Neueste Therapien im Kampf gegen Krebs – Wirkansätze kommen auch von Abbvie

Der Onkologe Peter Paschka vom Onkologischen Zentrum Ludwigshafen (Klinikum) muss einen genauen Fingerabdruck des Tumors erstellen, bevor er zu einer Therapie rät.  | Foto: Klinikum Ludwigshafen
  • Der Onkologe Peter Paschka vom Onkologischen Zentrum Ludwigshafen (Klinikum) muss einen genauen Fingerabdruck des Tumors erstellen, bevor er zu einer Therapie rät.
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Wenn Professor Peter Paschka heute die Flure der Krebsstationen entlangläuft, trifft er viele Patienten, denen die Krankheit nicht anzusehen ist. Die Immuntherapie brachte in den vergangenen 30 Jahren riesige Fortschritte in der Behandlung tödlicher Krebsarten.

Von Julia Glöckner

Dank der Immuntherapie lassen sich Hautkrebs und weitere Krebsarten bremsen, stoppen, also in eine Ruhephase bringen, in der Tumorzellen nicht mehr oder kaum noch zu finden sind. Im Glücksfall, der durch die neuen Medikamente deutlich häufiger eintritt, schrumpfen die Tumoren vollständig und kommen nie wieder. Vor 20 Jahren mussten Patienten mit dieser aggressiven Krebsart die Chemotherapie überstehen. Sie schenkte nicht immer viel Hoffnung auf Remission oder Heilung und raubte die Haare.

„Die molekularen Ursachen der Krebsentstehung sind immer besser erforscht“, erklärt Professor Paschka. „Hinzu kommt, dass wir verstanden haben, dass unser eigenes Immunsystem eine der stärksten Waffen gegen Krebs darstellt. Diese Waffe lässt sich immer wirkungsvoller und erfolgreicher gegen Krebs einsetzen.“

Der Fingerabdruck des Tumors

Bevor Paschka eine der neuen Therapien vorschlägt, braucht es zahlreiche Untersuchungen. Die Arbeit von Onkologen wie hier am Onkologischen Zentrum Ludwigshafen im Klinikum ist wissenschaftlich geworden. Denn die Therapie muss ganz maßgeschneidert und individuell an die Krebsform angepasst werden.

„Wir erstellen anhand von Biomarkern, die in Proben aus Blut, Gewebe und anhand molekulargenetischer Untersuchungen gefunden werden, den sogenannten Fingerabdruck des Tumors“, erklärt Paschka. „Die Biomarker helfen vorherzusagen, ob und welche Behandlung am besten eingesetzt werden kann. Denn eine bestimmte Therapie kann nur bei Vorhandensein eines bestimmten Biomarkers wirken.“

Durchbruch bei Immuntherapie

Der Durchbruch kam 2011 – ausgerechnet beim schwarzen Hautkrebs mit der Zulassung der ersten Immuntherapie. Mit dem Nachweis bestimmter Eiweiße auf den Tumorzellen, mit denen der Tumor dem Immunsystem signalisiert „Alles in Ordnung, ich gehöre hierher“, fällt heute die Wahl auf genau die Immuntherapie. Checkpoint-Hemmer reißen der Tumorzelle die Tarnkappe weg. Das ausgebremste Immunsystem gibt wieder Gas und bekämpft den Tumor.

75 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs starben vor 2011 noch im Folgejahr nach der Diagnose, trotz Chemo. Die Chancen, dass eine Immuntherapie Besserung bringt, stehen gut. Sie ist überlegen mit Blick auf Behandlungserfolge. Dank der Checkpoint-Hemmer sind heute nach zehn Jahren noch mehr als 40 Prozent am Leben.

Im Wartebereich des Onkologischen Zentrums sitzt die 35-jährige Katja mit ihren zwei Kindern im Alter von 10 und 12. Sie leidet an myeloischer Leukämie. Vor 2000 wären jährlich mehrwöchige Klinikaufenthalte für sie die Regel gewesen. Ein anhaltendes Ansprechen auf die Chemo war die Ausnahme, die zudem den Alltag bestimmte.

„Patienten konnten nur durch eine sehr intensive Chemotherapie und Stammzellenspende geheilt werden. Damals lebten fünf Jahre nach der Diagnose nur etwa 30 bis 40 Prozent der Erkrankten“, sagt Paschka.

Zielgerichtete Therapien erleichtern Alltag der Patienten

Neue molekulare Therapien wirken viel gezielter. Bei der Blutkrebsart blockiert die molekulare Therapie ein einziges Eiweiß, das durch einen Defekt im Erbgut vermehrt gebildet wird. Es wirkt wie ein Wachstumstreiber. Bei der Therapie wird es blockiert, das unkontrollierte Blutzellenwachstum gestoppt. „Damit kann die Erkrankung nicht nur kontrolliert und zurückgedrängt werden, sondern quasi eingefroren werden. Patienten haben heute eine fast normale Lebenserwartung.“

Bei einer der tödlichsten Krebsarten überhaupt, Lungenkrebs, hat die Entdeckung eines neuen Wirkansatzes die Lebenserwartung um ein Vielfaches verlängert. Früher hatten Patienten nach der Diagnose, die oft zu spät kam, nur noch einige Monate.

„Auch bei Lungenkrebs wurde die Treibermutation entdeckt“, erklärt der Onkologe. Durch diese Mutation entsteht ein Enzym, das Krebszellen antreibt und ihr Wachstum beschleunigt. Der Tumor wächst dadurch aggressiver. In der molekularen Therapie setzen Ärzte gezielt sogenannte ALK-Enzym-Blocker ein. Diese Medikamente blockieren das fehlerhafte Signal im Tumor. So bremsen sie das Wachstum der Krebszellen deutlich.

Kampf gegen oft tödlich verlaufende Krankheit

Seit 2000 kamen immer mehr Wachstumstreiber-Blocker auf den Markt. Immer neue Wirkansätze im Kampf gegen Krebs werden entdeckt. Voraussetzung für den Einsatz der neuen Therapien ist allerdings das Finden bestimmter Marker, also umfangreiche Untersuchungen am Onkologischen Zentrum, der sogenannte Fingerabdruck. Manchmal bleibt nur die Möglichkeit der konventionellen Therapie, also eine Chemo. Die meisten Chemotherapien sind heute allerdings viel leichter verträglich als noch vor 20 Jahren. 

Molekulare Therapie wird bereits breit angewendet, bei vielen Krebsarten. „Manche Medikamente wirken bei allen Krebsarten, sofern bestimmte Krebsmarker vorliegen“, erklärt Paschka. „Auch Immuntherapie wird heute nicht mehr nur bei Hautkrebs eingesetzt, wenn auch nicht so erfolgreich. Sie gilt aber nicht als Wundermittel. Bei vielen Krebsarten wirkt sie nicht."

Nicht umsonst ist Krebs nach wie vor der Hauptfokus intensiver Forschung, auch der von Abbvie. Einige neue Wirkansätze gelten als äußerst vielversprechend. „Auf Grundlage dieser neuen ersten Ideen für Wirkstoffe aus der Grundlagenforschung lassen sich immer schneller fertige Medikamente designen, die über den Ladentisch gehen“, sagt Paschka. Früher brauchte das bis zu 15 Jahre. „Das gelingt durch enormen technologischen Fortschritt und durch KI, die bei der Molekülfindung hilft“, so Paschka.

Derzeit wird an Impfstoffen gegen Krebs geforscht sowie an Medikamenten, die krebserregende Eiweiße abbauen. Auch Riesenfresszellen „der nächsten Generation“, die in Tumore eindringen können, weitere Checkpoint-Hemmer für weitere Eiweiße gelten als zukunftsweisende Ansätze sowie Genscheren zur Reparatur mutierter Gene. Abbvie etwa erforscht am Standort unter anderem neue Hemmstoffe für Wachstumstreiber bei Leukämie und hat sich in Ludwigshafen auf Blutkrebs spezialisiert.

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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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