Rheintor Quartiere
Wie drei Hochhäuser das Bild der Stadt neu prägen
- Um die neue Ikone an der Einmündung der Heinigstraße in den Boulevard entsteht ein offener Platz. Wege, die nur Fußgängern und Radlern gehören, mit geschlossenen Sichtachsen, öffnen sich zum Platz hin.
- Foto: Planungsbüro Adept
- hochgeladen von Julia Glöckner
Ludwigshafen. Entlang der Kohl-Allee werden mit dem Bau der Rheintor Quartiere drei Hochhäuser die Stadtsilhouette prägen. Wie werten Hochhäuser das Bild einer Stadt auf und schaffen Identität?
„Die drei Hochpunkte entlang der Kohl-Allee, die miteinander im Dialog sind, waren ein wesentlicher Grund, warum das Konzept von Adept gewonnen hat“, verriet Professor für Stadtplanung Markus Neppl am Tag der Jury-Entscheidung 2025. Welche Wirkung versprechen sich die Stadtplaner von Hochhäusern in Stadtlandschaften?
Die klassischen Ansätze der Stadtplanung besagen: Stadtbewohner suchen nach markanten Fixpunkten im Stadtbild, die die Stadtsilhouette prägen. Das können Wege, Plätze, Straßen oder Hochpunkte sein. Diese geben nicht nur Orientierung, um die richtige Richtung einzuschlagen. Städter wählen Wege entlang dieser markanter Bebauungen oder verweilen an Plätzen, weil sie im sozialen Gedächtnis bleiben und Identität schaffen. So nutzen Menschen gerne Plätze, an denen sich viele andere Menschen gewohnheitsgemäß aufhalten, die also in der kollektiven Erinnerung verankert sind. Radfahrer nutzen bereits heute bevorzugt den Radweg am Rheinufer und nicht die Berliner Straße Richtung Hemshof, auch wenn das ein Umweg ist. Die Hochhäuser entlang der Allee sollen künftig solche Bezugspunkte schaffen.
Landmarken sollen von vielen Orten aus sichtbar sein
Die drei Landmarken, die an der Einmündung von Heinig- und Zollhofstraße stehen sowie an von Lorientallee, werten damit zentrale Plätze am Rheinufer, den neu zu gestaltenden Platz an der Ecke Heinigstraße/Kohl-Allee sowie den Bahnhofsvorplatz auf. Die Hochhäuser werden eine moderate Höhe von zehn bis maximal 16 Geschossen haben. Sie sollen als charakteristische Bauwerke die Stadtsilhouette prägen und von vielen Orten der Innenstadt aus sichtbar sein.
- Um die neue Ikone an der Einmündung der Heinigstraße in den Boulevard entsteht ein offener Platz. Wege, die nur Fußgängern und Radlern gehören, mit geschlossenen Sichtachsen, öffnen sich zum Platz hin.
- Foto: Planungsbüro Adept
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Viele stark motorisierte Städte wie Detroit oder Sydney, die derlei markante Plätze, Wege und identitätsstiftenden Monumente nicht haben, haben nicht immer die Voraussetzung, Identität zu schaffen. Straßenzüge mit einheitlichem Baubestand oder monotonem rechtwinkligen Straßenmuster, wie sie in der autozentrierten Stadt der 60er-Jahren entstanden, ebenso wie weite Plätze ohne Begrenzung durch Bäume oder Bauwerke werden oft gemieden. Glücklicherweise entstand die Innenstadtbebauung in der Bismarck- und Ludwigstraße noch in den 50er-Jahren, als man den Fokus auf die Fassaden legte. Die Gebäude zeigen durch ihre verschieferten Fassaden kein einheitliches Bild.
Die Zeit der großen Bausünden beginnt laut dem einflussreichen Stadtplaner Paul Gehl erst in den 60ern, in der Zeit der Baus riesiger Infrastrukturprojekte, deren Zweck es war Menschen vom Arbeitsort mit dem Auto nach Feierabend schnell zurück in die Wohnmaschine zubringen. Unwirtlich wirken daher heute einzelne Plätze wie der Danziger Platz oder der Rathausplatz in seinem derzeitigen Zustand in Nachbarschaft zur Rathauscenterruine, die mit den Rheintor-Quartieren eine neue Begrenzung erhalten sollen. Viele Plätze bekommen mit den Zukunftsquartieren ein neues Gesicht. Die olivgrünen Wohnmaschinen im Benckiser-Viertel sollen ohnehin nicht über die Baubustanz verfügen, die einen langfristigen Erhalt aussichtsreich erscheinen lässt. Sie waren auf den Plänen der Planungsbüros bereits nicht mehr zu finden. Das entsprechende Grundstück war als Fläche ausgewiesen, auf der über Kurz oder Lang Raum für Neues entstehen soll.
Aufwertung des Stadtbilds
So fangen die 3 Hochhäuser künftig die Blicke von Passanten ein, die auf dem Weg zum Bahnhof oder Rheinufer die Allee nutzen. Grünachsen und Wege, die durch Bäume oder Randbebauung geschlossen wirken, wie die Radstraße Danziger Platz, öffnen sich hin zu offeneren Plätzen wie dem Bahnhofsplatz oder dem Danziger Platz. Wege verbinden also Hier und Dort, von geschlossenen Räumen hin zu mehr Offenheit. Auch dies soll künftig Wege schaffen, die gerne gegangen oder mit dem Rad gemacht werden.
- Der verwaiste Bahnhofsvorplatz wird über die Fuß- und Radwege der Kohl-Allee und ein Parkhaus angebunden. Grünachsen und Waldschleifen durch den Park binden vier Stadtteile an und sorgen für Frequenz.
- Foto: Planungsbüro Adept.
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- Im Stadtmodell sieht der Platz etwas anders aus.
- Foto: JG
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Die drei Hochpunkte werden Anfang und das Ende der neuen Blockrandbebauung zur Kohl-Allee hin markieren. Sie stehen miteinander im Dialog, beziehen sich also gestalterisch oder räumlich aufeinander und werden wie ein Ensemble wirken. Auch ein Dialog mit dem Turm des Exelsior Hotels soll zwischen dem Hochhaus am Bahnhofsvorplatz hergestellt werden. Die neuen Hochpunkte sollen damit die urbane Ästhetik der Quartiere prägen.
Büronutzungen in den Türmen können zudem stadtentwicklerische Impulse für die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor setzen und wenig genutzte Standorte im Umfeld neu aufwerten. Büros in Türmen gelten als sehr attraktiv und können Verwaltungen größerer Firmen anlocken. Dies generiert zugleich Gewerbesteuer. Für Hochhausbebauung im Pulk und Attraktivierung großer Player wie in Frankfurt oder Rotterdam ist Ludwigshafen allerdings zu klein und bislang zu wenig bekannt bei Investoren. Das ist vonseiten der Stadtentwicklung auch nicht angestrebt. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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