Apotheken übernehmen neue Aufgaben - Was sich für Patienten ändert
- Victor Mehlmann (links) informierte die Senioren zu gesetzlichen Änderungen im Apothekenwesen. Organisiert werden die monatlichen Vorträge von Heini Ehrlich (rechts)
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Von Frank Schäfer
Pirmasens. Welche gesetzlichen Neuerungen kommen auf uns zu und wie wird sich die Rolle der Apotheken verändern? Darüber informierte Victor Mehlmann die Gäste beim Gersbacher Seniorentreff am 8. Oktober. Der Inhaber der easy-Apotheke im Kaufland in der Zweibrücker Straße hat im Juli die Sommerwald-Apotheke übernommen und brachte die Senioren auf den neuesten Stand im Apothekenwesen.
Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Deutschland sind in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich und deutlich gestiegen. Dennoch reichten sie oft nicht aus, um das noch stärkere Wachstum der Ausgaben vollständig zu decken. Von 304,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 sind die Einnahmen auf 355,8 Milliarden Euro in 2025 gestiegen.
Zuzahlungen steigen
Ab Januar 2027 steigen die gesetzlichen Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente um 50 Prozent. Dies hat die Bundesregierung im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes beschlossen. Die Mindestzuzahlung steigt von 5 Euro auf zukünftig 7,50 Euro pro Arzneimittel und die Höchstzuzahlung steigt von 10 Euro auf 15 Euro pro Arzneimittel (bzw. 10 Prozent des Abgabepreises). "Unterm Strich lässt sich sagen: Es wird für uns alle teurer", so Mehlmann.
Allrounder-Rolle der Apotheken
Die Rolle der Apotheken in Deutschland wandelt sich von reinen Medikamentenabgabestellen hin zu niedrigschwelligen Gesundheitszentren für die Primärversorgung. Durch die Apothekenreform wird es in Zukunft mehr sogenannte pharmazeutische Dienstleistungen geben, wie etwa eine Medikationsanalyse. Sie steht Patienten zu, die mindestens fünf ärztlich verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen. Der Anspruch besteht einmal im Jahr oder bei erheblicher Umstellung der Medikation.
"Wir beraten auch zur richtigen Anwendung von Inhalatoren. Denn Studien zeigen, dass vier von fünf Patienten mit Asthma oder COPD ihren Inhalator nicht richtig bedienen", so Victor Mehlmann.
Darüber hinaus dürfen Apotheken nun auch erweiterte pharmazeutische Dienstleistungen zur Prävention (Herz-Kreislauf, Diabetes, Rauchentwöhnung) direkt mit den Kassen abrechnen.
Im Zuge des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung, das im Juli in Kraft getreten ist, dürfen Apotheken neben Grippe und Corona nun alle Schutzimpfungen mit Totimpfstoffenanbieten (z. B. Tetanus, FSME). "Manche Apotheken bieten schon jetzt Impfungen an", berichtet Victor Mehlmann. "Man sollte darauf achten, dass hierbei die Interessen von Ärzten und Apotheken nicht kollidieren. Die medizinische Expertise liegt immer noch beim Arzt. Aber wir sind gerne bereit, in Zukunft als niedrigschwellige Anlaufstelle für Impfungen zu unterstützen."
Autor:Frank Schäfer aus Pirmasens |