Umbau prägt Stadtbild "City West": Kreishaus und Benckiservilla bleiben
- Das Kreishaus am Ludwigshafener Europaplatz steht seit 2024 unter Denkmalschutz.
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Ludwigshafen. Mit dem Bau von Kohl-Allee und City West wandelt sich das Stadtbild grundlegend. Die beiden Denkmäler Kreishaus und Benckiservilla bleiben erhalten. Auch der nicht denkmalgeschützte Getreidespeicher und die Schallschutzhochhäuser entlang der Rheinuferstraße werden in die Neubebauung integriert.
Von Julia Glöckner
Durch Verschwenkung der Stadtstraße nach Südost wird das Kreishaus nicht direkt am Boulevard stehen. Es bekommt einen neuen, großen Vorplatz.
Denkmal von ästhetischem Wert
Das von 1986 bis 1988 fertiggestellte Gebäude ist ein bemerkenswertes Beispiel postmoderner Architektur. Es greift Elemente des benachbarten Stadthauses auf: Mit identitätsstiftendem hellbraunem Backstein, Satteldach, dem betonten Eingang mit Stützen statt Pilastern und Gitternetzfassade nimmt es gestalterische Merkmale des Stadthauses auf. Damit gelang nach den Plänen von Herbert Hauss und AS-Plan auch die Einbindung in den Altstadtkern und die Bebauung des Europaplatzes.
Das Gebäude zeigt einen Mix aus Gitternetzfassade, typisch für die (klassische) Moderne, sowie postmoderner Fassade, die für lebendige, rhythmisierte Auflockerung steht, durch versetzte Baukörper. Die großen Fenster mit dem blauen Rasterrahmen geben dem Gebäude einen industriellen Touch.
- Auch das im neobarocken Stil gehaltene, benachbarte Stadthaus Nord hatte ursprünglich eine Backsteinfassade, die später verputzt und weiß gestrichen wurde.
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Haus braucht energetische Ertüchtigung
Der Kreis will das Haus nach dem Umzug ins neue Kreishaus nach Schifferstadt, der 2029 geplant ist, verkaufen. „Wir sind offen für jede Nachnutzung und zeitlich flexibel“, teilt Pressesprecherin Anita Lozina mit. Denn bis zum Verkauf lässt sich das Kreishaus etwa für die Digitalisierung der Papierakten nutzen. Bis dahin kümmert sich die Kreisverwaltung um Pflege und Erhalt der guten Bausubstanz, wofür es nach Denkmalschutz besonders strenge Auflagen gibt. „Eine energetische Sanierung nach heutigen Standards ist jedoch nicht geplant. Dies wäre mit einem immensen Aufwand verbunden“, sagt Lozina.
Aufgrund der hohen Heizkosten sagten die Landesbehörden dem Umzug nach Schifferstadt zu. Unabhängige Ingenieurbüros ermittelten, dass Anmieten günstiger ist als neu zu bauen, weil zudem Instandhaltung und Hausmeister wegfallen. Wenn auch nur auf Zeit, merken Kritiker an. Hauptgrund für den Umzug sind allerdings nicht mangelnde Wirtschaftlichkeit, sondern immer neue Aufgaben für die Verwaltung. Diese erfordern eine Aufstockung des Personals und entsprechend mehr Büros. Hinzu kommt der befürchtete Baulärm während des Abrisses der Hochstraße und des Baus der Allee, der Mitarbeiter stören könnte.
- Der Anbau ans leicht zur Allee versetzten Kreishaus im Stadtmodell ist eine Ideenskizze aus dem Werkstattverfahren. Es gibt keine konkreten Umsetzungsabsichten in diese Richtung.
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Viele Wahrzeichen verschwunden
Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit durch hohe Kosten für Bewirtschaftung und Erhalt sind in den vergangenen 15 Jahren viele Wahrzeichen verschwunden, die die Stadtsilhouette prägten. Dies war Hauptgrund für den Abriss von Rathausturm und ein wesentlicher Grund beim Rückbau des denkmalgeschützten Engelhorn-Hochhauses.
Die einzige zulässige Begründung für den Abriss denkmalgeschützter Gebäude ist, dass der Erhalt nicht finanziell zumutbar ist. Darauf berief sich BASF beim Engelhorn-Hochhaus mit Erfolg und trotz Widerstands in der Bevölkerung und einer überregionalen Debatte über den architektonischen Wert des Denkmals. Angesichts von Bauschäden und Belastung mit Asbest und PCB hätte die Sanierung des Hochhauses 100 Millionen Euro gekostet.
Vor allem für Türme mit Glasfronten aus den 60ern gestaltet sich die Dämmung komplex. Das neue GEG lässt mehr Flexibilität beim Denkmalschutz, was individuelle Lösungen beim Dämmen erlaubt. Die Stadt Kaiserslautern hat ihren denkmalgeschützten Rathausturm, der Glas mit Brutalismus verbindet, ertüchtigt und erhalten. Das begrüßte nicht nur die Stadtgesellschaft, sondern auch die Mitarbeiter.
Für die energetische Sanierung des Kreishauses müssen laut Gutachten einzelne Wände raus, Decken gesenkt und Estrich entfernt werden. Diese Art der Entkernung ist nur auf einmal möglich und nicht, wenn das Gebäude in Nutzung ist. Denkmalgeschützte Häuser lassen sich nicht einfach von außen mit Styropor und teils auch nicht von innen mit Wolle dämmen. Das würde ihren ästhetischen Wert zerstören, was der Denkmalschutz verbietet.
Seit vergangenem Jahr ist unklar, ob die Eberthalle wegen zu kostenaufwendigem Erhalt der Abrissbirne zum Opfer fällt. Bislang wird dies fürs Kreishaus noch nicht diskutiert. Die Stadt hat Ideen für Nutzungen, aber noch keine konkreten Pläne, das Haus zu kaufen. Der Kreis hofft, bald interessierte Käufer zu finden für das Architekturjuwel in bester Lage. jg
- Das Kreishaus prägt die Stadtsilhouette an mehreren Kreuzungen
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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