Wegen Skandal um DJ Sama' Abdulhadi
EDM Szene formiert sich zum Boykott des Habitat Festivals
- Der Skandal rund um die palästinensische DJ Sama' Abdulhadi führt jetzt zu einem Boykott von Teilen der EDM & Techno Szene gegenüber dem Habitat Festival (Beispiel Foto Musik Produzent)
- Foto: sumeet2002/Pixabay
- hochgeladen von Marianne Foregger
Der geplante Auftritt der palästinensischen DJ Sama' Abdulhadi beim Hamburger Habitat Festival sorgt seit Tagen für bundesweite Diskussionen. Auslöser sind frühere Äußerungen der Musikerin zum Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, die unter anderem von der Hamburger Antisemitismusbeauftragten Anna von Villiez sowie dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, scharf kritisiert werden. Beide werfen Abdulhadi vor, den Hamas-Angriff als legitimen Widerstand dargestellt und antisemitische Positionen verbreitet zu haben. Während das Festival an der Verpflichtung der DJ festhält, wächst der Protest aus Politik, Öffentlichkeit und der Musikbranche.
Nun formiert sich auch im Nachbarland Österreich deutlicher Widerstand. Zahlreiche bekannte DJs, Produzenten und Veranstalter aus der EDM- und Techno-Szene kündigen an, das Habitat Festival künftig zu boykottieren. Sie werfen den Veranstaltern vor, mit der Einladung der umstrittenen Künstlerin ein falsches Signal zu senden und fordern Konsequenzen.
Zu den Unterstützern des Boykotts gehören zahlreiche bekannte Namen der österreichischen Dance- und Electro-Szene.
DJ Ali Mohamed von der EDM-Formation Klimmstengel, die bereits drei Nummer-1-Hits veröffentlichen konnte, erklärt:
"Wie man an meinem Namen merkt bin ich selbst arabischer Abstammung, aber Terror egal gegen wen gerichtet, darf niemals eine Option sein. Menschen die das verharmlosen, müssen klaren Gegenwind spüren."
Auch Dominik Wachta, Produzent hinter DJ Dominik Wachta & friends (9 Nummer 1 Hits in europäischen Charts) sowie Nick Wachta & Travellers, äußert sich ungewöhnlich deutlich. Der Modelmanager und Erfinder von Österreichs Nächstes Topmodel hält sich nach eigenen Angaben normalerweise aus politischen Debatten heraus, sieht in diesem Fall jedoch eine Grenze überschritten:
"Ich möchte anmerken, dass ich die Gaza-Politik von Herrn Netanjahu selbst kritisch sehe, aber der Tod von mehr als 1200 unschuldigen Menschen, ist durch nichts zu rechtfertigen und die Hamas ist nichts anderes als eine Terror-Organisation. Da sind unschuldige Zivilisten abgeschlachtet worden und wenn das stimmt dass jemand so etwas bejubelt oder verharmlost, darf so einem Menschen nie wieder eine Bühne geboten werden!"
Deutliche Worte findet auch der Kärntner DJ und Produzent Ingo Webernig:
"Wer den Tod unschuldiger Menschen gutheißt, verwirkt jedes Recht auf eine Bühne bei uns. Hier wird nicht mehr nur diskutiert – hier tritt jemand unsere fundamentalen Werte mit Füßen und spuckt direkt darauf!"
Geschlossen hinter dem Boykott steht auch die St. Pöltner EDM-Gruppe Velvet Vulture. Die Band übermittelte folgendes gemeinsames Statement:
"Wer eine Kultur des Gegeneinanders fördert, wer Hass-Verbrechen statt zu verurteilen sogar noch verharmlost, wer seinen Menschen-Hass so offenkundig auslebt, hat weder in einer europäischen Wertegemeinschaft, noch auf der Bühne eines Techno Festivals etwas verloren."
Für DJ Martin Weleno (bekannt durch seinen Europa weiten Hit "You") steht fest, dass politische Botschaften auf einer Musikbühne nichts verloren haben:
"Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Politik sowie politische Angelegenheiten in der Musik nichts verloren haben, Musik soll Menschen verbinden und glücklich machen. Musik sollte nicht dafür genutzt werden Gruppen zu spalten. Von so einem Veranstalter sollte sich meiner Meinung nach jeder Künstler und Musiker welcher das mit Herz und Überzeugung macht distanzieren ebenso sollte sich jeder Veranstalter von Künstlern distanzieren die ihre Auftritte für solche Absichten missbrauchen denn das gehört in diese Welt nicht hinein."
Auch Michael Heberer, vielen als Drag Queen "Miss Candy Rush" und Kopf des deutsch-österreichischen EDM-Projekts "BILLY WANTS MORE" bekannt, zeigt sich empört:
"Solche Festival Veranstalter gehören gnadenlos gecancelt. Wenn die Aussagen aus den Medien wie der BILD-Zeitung stimmen, wäre ich dafür, dass Sama besser in einer Insassen Show eines Gefängnisses auftreten sollte, als auf einem Festival."
Der Wiener Veranstalter und Disco Betreiber Mario Zadra betont, dass für ihn klare Werte entscheidend seien:
"Ich verurteile die Gewalt und den Terror der Hamas klar und ohne Einschränkung. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass bei allen Maßnahmen der Schutz der Zivilbevölkerung oberste Priorität hat – unabhängig davon, auf welcher Seite sie lebt. Dauerhafter Frieden kann nur durch Sicherheit, Menschlichkeit und Dialog erreicht werden. Hass und Gewalt schaffen keine Zukunft." Künstler & Veranstalter die dieses Wertebild nicht teilen, hätten laut Zadra keinen Platz in der EDM & Techno Kultur.
Auch DJ Wolfgang Karabas fordert Konsequenzen für die Festivalveranstalter:
"Die Politik muss überprüfen ob das Festival Gelder aus öffentlicher Hand bekommen hat, diese sollen dann ggfs. gestrichen werden und auch sonst sollte man sich überlegen, wie man eine Neu-Austragung des Habitat in Zukunft verhindern kann. Hass hat in der EDM Szene keinen Platz."
Hardstyle-DJ Niklas Steiner alias DJ Feuerapfel, vor Kurzem Nummer 1 in den Deutschen Hörercharts, kritisiert sowohl den Auftritt als auch die Verantwortlichen des Festivals:
"Schade, dass das so spät bekannt wurde, denn sonst hätte ich höchstpersönlich mit meiner Community vor Ort einen Protest organisiert. Ich finde es unmöglich, geradezu widerlich, wenn man solchen radikalen Menschen Auftritte ermöglicht. Das legt den Verdacht nahe, dass sich die Veranstalter auch, zumindest teilweise, mit diesem Gedankengut identifizieren, und für solche Menschen würde ich niemals auflegen wollen."
Besonders emotional reagiert schließlich Gerhard Macho alias Kiki Machostino, Hardstyle-DJ, Produzent und Mitveranstalter der Burg Clubbings:
"Für mich sind Menschen die den Tod anderer verharmlosen oder feiern menschlicher Abschau. Es gibt nichts was es rechtfertigt, dass man so jemanden zu einem der Headliner einer Veranstaltung macht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, weil mir geht dabei wirklich das Geimpfte auf."
Mit ihren Stellungnahmen wollen die Künstler nach eigenen Angaben ein deutliches Zeichen setzen. Sie kündigen an, künftig nicht mehr mit dem Habitat Festival oder den Beteiligten zusammenzuarbeiten und hoffen, dass sich weitere Musiker und Veranstalter ihrer Haltung anschließen.
Wer sich dem Protest anschließen will, kann sich unter marianneforegger@gmail.com melden.
Autor:Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern |
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