Mittwochstreff des Fördervereins Museum
Der Neustadter Turnverein in seinen frühen Jahren

Empfang Robert Blums durch die Turner | Foto: Aus: Dr. Albert Becker, Westrich und Hambach
  • Empfang Robert Blums durch die Turner
  • Foto: Aus: Dr. Albert Becker, Westrich und Hambach
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„Für die Freiheit und Einheit des deutschen Volkes mitzuwirken …“ Der Neustadter Turnverein in seinen ersten Jahren
so ist der Vortrag von Dr. Hiltrud Funk während des Mittwochstreff des Fördervereins Museum überschrieben.
Vor 180 Jahren wurde die Turn- und Sportgemeinde 1846 e.V. gegründet. Am 19.9.1846 trafen sich zahlreiche Herren zu einer Generalversammlung und verabschiedeten am 30.9.1846 eine Satzung, die an das zunächst zuständige Landkommissariat übergeben wurde. 104 Bürger, häufig aus den ersten Kreisen Neustadts, zeichneten als Mitglieder. Jedoch wurde der Antrag als nicht relevant von den oberen Behörden zurückgewiesen.
1848 stellte sich die Situation gänzlich anders dar. In der Zeit der Pfälzischen Revolution ab Juni war der Turnverein wieder aktiv und die Statuten zur Gründung des Turnvereins wurden beraten. Die politischen Verhältnisse abbildend, war der Zweck des Turnvereins nun „für die Freiheit und Einheit des deutschen Volkes mitzuwirken sowie den Brudersinn und die körperliche und geistige Kraft seiner Glieder zu heben.“ Die Turner traten für die Ziele der Pfälzischen Revolution ein und befanden sich häufig an vorderster Front. Nun kamen die Mitglieder des Turnvereins auch aus weniger begüterten Schichten. Ein großer Teil der Mitglieder hatte schon auf dem Hambacher Fest 1832 teilgenommen und sah sich in dessen Tradition.
Der Neustadter Turnverein nutzte wöchentlich den Turnplatz vor dem Casimirianum, in dem sich damals die lateinische Schule befand. Neben den Turnübungen nahm das gesellige Beisammensein einen großen Raum ein. Eine eigene Turnerkultur bildete sich heraus mit Vorträgen, Diskussionen, Liedern, Ausflügen, gegenseitigen Besuchen, Fahnen und dem Turnergruß „Gut Heil“.

Der Turnverein wuchs beständig und hielt auch in den bewegten Zeiten der Revolution den Turnbetrieb aufrecht. Turner taten sich als besonders radikale Revolutionäre hervor. Sie besetzten u.a. mit anderen zusammen den Neustadter Bahnhof, beteiligten sich am Sturm auf Landau, das von preußischen Soldaten besetzt war. Als die Revolution scheiterte und die Pfalz im Juni 1849 von preußischen Truppen besetzt wurde, kam auch das Ende der Turnvereine. 1850 wurden alle pfälzischen Turnvereine aufgelöst. Erst nachdem das Vereinsverbot aufgehoben wurde, konnte der Turnverein 1860 wieder gegründet werden. Die Neustadter Turner spielten in der Folge eine wichtige Rolle bei der Gründung des Pfälzer Turnerbundes 1861 im Schloss Diemerstein.

Der Mittwochstreff findet am 1.4.2026 um 18 Uhr in der Villa Böhm statt. Eine Anmeldung ist erforderlich (foestadtmuseumnw@web.de). Für Mitglieder ist der Mittwochstreff kostenlos, alle anderen zahlen 5€.

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Autor:

Hiltrud Funk aus Neustadt/Weinstraße

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