16 Lehrkräfte erhalten ihre Vocatio
Wenn Religion Räume öffnet
- 16 Lehrkräfte und ihre Vokationsurkunde mit Tagungsleitung Pfarrer Michael Landgraf und Nadine Glage sowie Dr. Peter Busch, dem Leiter des Amts für Religionsunterricht
- Foto: Amt für Religionsunterricht
- hochgeladen von Nadja Donauer
Wann ist eine Religionsstunde eigentlich eine gute Religionsstunde? Diese Frage stand am Ende der Vokationstagung, die vom 16. bis 18. September im Kloster Neustadt stattfand. 16 Lehrkräfte erhielten dort ihre Vocatio und damit die kirchliche Bevollmächtigung, an öffentlichen Schulen evangelischen Religionsunterricht zu erteilen.
Drei Tage lang standen Austausch, Begegnung und die gemeinsame Beschäftigung mit dem Religionsunterricht im Mittelpunkt. Neben der Arbeit im Plenum und in Kleingruppen erhielten die Teilnehmenden Impulse unter anderem zu Bibeldidaktik, Schulseelsorge und musikalischen Elementen im Religionsunterricht. Auch eine Godly-Play-Geschichte konnten sie selbst erleben. Ihren traditionellen Abschluss fand die Tagung in einem gemeinsam gestalteten Gottesdienst und der Überreichung der Vokationsurkunden.
Woran erkennt man guten Religionsunterricht?
In der abschließenden Gesprächsrunde erinnerte Dr. Peter Busch, Leiter des Amts für Religionsunterricht, an das Buch „1000 Stunden Religion. Wie junge Erwachsene den Religionsunterricht erleben“ von Peter Kliemann und Hartmut Rupp. Darin wurde untersucht, was Schülerinnen und Schüler nach ihrer gesamten Schulzeit vom Religionsunterricht in Erinnerung behalten.
Busch stellte den frisch vokierten Lehrkräften deshalb eine ganz persönliche Frage:
„Woran merken Sie, dass eine Religionsstunde gut war?“
Die Antworten zeichneten ein vielfältiges Bild. Guter Religionsunterricht zeigt sich für die Lehrkräfte dort, wo echte Gespräche entstehen, Kinder und Jugendliche eigene Ideen entwickeln und unterschiedliche Meinungen äußern können. Dort, wo Fragen nicht vorschnell mit „richtig“ oder „falsch“ beantwortet werden müssen und auch einmal offenbleiben dürfen.
Eine Lehrerin beschrieb guten Religionsunterricht als einen „Wohlfühlort“, an dem Schülerinnen und Schüler erzählen können, was sie beschäftigt. Andere betonten die Bedeutung von Ritualen, Liedern und Stille. Gerade im oft dicht getakteten Schulalltag könne der Religionsunterricht ein Ruhepol sein – ein Raum, in dem Kinder und Jugendliche Zeit haben, sich mit sich selbst, ihren Gefühlen und ihren Fragen auseinanderzusetzen.
Manchmal zeigt sich die Wirkung auch ganz unmittelbar: wenn Grundschulkinder die Lieder aus dem Religionsunterricht später auf dem Pausenhof weitersingen. Wenn Schülerinnen und Schüler am Stundenende überrascht fragen: „Wie, ist es jetzt schon vorbei?“ Oder wenn eine Oberstufenlehrerin sich zur Tafel umdreht und bemerkt, dass die Jugendlichen ganz ohne ihr Zutun weiter über das Thema diskutieren.
Immer wieder fielen dabei Begriffe wie Vertrauen, Offenheit, Authentizität und Beziehung. Religionsunterricht wird als ein Fach erlebt, in dem Gedanken und Gefühle Raum bekommen und Schülerinnen und Schüler andere Seiten von sich zeigen können.
„Mit Ihrer Vokation sagen wir Ja zu Ihnen“
Kirchenrat Peter Busch gab den neuen Religionslehrkräften schließlich Erfahrungen aus seiner eigenen Zeit als Religions- und Lateinlehrer sowie als Professor in Heidelberg mit auf den Weg. Sein Verständnis von gutem Religionsunterricht habe sich im Laufe der Jahre verändert. Auch die Lehrkräfte selbst, so seine Botschaft, würden sich durch ihre Arbeit verändern.
„Im Religionsunterricht treten wir in Verbindung, sehen uns gegenseitig“, sagte Busch. Die Vokation sei dabei ein wichtiger Akt für die Lehrkräfte, ihre Schulen, den Staat und die Kirche. Seine Botschaft an die 16 Lehrkräfte:
„Mit Ihrer Vokation sagen wir vom Amt für Religionsunterricht Ja zu Ihnen. Ja, Sie können guten Religionsunterricht machen.“
Was die drei gemeinsamen Tage bewirkt hatten, brachte eine Teilnehmerin in der abschließenden Blitzlichtrunde auf den Punkt:
„Mir ist die Verbindung zwischen Kirche und Glaube wieder präsent geworden. Mich zu erinnern, dass die Gemeinschaft im Glauben das ist, was uns als Relilehrkräfte verbindet.“
Impulse, Inspirationen und Infos für Religionslehrkräfte unter www.religionsunterricht-pfalz.de
Sammung der O-Töne
• „Wenn die Kinder Ideen einbringen und man denkt: ´Wie du auch darauf gekommen bist es ist genial!“
• „Wenn echte Gespräche entstehen und die Schüler*innen sich trauen, ganz unterschiedliche Meinungen zu äußern.“
• „Wenn die Schülerinnen und Schüler etwas daraus mitnehmen können.“
• „Wenn die Grundschulkinder die Lieder weitersingen können – und das auch in der Pause tun.“
• „Wenn ein Raum geöffnet wird, wo Dinge hinterfragt werden können, die vorher scheinbar klar waren.“
• „Wenn ein Wohlfühlort geschaffen wird, in dem sich Schülerinnen und Schüler sicher und geborgen fühlen und darüber erzählen können, was sie beschäftigt.“
• „Wenn am Ende des Unterrichts die Frage kommt: ´Wie, ist es jetzt schon vorbei? Wann haben wir Sie denn wieder?´ und man die Kinder ganz anders als in anderen Fächern kennenlernt.
• „Wenn mich die Kinder anschauen und sagen: ´Das war schön.´ Und mit einem Lächeln gehen.“
• „Wenn die Kinder verstehen, dass es auf viele Fragen kein ´richtig´ oder ´falsch´ als Antwort gibt – wie in Mathe …“
• „Wenn das Fach Religion als Ruhepol eines Tages in der Ganztagsschule erlebt wird, wo sich die Schülerinnen und Schüler mit sich selbst beschäftigen können - statt mit Anforderungen von außen.“
• „Wenn Vertrauen entsteht und damit auch offene Gespräche, Freude und man das an den leuchtenden Augen erkennt. Das gibt mir als Lehrerin Kraft.“
• „Wenn man es schafft, vieles von dem, was in den Kindern steckt, nach außen zu tragen: Gefühle, Gedanken … Die Möglichkeit, aktiviert zu werden und die Einladung, mitmachen zu dürfen ist in keinem anderen Fach so möglich. Zum Beispiel Gedanken, die aufkommen, wenn wir ein Legebild machen.“
• „Wenn ich mich als Lehrperson den Kindern öffne, neue Perspektiven sehen und authentisch sein kann. Und wenn ich - und auch die Kinder - den Mut haben, Fragen offen zu lassen und zu sagen: „Vielleicht gibt es darauf keine Antwort.“
• „Ich merke, dass Rituale immer wichtiger werden. Vor allem daran, dass Kinder es einfordern, wenn ein Ritual einmal ausfällt. Als Klassenlehrerin einer vierten Klasse sehe ich guten Religionsunterricht als eine Stunde, wo die Kinder über ihre Gefühle sprechen können.“
Autor:Nadja Donauer aus Kaiserslautern |
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