Taten statt bloße Kritik – Mehr Eigenverantwortung für die Demokratie
- Dr. Bernhard Matheis sprach beim Seniorentreff in Gersbach über Eigenverantwortung, Bürokratie und Demokratie.
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Von Frank Schäfer
Pirmasens. Mehr eigenverantwortliches Handeln statt zynische Kritik fordert Dr. Bernhard Matheis. Am 10. September war der ehemalige Oberbürgermeister zu Gast beim Treffen der Senioren im Gersbacher Sportheim. In seiner Ansprache verwies er auf die berühmte Rede des ehemaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt vom 23. April 1910 an der Pariser Sorbonne, in der es im Kern um die Pflichten des Bürgers in einer demokratischen Republik geht. Die Rede ist heute weltweit unter dem Namen „The Man in the Arena“ (Der Mann in der Arena) bekannt.
Roosevelt sprach damals vor einem Publikum aus der intellektuellen Elite Frankreichs und forderte Taten statt bloße Kritik. Er argumentiert, dass nicht der zynische Kritiker zählt, der vom „Spielfeldrand“ aus die Fehler anderer bemängelt. Der wahre Respekt gebührt demjenigen, der selbst „in der Arena“ steht, hart arbeitet und der trotz Fehlern und Rückschlägen mutig kämpft. Selbst wenn diese Person scheitert, tut sie dies erhobenen Hauptes beim Versuch, Großes zu leisten. Bildung und intellektuelles Wissen sind laut Roosevelt wertlos, wenn sie nicht mit moralischem Charakter, Tatkraft und Verantwortung gepaart sind. Reine Theorie ohne praktische Umsetzung bringt eine Gesellschaft nicht voran. Der Erfolg einer Republik hängt direkt von der Qualität ihrer Bürger ab.
Anhand mehrerer Beispiele zeigte Bernhard Matheis Parallelen zur heutigen Zeit auf: „Es gibt heute überall Kritiker und Kontrolleure, Blogger und Influencer, die kommentieren, was andere tun. Aber sie selbst waren noch nicht 'in der Arena'.“
„Wir stehen uns selbst auf den Füßen"
Überbordende Bürokratie, staatliche Vorschriften, Verordnungen, Genehmigungsverfahren und Dokumentationspflichten nehmen heute oft ein so großes Ausmaß an, dass sie Wirtschaft und Bürger spürbar belasten und behindern. „Wir stehen uns in vielen Bereichen selbst auf den Füßen. Das lähmt vieles im Land. Jeder, der eine Photovoltaik-Anlage hat und einen Zuschussantrag stellt, weiß, wovon ich rede“, kritisiert Bernhard Matheis.
„Seit 40 Jahren hätten wir gerne einen vierspurigen Ausbau der B10. Kritiker kommen jetzt und sagen: Das Ganze ist viel zu teuer. Das kann man so nicht machen.“ Der Ausbau wurde über Jahre hinweg verzögert. Die Baupreise sind gerade in dieser Zeit explodiert, sodass der Bund nun für die Baumaßnahme viel mehr Geld aufwenden muss, als wenn vor 15 Jahren gebaut worden wäre. „Es werden diejenigen gebremst, die etwas bewegen wollen. So kommen wir in unserer Gesellschaft nicht weiter“, betont Matheis. Er warnte vor Menschen, die nur „auf der Tribüne sitzen“, alles besser wissen und mutige Taten anderer verspotten. Matheis erinnerte an die unmittelbare Nachkriegszeit, als Deutschland in Trümmern lag: „Man stelle sich vor, die Leute hätten damals alles dem Staat überlassen. Das hätte nicht funktioniert. Nach dem Krieg hat das Land seinen Aufschwung erhalten, weil die Leute selbst Verantwortung übernommen haben.“
Nicht immer nach dem Staat fragen
Auch mit Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 fordert Bernhard Matheis, nicht immer nach dem Staat zu fragen, sondern mehr Eigenverantwortung zu zeigen und das Prinzip der Selbstverantwortung auch schon Kindern und Jugendlichen beizubringen. „Der Beitrag von Bildung kann nicht alleine vom Staat kommen“, so der ehemalige Oberbürgermeister.
Den Senioren gab Matheis mit auf den Weg: „Bleiben Sie kritisch und geben Sie nicht auf, was dieses Land stark und erfolgreich gemacht hat: Eigenverantwortung für sich selbst und für die Demokratie.“
Autor:Frank Schäfer aus Pirmasens |