Platz für attraktives Wohnen statt Verkehr: Superblöcke sollen City aufwerten
- Autos werden in Einbahnstraßen durchs Quartier geleitet. Radler dürfen in beide Richtungen auf allen Achsen verkehren. Ziel ist die Priorisierung des Rad- und Fußverkehrs. (Wien 2025)
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Ludwigshafen. Seit Jahren werden Superblöcke in europäischen Städten erprobt, die nach EU-Plänen zu Experimentierlaboren für unsere klimaangepassten Städte der Zukunft werden. Superblöcke machen das Wohnen in verdichteten Stadtteilen attraktiver und sorgen für Belebung.
Von Julia Glöckner
Innerhalb des City-Rings durch Helmut-Kohl-Allee, Rheinuferstraße, Zollhofstraße, Wredestraße und Heinigstraße, sollen in den nächsten Jahren die Superblöcke wachsen. Dies ist im Innenstadtentwicklungskonzept sowie im Rahmenplan der City West festgelegt.
Die leistungsfähigen Straßen des City-Rings werden den kompletten Autoverkehr abwickeln. Im Block gibt es für Autos kein direktes Durchkommen: Einbahnregelungen sowie Diagonalsperren führen Autofahrer nur auf Umwegen durch das Quartier – meist auf einzelnen Durchfahrtsstraßen oder in Hufeisen um die Blöcke, damit Anlieger und Gewerbetreibende weiterhin ihr Ziel erreichen, wenn auch nur im Schritttempo. Städte wie Wien stellen zudem ausreichend Parkraum im Superblock bereit, für den durch Einbahnstraßen mehr Platz entsteht. Parken für Anwohner soll in Ludwigshafen trotz gezielte Parkraumbewirtschaftung weiterhin in Tiefgaragen möglich sein.
Damit entsteht im Inneren ein Netz verkehrsberuhigter Straßen, das Fußgänger und Radfahrer priorisiert und Platz für städtisches Leben schafft.
- Im Superbock bleibt durch die Einbahnstraße mehr Platz fürs Parken, weil Autos 60 oder 45 Grad quer zur Fahrbahn parken können.
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- Verkehrsführung heute und im Superblock. Neben hufeisenförmigen Einbahnstraßen sind einzelne Durchfahrtsstraßen üblich.
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Charakteristische Blockrandbebauung
Superblöcke sind auch ein Mittel der behutsamen Nachverdichtung. Häuserzeilen werden durch Blockrandbebauung geschlossen. Es entstehen geschützte, grüne Gemeinschaftshöfe im Inneren der Blöcke.
Die Bismarckstraße sollen sich Radfahrer und Fußgänger teilen, was sich – wie im Wiener Viertel Josefstadt – nicht ausschließt. Sie wird zum Nachbarschaftsboulevard mit Plätzen hoher Aufenthaltsqualität, Nahversorgung sowie Freizeitnutzungen – auch für junge Menschen und Kinder, die konsumfreie Orte zum Spielen brauchen. Die Vernetzung solcher attraktiven Freiräume ist angesichts der Barrierewirkung der Kohl-Allee laut Stadt besonders wichtig, um die Nachbarschaften Hemshof und City zu verbinden.
Entsiegelung im Straßenraum
Superblöcke erlauben meist auch die Entsiegelung und damit das Pflanzen von Bäumen im Straßenraum. Dies kann die stark verdichtete Innenstadt in einzelnen Straßen um einige Grad kühlen. Mit Entsiegelungen am Europaplatz, Ludwigsplatz, Friedrich-Wagner-Platz, Küblerplatz, Bürgerhof und Kornmarkt lassen sich städtische Grünstrukturen langfristig vernetzen.
- Manche Straßen gehören nur dem Rad- und Fußverkehr. Die gemeinsame Nutzung ohne Konflikte schließt sich in Wien nicht aus. Im Straßenraum wird Platz frei für Außengastronomie und soziale Treffpunkte. (Josefstadt, Wien Juni 2025)
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Widerstand und Bürgerdialog
Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass sich Superblöcke nur im engen, vermittelnden Dialog umsetzen lassen. Vor allem bei Gewerbetreibenden und einzelnen Anwohnern wuchs dort Widerstand. Andere Anwohner befürworten die Blöcke, etwa Radfahrer, die sich ein besseres Radnetz in der City wünschen. Bewohnerumfragen aus Barcelona zeigen, dass sich die Menschen nach der Umsetzung stärker mit ihrem Wohnquartier identifizieren. Sie nutzen die verkehrsberuhigten Straßen und Plätze für Sport und sitzen morgens und abends mit Nachbarn zusammen. Der reduzierte Lärm und die bessere Luftqualität wirken sich positiv auf Schlaf und Gesundheit aus. jg
- Autos werden in Einbahnstraßen durchs Quartier geleitet. Radler dürfen in beide Richtungen auf allen Achsen verkehren. Ziel ist die Priorisierung des Rad- und Fußverkehrs. (Wien 2025)
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- Das Planungskonzept von Adept sieht Entsiegelung und das Pflanzen von Bäumen unter anderem auf Ludwigstraße, Berliner Straße und Bismarckstraße vor.
- Foto: Planungsbüro Adept
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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