Neue Serie: Eine unterschätzte Stadt – LU als Lebensmittelpunkt wählen
- Wohntürme der Froschlache, 1966 fertiggestellt, Architekt Heinrich Schmitt, 70 Meter hoch
- Foto: JG
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Ludwigshafen. Alexandra Beilharz macht im neu aufgelegten Reiseführer „Eine unterschätzte Stadt“ zum Thema, dass Ludwigshafen viel mehr ist als „ein historisch gewachsener Industriestandort rund um die BASF“. Die gleichnamige redaktionelle Serie greift das auf.
Es ist heute, nach Jahren des Wandels, ein „Mix aus pfälzischer Gemütlichkeit, Coolness, Industriekultur, Allgegenwärtigkeit des Rheins, die LU ausmachen“, fasst Beilharz zusammen. Auf den ersten Blick keine Perle: Zweckbauten aus den Nachkriegsjahrzehnten, Brutalismusbauten mit Betonfassaden, Punkthäuser, eine Hochstraße und Brücken, wie man sie heute so nicht mehr bauen würde. LUs Stadtbild gleicht dem vieler Industriestandorte, die in den Nachkriegsjahrzehnten wieder aufgebaut wurden und schnell wuchsen: Hannover, Düsseldorf, in Teilen Mannheim oder Pforzheim.
Doch auf den zweiten Blick ist LU eine absolut lebenswerte Stadt – mit einer warmen Jahreszeit, die bis Oktober dauert. Viele Menschen, die Ludwigshafen nicht bewusst als Lebensmittelpunkt gewählt haben, bleiben hier und schätzen die Stadt. Für gebürtige Ludwigshafener ist es selbstverständlich, hier zu bleiben und den Wandel mitzugestalten. Viele mögen das Stadtbild von Städten, die klar auf Grundlage des Leitbilds der Moderne gewachsen sind – also keine oder kaum historische Bauten aus Barock, Klassik oder Renaissance haben und historistisch geprägte Viertel die ältesten sind. Das verleiht auch LU jenes Großstadtflair, das Provinzstädte mit viel historischer Bausubstanz wie Heidelberg, Meersburg oder Tübingen eben nicht haben.
Die Wochenblatt-Serie „Eine unterschätzte Stadt“ zeigt weitere Aspekte der unterschätzten Stadt, die das Leben hier lebenswert machen – sie greift Themen rund ums Wohnen, um Kultur, Geschichte, Städtebau, Architektur, Stadtkultur, Events, Stadtfeste, Identität der Stadtteile, Rhein, Industriekultur, Strukturwandel auf.
So brachte der Stadtumbau, der nach dem Zweiten Weltkrieg Fahrt aufnahm, als man die Wirtschaft ankurbeln wollte, bis heute viele Vorteile. Die City-Ringe und Ringstraßen "kommen wieder", weil viele Städte ihre Innenstädte weiter verkehrsberuhigen, im Sinne der 15-Minuten-Stadt, sowie ganze Straßenzüge entsiegeln und damit bestehende Ringstrukturen wieder an Bedeutung gewinnen. Wo solche Ringe vorhanden sind, profitieren Städte bis heute davon, weil kein weiterer grundlegender Stadtumbau nötig ist.
Beispiel Froschlache
Die BASF-Hochhäuser der Froschlache wirken heute auf den ersten Blick wie aus einer anderen Zeit – der Zeit der autogerechten Stadt, als man riesige Wohnanlagen an den Stadtrand ins Grüne verlagerte. Es entstanden monofunktionale Quartiere mit reinen Wohnblöcken, die weit vom Arbeitsplatz und Stadtkern entfernt sind.
Andererseits üben die BASF-Wohnhäuser auf viele Menschen eine große Faszination aus: Maler wählen sie als Motiv. Große Punkthäuser plante man meist inmitten großer, gartenstadtähnlicher Anlagen – wie die Froschlache direkt neben großen Erholungsgebieten, dem Willersinnweiher und weiteren städtischen Grünflächen im Westen. Auch zwischen den Häusern sind großzügig dimensionierte Grünanlagen, man hat das Gefühl, im Park zu leben. Wer in der Froschlache lebt, merkt schnell, dass der Landschaftsraum in die Bebauung einbezogen wurde. Von weit oben blickt man auf die Seen- und Grünlandschaft, die Wohnungen sind lichtdurchflutet. Wohnanlagen mit Hochhausschluchten wie die Platten in Gropiusstadt entstanden im Westen dagegen nicht. Das Wohngefühl in den Wohnungen soll laut der Bewohner gut sein. Im ersten Beitrag wird es im die Froschlache gehen. Die Wohnungen gehören zu den 4.000, die BASF verkaufen wird.
Redaktionelle Serie: Interessierte gesucht
Wer die Stadt auf den zweiten Blick kennt und etwa ein Quartier oder das Kulturleben unter einem dieser Aspekte zum Thema eines Artikels machen möchte, kann sich bei der Redaktion per E-Mail an red-lud@suewe.de oder julia.gloeckner@suewe.de melden. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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