Interview mit Peter Bödeker
"Jetzt ist nicht die Zeit für ein Gegeneinander"

Peter Bödeker, Vorsitzender der Speyerer Leistungsgemeinschaft "Das Herz Speyer"
  • Peter Bödeker, Vorsitzender der Speyerer Leistungsgemeinschaft "Das Herz Speyer"
  • Foto: Louis Bödeker
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Speyer. Der Postplatz in Speyer soll umgestaltet werden. Die Stadtverwaltung schlägt vor, den nördlichen Bereich des Postplatzes in der Bahnhofstraße bis zur Unteren Langgasse und in der Gilgenstraße bis zur Kapuzinergasse zur Fußgängerzone zu machen. Der Bauausschuss hat bereits zugestimmt. Im März soll der Stadtrat eine endgültige Entscheidung treffen. Doch wie steht der Speyerer Einzelhandel zu den Plänen der Stadtverwaltung? Cornelia Bauer sprach mit Peter Bödeker, Vorsitzender von "Das Herz Speyer". Die Leistungsgemeinschaft  hat inzwischen 70  Mitglieder, darunter nicht nur Einzelhändler, sondern auch Ärzte, Museen, Dienstleister und Schausteller. Ihr gemeinsames Interesse: eine prosperierende Stadt.
???: Die Stadtverwaltung will mehr Aufenthaltsqualität für den Postplatz. Ist der Postplatz, so wie er ist, zu unattraktiv?
Peter Bödeker: Unsere Innenstadt hat sich toll entwickelt, dafür sind wir dankbar. Eine Umgestaltung des Postplatzes ist ganz im Sinne einer Fortentwicklung der Stadt Speyer. Wir brauchen an dieser Stelle einen multifunktionalen Platz mit Wohlfühl-Atmosphäre. Was wir brauchen ist ein einladender Postplatz mit mediterraner Gestaltung, viel Grün, ansprechenden Freisitzen und Wasser als zusätzlichem Gestaltungselement, eventuell mit Wasserspielen, die abends beleuchtet sind als neuem Highlight für die Stadt. Der Postplatz soll ein Ort im öffentlichen Raum werden, der lebendig ist, aber dennoch Harmonie ausstrahlt, an dem man auftanken kann. Zugleich sollte dafür Sorge getragen werden, dass man auf dem Platz auch Events durchführen kann: kleine Märkte, Konzerte, Public Viewing. Eine solche Gestaltung würde die Gesamtstadt und auch Speyers Anziehungskraft auf Besucher stärken. Das ist also ganz in unserem Sinne.
???: Und wie stehen Sie zur geplanten Verkehrsberuhigung?
Bödeker: Die Anlieger in der Gilgenstraße wünschen sich diese Verkehrsberuhigung - und das ist absolut verständlich. An dieser Stelle muss etwas passieren. Unser wichtigstes Anliegen ist es, dass die Hauptverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung für die Autofahrer erhalten bleibt. Wir hatten die Einbahnstraßenregelung vor zirka 15 Jahren in diesem Bereich schon einmal - das endete im Verkehrschaos. Rückstaus bis zur Umgehungsstraße waren die Folge; 13.000 Menschen wendeten sich damals mit ihren Unterschriften gegen diese Verkehrsführung. Ich fürchte, auch dieses Mal würde der Autoverkehr nur verdrängt, so dass am Ende die Anlieger in anderen Straßen über Gebühr belastet werden. Die Nord-Süd-Achse durch Speyer einfach zu kappen, halte ich für unverantwortlich. Das wird wieder im Verkehrschaos enden, vor allem im Bereich der Schützenstraße durch die Rückstaus am Bahnübergang. Kommt der zusätzliche Haltepunkt Speyer-Süd würde sich die Situation noch verschlimmern. Nicht vergessen darf man auch die Sperrung der Oberen Langgasse wegen des Voba-Neubaus. Wenn der fertig ist, muss die Brücke saniert werden, das heißt, auch anschließend steht die Obere Langgasse nicht zur Verfügung. Ich könnte mir am Postplatz eine Verkehrsberuhigung vergleichbar der am Domplatz vorstellen: Fußgänger und Radfahrer hätten dann Vorrang, die beiden Ampeln könnten weg und die Autos könnten trotzdem fahren, aber eben nur in Schrittgeschwindigkeit.
???: Sie haben in der Vergangenheit schon öfter die Zusammenarbeit der Mitglieder Ihrer Leistungsgemeinschaft untereinander, aber auch die Kommunikation mit der Stadtverwaltung gelobt. Dieses Mal scheinen Sie aber nicht zufrieden zu sein.
Bödeker: Ich sehe in der branchenübergreifenden Zusammenarbeit die einzige Chance, die Speyer hat. Wir müssen solidarisch zusammenwirken, um Speyer gemeinsam voranzubringen. In dieser Angelegenheit, die den Speyerer Einzelhandel maßgeblich mit betrifft, kurz nach der Sperrung der Rheinbrücke und inmitten einer Pandemie, ärgere ich mich, dass man nicht mit uns gesprochen hat, bevor die Pläne der Stadtverwaltung in den Verkehrsausschuss gekommen sind. Da fehlt das Miteinander. Und vielleicht auch das Verständnis für die Belange aller Gewerbetreibender in der Stadt. Eigentlich hätte der Stadtrat ja bereits im Februar entscheiden sollen. Zum Glück ist die endgültige Entscheidung auf März vertagt worden.
Speyer braucht das Umland und muss daher erreichbar bleiben. Auch mit dem Auto. Weil der Anteil an Elektrofahrzeugen stetig steigt, wird hier auch die CO2-Belastung immer geringer werden. Traditionell versorgt sich das Umland in Speyer mit, und die Menschen aus dem Umland müssen wir daher auch bei der Planung berücksichtigen, ganz gleich, ob wir sie jetzt Kunde, Gast, Patient, Besucher oder Mandant nennen. Diese Menschen lassen sich keine Verkehrsverbindungen aufzwingen, die sie nicht wollen. Wenn Autofahrer über die wichtigsten Einfallstraßen Landauer Straße, Dudenhofer Straße und Bahnhofstraße in Sackgassen landen und wieder ausgeleitet werden, dann kommen sie nicht wieder. Wir müssen all unsere Bemühungen darauf ausrichten, das Gesamtensemble Speyer so attraktiv wie möglich zu machen, damit wir nach drei Jahren gesperrter Rheinbrücke die Badener wieder zurück in die Stadt holen. Wir müssen es den Menschen einfacher machen nach Speyer zu kommen, nicht schwieriger. Dazu scheue ich die sachliche Auseinandersetzung nicht, aber das ist jetzt nicht die Zeit für ein Gegeneinander. Wie in einem Orchester müssen Handel, Gastronomie, Kultur und Verwaltung zusammenspielen, damit am Ende gemeinsam das Ziel erreicht wird: ein attraktives Speyer.
???: Im Detail: Was schlagen Sie vor?
Bödeker: Schwerverkehr raus, Schrittgeschwindigkeit und "Schikane" wie am Domplatz und eine "grüne Welle" von Speyer-Nord bis in die Landauer Straße. Das sind Maßnahmen, die sofort einen spürbaren Effekt bringen und nicht viel kosten. Das könnte man als Test unmittelbar umsetzen und hätte eine sofortige Verkehrsberuhigung. Wenn der Verkehr, der nicht in die Stadt gehört, merkt, dass er außen herum schneller ist, dann reduziert sich das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt automatisch. Und natürlich muss der Busumstieg am Postplatz weg, aber das ist ja Konsens.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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