Zehn Jahre nach der BASF-Explosion: Was hat sich seit 2016 wirklich geändert?
- Das Unglück führte auch zum Produktionsausfall im Stammwerk. (Archivbild)
- Foto: Einsatzreport Südhessen/dpa
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Ludwigshafen. Zehn Jahre nach der Explosion bei BASF stehen für Beschäftigte und Einsatzkräfte zusätzliche Sicherheitsbarrieren im Mittelpunkt. Bei dem Unglück am 17. Oktober 2016 starben fünf Menschen, zwölf weitere wurden verletzt.
Auslöser war nach Angaben des Unternehmens eine folgenschwere Verwechslung bei Arbeiten an einer Leitung. Ein Mitarbeiter einer Fremdfirma schnitt mit einem Winkelschleifer die falsche Leitung an. Ein austretendes Gemisch entzündete sich. Die Hitze erfasste eine unter Druck stehende Ethylen-Leitung, worauf schwere Explosionen folgten.
Vier Feuerwehrleute und ein Matrose kamen während der Löscharbeiten nahe des Hafens ums Leben. Mehr als 20 Anlagen im Stammwerk mussten heruntergefahren werden. Hafenanlage und Rohrgraben wurden schwer beschädigt. BASF bezifferte die Kosten damals auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.
Mehr Kontrollen vor Arbeiten an Leitungen
Nach der Analyse des Unglücks hat BASF nach eigenen Angaben an mehreren Punkten nachgerüstet. Das Unternehmen setzt beim Festlegen von Schnittstellen inzwischen auf ein Sechs-Augen-Prinzip. Ein Ortskundiger bestimmt die Stelle, ein weiterer Mitarbeiter und der ausführende Handwerker bestätigen sie.
Zu den weiteren Maßnahmen zählen:
- systematische Prüfungen benachbarter Leitungen und möglicher Wechselwirkungen
- Checklisten, die ausdrücklich nach Verwechslungsrisiken fragen
- funkenarme Werkzeuge bei Arbeiten an entzündlichen Stoffen
- technische Systeme, die Brände und Gasaustritte früher melden und ihre Ausbreitung begrenzen sollen
Die Erfahrungen aus Ludwigshafen flossen laut BASF auch in einen Industriestandard für das Öffnen von Rohrleitungen ein. Das Unternehmen betont, die Arbeit sei 2016 nach den damaligen Abläufen vorbereitet gewesen. Gerade deshalb müssten Sicherheitsvorkehrungen menschliche Fehler frühzeitig auffangen.
Urteil und Gedenken am Samstag
Das Landgericht Frankenthal verurteilte den Arbeiter 2019 zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Der Vorsitzende Richter kritisierte damals auch Lücken bei Warnhinweisen und im Meldewesen der Feuerwehr. Eine strafrechtliche Verantwortung des Konzerns sah das Gericht nicht. BASF wies den Vorwurf eines organisatorischen Versagens zurück.
Die Werkfeuerwehr hält ihre Einsatztaktik für richtig. Nach Darstellung ihres Leiters konnte 2016 niemand die schnelle Eskalation erkennen. Am Samstag, 17. Oktober, soll am Ehrenmal vor der Wache Nord um 11.27 Uhr eine Glocke fünfmal für die Opfer schlagen. Zu der nicht öffentlichen Gedenkfeier werden Angehörige, frühere Kolleginnen und Kollegen sowie Vertreter der Politik erwartet. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |