die Ebene einer normalen politischen Auseinandersetzung und wählt bewusst eine Formulierung, die provozieren soll. Lafontaines Text wiederum zeigt, wie tief die Gräben bei den Themen Krieg, Aufrüstung, Russland, Israel und dem Umgang mit der AfD inzwischen geworden sind.
Hier prallen deshalb nicht zwei politische Lager aufeinander. Es geht vielmehr um zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie politische Verantwortung in einer Zeit internationaler Kriege und wachsender Spannungen aussehen sollte.
Ausgerechnet beim Thema Krieg und Frieden, das Lafontaine seit Jahren zu seinen wichtigsten politischen Anliegen zählt, kommt es damit zu einem offenen Schlagabtausch zwischen einem ehemaligen Spitzenpolitiker und einem österreichischen Star DJ, der sich selbst in der politischen Mitte verortet. Und Wachta hat mit seiner Wortwahl dafür gesorgt, dass dieser Streit vermutlich noch einige Wellen schlagen wird.
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
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