Leben in der Hitzestadt: Wie Ludwigshafen unter der Hitzewelle leidet
- In der Ludwigsstraße und Bismarckstraße wird es an Hitzetagen extrem heiß.
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Ludwigshafen. Ludwigshafen erlebt wie viele Städte in Rheinland-Pfalz und ganz Europa derzeit eine Hitzewelle. Diese wird es künftig klimabedingt öfter und häufiger geben. Doch was macht die Hitze mit uns? Und wie schützt man vulnerable Gruppen wie Obdachlose oder ältere Menschen in einer der heißesten Städte Deutschlands?
Gut erforscht ist, was Hitze mit den Menschen macht: Die kognitive Leistungsfähigkeit sinkt ab einer Raumtemperatur von 25 Grad langsam, ab 30 Grad fällt sie stark ab. Auch im sozialen Miteinander zeigt sich der Stress: Menschen reagieren schneller aggressiv, was sich Tag für Tag im Straßenverkehr zeigt. Tropische Nächte rauben zudem vielen den Schlaf. Insgesamt werden auch Entscheidungen schneller getroffen, aus der Belastungssituation heraus.
Julia Gärtner, Krankenschwester aus Ludwigshafen, kümmert sich um eine besonders vulnerable Gruppe: ältere Menschen in einem Pflegeheim. Sie erzählt: „Wir achten darauf, dass die Bewohner viel trinken, verschatten die Räume und nutzen Ventilatoren. Trotzdem kommt es häufiger zu Notfällen, für manche wurde die Lage bereits lebensbedrohlich. Der Blutdruck sinkt, das Blut wird dickflüssiger, dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Chronisch Kranke erleben zudem häufiger einen Krankheitsschub, wenn die Hitze kommt.“
Obdachlose sind in diesen Tagen in der Innenstadt kaum anzutreffen. Sozialarbeiter warnen sie vor der Extremhitze. „Wohnungslose sind besonders betroffen – vor allem dann, wenn Menschen durch Verwirrtheit, Alkohol- oder Substanzkonsum nachlässig werden, nicht mehr auf sich achten oder Warnsignale des Körpers nicht mehr wahrnehmen. Auch kleine Kinder gehören zur vulnerablen Gruppe, weil sie anders transpirieren als Erwachsene“, erklärt Veronika Huber vom Helmholtz-Zentrum München (HZM). Sie erforscht, wie sich Hitze auf die menschliche Gesundheit auswirkt, welche Bevölkerungsgruppen betroffen sind und schätzt die Zahl der Hitzetoten.
Bebauung in der City erzeugt Hitzeinseln
Manche Orte im Stadtgebiet sind regelrechte Hitzehotspots: etwa die Innenstadt entlang von Ludwig-, Bismarck-, Max- und Bahnhofstraße. Die City ist dort stark verdichtet. Zudem heizt sich das seit den 1950er Jahren dominierende Baumaterial Beton stark auf, speichert Wärme und strahl sie nachts zurück. Typische innerstädtische Reihenhausbebauung mit einheitlicher Traufhöhe verstärkt diesen Effekt zusätzlich: Gleich hohe, fünfgeschossige Gebäude bilden also eine thermische Koppelung, die Hitze kann nicht entfliehen, wie auch in Paris, wo die gesamte L'île de la Cité eine einzige Hitzeinsel ist. Auch LUs Innenstadt wird während Hitzewellen zur Hitzeinsel, wo die Wärme sich staut und nicht nach oben entweichen kann, wie Citys der allermeisten deutschen Städte.
Weitere Hitzehotsports in Ludwigshafen sind die Industriegebiete, am Hafen sowie entlang Achtmorgen- und Industriestraße.
Nicht überall ist es gleich heiß
Vielerorts im Stadtgebiet liegen die Temperaturen allerdings ein bis drei Grad über dem Mittelwert in der Kommune. Am Berliner Platz machen sich bereits die Nähe zum Rhein sowie in der nördlichen Ludwigstraße der Ludwigspark positiv bemerkbar. Aber auch dort ist es an Hitzetagen sehr heiß.
Grünflächen, Parks und Wasserflächen reduzieren den Wärmeinseleffekt. Das gesamte Rheinufer Süd sowie Straßenzügen in direkter Nachbarschaft zum Maudacher Bruch, zum Stadtpark, zur Blies, zum Willersinnweiher, zum Ebertpark oder zum Rhein profitieren daher von der günstigen Lage.
Nicht jeder hat das Budget, auf Klimaanlagen zurückzugreifen. Soziale Unterschiede könnten sich dadurch weiter verschärfen. „Das ist auch zu erwarten, weil Unterschiede beim Zugang zu Informationen eine Rolle spielen“, sagt Huber. „Klimaanlagen werden beim Schutz vulnerabler Gruppen mal eine Rolle spielen. Klimafreundlicher und deutlich günstiger können allerdings Sonnenschutz und die richtige Nutzung von Gebäuden sein.“ Herkömmliche Klimaanlagen gehen auf Kosten des Klimas und verursachen immense private Stromkosten, was sich schnell mit 50 bis 100 Euro Mehrkosten pro Monat auf der Stromrechnung zeigen könnte – je nach Raumgröße.
Hitzeaktionspläne und Klimaschutz
Kommunale Hitzeaktionspläne sollen die Bevölkerung in Ludwigshafen schützen. Menschen in Care-Berufen achten verstärkt auf ältere und vorerkrankte Menschen. Die Stadt gibt bereits seit Jahren Hitzetipps für ältere Menschen heraus, auf der städtischen Website, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Über Apps will der Bund ermöglichen, dass kühle Orte wie Kirchen, Schattenplätze oder klimatisierte Clubräume ausgewiesen werden.
Institute in ganz Europa erproben in Reallaboren bereits Hitzeschutzmaßnahmen wie Sonnensegel über Plätzen, mobiles Grün, Sprühnebel oder Baumpflanzungen. Für die Innenstadt Ludwigshafen existieren bereits Entsiegelungspläne, die im Rahmen des ISEK festgelegt wurden. Dabei geht es zunächst vor allem um die Entsiegelung und Begrünung zentraler Plätze im Stadtgebiet.
Die Fördermittel können jedoch nur schrittweise abgerufen werden. Dank des Förderprogramms KIPKI des Landes sollen Begrünungsmaßnahmen am Klüber-, Kornmann-, Theater- sowie Bürgerhof nun bald umgesetzt werden. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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