Sport wird auch in Ludwigshafens Stadtbild sichtbarer: Orte für Gen-Z
- Hier fanden nach dem Bau Endspiele der deutschen Meisterschaft, Länderspiele und Konzerte statt. Heute sollen die Flächen sowohl für spontane Bewegung als auch für organisierte Angebote nutzbar sein.
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Ludwigshafen. Auch in Städten zieht es immer mehr Menschen nach Feierabend zum Sport. Auch Ludwigshafen reagiert auf den Wandel – mit neuen Treffpunkten, ungewöhnlichen Ideen und Plänen, die weit über klassische Sportplätze hinausgehen: Von Sport im Brennpunkt bis zur Belebung der Flussmeile.
Von Julia Glöckner
Besonders für die 13- bis 25-Jährigen wird Sport ein immer wichtigeres Thema. Junge Leute treffen sich abends zum Bolzen, Fußballspielen oder Skaten. Laut der Passantenbefragung des Kölner Instituts für Handelsforschung besuchen vor allem Jüngere die Stadtzentren außerhalb der Arbeit für Kultur, Sport und Restaurantbesuche. Ältere kommen hingegen weiterhin zum Einkaufen und wegen der Gastronomie. Laut der Umfrage braucht es verstärkt Konzepte für jüngere Menschen – zusätzlich zu Skateparks und Bolzplätzen.
Neuer Sportpark in City West
Demnach sieht der Rahmenplan für die „enkeltaugliche“ City West einen Park für Sport und Spiel vor. Einer der geplanten Mobility Hubs mit Sportangeboten zwischen Heinigstraße und der neuen Helmut-Kohl-Allee stärkt künftig die Verbindung zwischen Innenstadt und Friedenspark. Nach den Vorgaben der Rahmenplanung wird der Park so liegen, dass er aus allen Richtungen gut erreichbar ist. Entstehen soll ein attraktiver Ort für Bewegung, Erholung und Begegnung. Wie der Sportpark genau aussehen wird, darauf legt sich der Rahmenplant nicht fest.
Auch die Flanier- und Radmeile am Fluss sind erst in den vergangenen beiden Jahrzehnten entstanden. Seit wenigen Jahren gibt es neben dem Sportpark beim Spielplatz hinter der KTS Von-Weber-Straße auch eine Calisthenics-Anlage für Outdoor-Fitness.
Auch der Bestand wird laut Stadt ständig an neue Bedarfe angepasst. Die größte frei zugängliche Sportfläche in Ludwigshafen ist der rund 50.000 Quadratmeter große Sportpark am Südweststadion. Er lässt sich von Vereinen, aber auch spontan für Ballsport, Laufen oder Tanzsport nutzen. Auch Maudacher Bruch, die großen Parks sowie der Rheindamm und Flächen um Oppau werden für Radsport, Laufen und Walking genutzt.
Bewegungsmanagerin des Landes belebt Heimatstadt
Noch wesentlicher als die Bereitstellung solcher Sportflächen ist ihre Bespielung durch Vereine und Stadtverwaltung. Nur so können Parks, Flussmeilen und Plätze zu Selbstläufern und Treffpunkten für Sport werden. „Sport findet zunehmend flexibel, individuell und außerhalb klassischer Vereinsstrukturen statt. Gefragt sind konsumfreie, niedrigschwellige Orte, die Bewegung und soziales Miteinander verbinden“, erklärt Pressesprecherin Sandra Hartmann. „Das ist auch unser Ansatz bei der Entwicklung von Orten für den Sport.“
Dass Ludwigshafen bei der Bespielung besonders stark abschneidet, liegt auch daran, dass die Bewegungsmanagerin des Landes in der Stadt lebt und sich dort besonders engagiert – ebenso wie die Aktiven in den Vereinen. Der Laufclub, den Saskia Helfenfinger-Jeck gegründet hat, hat den Stadtlauf entlang der Flussmeile sowie den Insellauf auf der Parkinsel ins Leben gerufen. Die Startplätze sind Jahr für Jahr durch Schulen, Behörden, Vereine und Firmen restlos ausgebucht.
- Beim Stadtlauf starten Jahr für Jahr tausende Teilnehmer
- Foto: Hans-Jürgen Schön
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Nicht jede Belebung wird zum Selbstläufer: Das Format „Sport im Park“, das Grünflächen bespielen sollte, wurde mangels Interesse eingestellt. In Mannheim gelang der Verwaltung dagegen die Belebung des Stadtparks durch Zumba-Angebote sowie des Neckarufers mit einem Basketballfeld. Auch in Ludwigshafen gibt es immer neue Ideen: Ende August findet ein Kicker-Turnier auf dem Europaplatz statt, bei dem Personen zu Spielfiguren werden und auf einer überdimensionalen Kicker-Fläche spielen.
Sport im Brennpunkt
Sport kann Jugendliche in Brennpunktquartieren vor negativen Einflüssen schützen sowie Kulturen verbinden. Nørrebro in Kopenhagen gehört zu den multikulturell geprägten Stadtteilen. Dort gelang es, die Menschen auf öffentlichen Plätzen durch Basketballfelder, Flächen fürs Thaiboxen sowie Quarterpipes fürs Skaten zusammenzubringen. Ein marokkanischer Mosaikbrunnen und ein armenisches Picknickfeld entstanden als Ergebnis einer Bewohnerumfrage.
Auch in Ludwigshafen läuft seit Jahren das Projekt der interkulturellen Straßenfußball-Liga der städtischen Sozial- und Jugendarbeit. Jugendliche sollen im Quartier nicht auf der Straße abhängen, sondern Verantwortung übernehmen – etwa als Trainer für jüngere Jugendliche. Sie vermitteln Teamgeist, Fairplay, Respekt, Gewaltfreiheit und die Fähigkeit zu kommunizieren. Sport spricht eine gemeinsame Sprache und verbindet Kulturen.
Saskia Helfenfinger war bereits in den Einzugsgebieten aktiv und organisierte vor Ort Sportangebote für Kinder und Erwachsene, die sonst keinen Zugang dazu haben. Sport wirkt sich etwa positiv auf Schulleistung und Psyche aus, er kann sogar Initialzündung für weitere tiefgreifende Veränderungen im Leben sein.
Seit Jahren setzen Europas Städte ganz neue Ideen um. Kopenhagen etwa gelang es, ein Parkhausdach zu einem Ort für Sport und Erholung zu machen. Auch ein Parkplatz wurde dort umgenutzt – als Fläche für Regenabfluss und Sport zugleich. Paris hat die Seine zum Baden freigegeben, Oslo einen Sprungturm und einen Steg am Fjord gebaut. Im Rhein ist das Baden zu gefährlich, auch wenn es – anders als in Düsseldorf – noch nicht offiziell verboten ist. Bis höchstens zum Knöchel durchs Wasser zu laufen, ist aber noch erlaubt.jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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