Weinheimer Wörterbuch
So babbelt ma iwwerm Rhoi
- Weinheimer Wörterbuch von Markus Weber
- Foto: verlag regionalkultur
- hochgeladen von Michael Landgraf
Dass es eine rechtsrheinische Pfalz gibt, ist so manchem links des Rheins unbekannt, wie auch, dass die Kurpfalz auf beiden Seiten des Stromes lag. Ein engagierter Botschafter der rechtsrheinischen Pfälzer Mundart ist Markus Weber, promovierter Apotheker aus Weinheim und seit vielen Jahren auch linksrheinisch unter Fastnachtern als „Fräulein Baumann“ bekannt. Als Mundartist war er 2025 erstmals bei der „Pfälzer Poesie“ auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt zu Gast. Nun hat er ein 256 Seiten umfassendes „Weinheimer Wörterbuch – Sou babbelt Woinem“ vorgelegt. Das gebundene und schön gestaltete Buch bietet viele Begriffe, von denen die meisten Hardcore-Pälzisch-Babblern bekannt sein dürften. So gibt es auch in Weinheim „Elwetritsche“ und die „Schdraußwertschaft“, allerdings keinen Saumagen. Dafür werden andere Weinheimer Köstlichkeiten in Wort und Bild präsentiert, so die „Ausgschdochene“, ein gebratener, mit Mehl versteifter Kartoffelbrei, der gern mit „Beereschnitz“ serviert wird. Einige Begriffe weisen auf Orte rund um Weinheim hin, verbunden mit wunderschönen Fotos, die motivieren, Weinheim zu besuchen, was das Buch auch zu einem Reiseführer werden lässt. Die 251 Bilder stammen vom Fotografen Sven Sasse-Rösch, der Weinheimer Ecken wie auch Gegenstände und Objekte aus Geschichte und Gegenwart sehr anschaulich in Szene setzt. Weit mehr als bei einem reinen Wörterbuch bietet darüber hinaus dieser Bild-Leseband zu jedem Begriff hilfreiche Beispielsätze, aus denen der Kontext klar wird, sodass eine Zuordnung leichter fällt. Hier zeigt sich, wie anwendungsorientiert Weber arbeitet und wie lebendig die Sprache ist, die er dokumentiert.
In der Einleitung wird auf die Basis des Weinheimer Wörterbuchs verwiesen, nämlich der 1970 erstmals erschienene „Weinheimer Wortschatz – Ein Mundartwörterbuch“ des 2025 verstorbenen Bibliothekars Dr. Heinz Schmitt. Ihm wird ehrend gedankt. Diskutieren kann man, warum Weber in der Schreibweise teils andere Wege als Schmitt geht, beispielsweise wenn er „Schdoa“ statt „Staa“ (Stein) schreibt. Während es Schmitt wie dem Pfälzischen Wörterbuch oder auch dem DUDEN Pfälzisch um Lesbarkeit geht, steht für Weber die phonetische Aussprache, also das gesprochene Wort im Vordergrund. Auch beobachtet man linksrheinisch das Aussterben des Rhotazismus, bei dem ein Konsonant zum R umgewandelt wird, beispielsweise in „Borrem“ („Boden“), während Weber rechtsrheinisch genau das Gegenteil erkennt und "Aare" (Auge) und "saare" (sagen) schreibt. Das Buch lässt daher über die lebendige Sprache Pfälzisch mit ihren wunderbar vielfältigen Formen nachdenken, und es macht einfach eine große Freude, darin zu blättern.
Markus Weber, Weinheimer Wörterbuch. Sou babbelt Woinem, verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2025, 256 Seiten mit 251 Farbabbildungen, ISBN 978-3-95505-570-7. EUR 29,80.
Autor:Michael Landgraf aus Neustadt/Weinstraße |
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