Nach Kreuznach, Dürkheim, Bergzabern: So angespannt ist die Lage in den Wäldern
- Waldbrandgefahr bleibt hoch: Experte warnt vor unterschätzten Risiken.
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Pfalz. Das Risiko für Waldbrände steigt mit Hitze und Trockenheit und ist aktuell hoch. Mit dem neuen Landesbrand- und Katastrophenschutzinspekteur Tom Riedel hat die Redaktion über die erhöhte Waldbrandgefahr und die Brände der vergangenen Wochen gesprochen.
Von Julia Glöckner
Aufgerissene Böden, lichte Wälder, Trockenheit und Hitze: Kommen diese Faktoren zusammen, erhöht das die Waldbrandgefahr. Diese stieg in der Rekordhitzewelle lokal auf die höchste Stufe. In den kommenden Wochen wird sie auf Stufe vier von fünf bleiben.
Herrscht derzeit flächendeckend Waldbrandgefahr in der Pfalz?
Riedel: Die Waldbrandgefahr wird regional ermittelt: In trockenen Kiefernwäldern im Pfälzerwald ist sie höher als in den feuchten Wäldern der Rheinauen. Weitere Faktoren wie der Wind und die Witterung sind für die Einstufung der Waldbrandgefahr ausschlaggebend. Die Waldbrandgefahr steigt jedoch flächendeckend, je länger die Trockenperiode andauert, abhängig von der Region aber unterschiedlich stark.
Auf welche Stufe stieg der Index für Waldbrandgefahr in der Hitzewelle?
Riedel: Der Waldbrandgefahrenindex umfasst fünf Stufen, die Gefahren von „gering“ bis „hoch“ ausweisen. Während der Hitzewellen in den vergangenen Wochen und Tagen wies der Index mittlere bis hohe Gefahren, sowie lokal sehr hohe Waldbrandgefahren. In den kommenden Tagen wird die Waldbrandgefahr als hoch eingestuft, sie liegt auf der zweithöchsten Stufe. Daneben existiert noch den Graslandfeuerindex für Brände auf Wiesen und in der Feldflur.
Wie wird man auf Waldbrände aufmerksam?
Riedel: Notrufe gehen meist von Piloten ein, die ohnehin mit Helikoptern in der Luft sind, aber auch von Privatleuten oder aus der Bevölkerung. Zudem werden gefährdete Waldgebiete von Beobachtungstürmen aus überwacht, die je nach Waldbrandgefahrenstufe besetzt sind. Mittlerweile ist die Auswertung mithilfe von KI möglich, die erkennt: Das ist nicht nur Staub, sondern auch Rauch. Satellitengesteuerte Informationssysteme werden vor allem in hochgefährdeten Ländern wie Brandenburg eingesetzt.
Haben die Brände in der Pfalz und im Bundesland zugenommen?
Riedel: Das Risiko hat deutlich zugenommen. Gründe sind häufigere und anhaltendere Trockenperioden. Der Wald leidet und trocknet aus. Auch steigt die Waldbrandgefahr aufgrund von Hitze.
Wo gab es große Brände in den vergangenen Jahren?
Riedel: Die Pfalz hat im Ländervergleich relativ viel Waldfläche, weshalb es regelmäßiger zu Bränden kommt. So gab es vor einem Monat einen Brand bei Hertlingshausen, vor drei Wochen bei Bad Bergzabern. In Neustadt brannten 2022 rund 80.000 Quadratmeter Fläche rund um das Hambacher Schloss, das teils ganz in Rauch gehüllt war.
Der Brand in Bad Kreuznach vor zwei Wochen musste unter Einsatz eines Löschroboters bekämpft werden. Es kam zu mehreren Explosionen, weil das Brandgebiet munitionsbelastet war. Beim mehrtägigen Einsatz waren viele Feuerwehren aus unterschiedlichen Gemeinden beteiligt. Es war der größte Einsatz dieser Art in der Nachkriegsgeschichte des Landkreises Bad Kreuznach.
In den vergangenen Wochen gab es gleichzeitig viele Einsätze im Zusammenhang mit Vegetationsbränden, etwa in Kinheim, wo 25.000 Quadratmeter Wiese brannten, sowie in Böhl-Iggelheim und Bad Dürkheim.
Ist die Waldbrandgefahr in manchen Wäldern größer, etwa in Bayern, wo es Borkenkäferbefall oder Waldschäden gibt? Was unterscheidet den Pfälzerwald davon?
Riedel: Ja, Regionen mit reinen Nadelwäldern und Waldschäden, also abgestorbenen Hölzern, sind gefährdeter. In Bayern ist daher speziell der Borkenkäfer ein Problem. In Rheinland-Pfalz beträgt der Laubholzanteil rund 60 Prozent, wir haben hier viele Mischwälder, die der Waldbrandgefahr entgegenwirken. Bayern und Brandenburg haben mehr Kiefern- und Tannenbewuchs, also reine Nadelholzwälder.
Was ist die größte Waldbrandursache in der Landwirtschaft und durch Privatleute?
Riedel: Die Landwirtschaft stellt als Ursache eher eine Ausnahme dar. Brände gab es dort meist nur in Waldbrandgebieten durch unachtsames Verhalten während der Erntezeit. Meist sind es Privatleute, die Feuer auslösen, etwa durch weggeworfene Zigaretten oder Lager- und Grillfeuer. Dabei ist vor allem auf Aluschalen hinzuweisen. Auf Familienfeiern werden Feuerwerkskörper gezündet und Himmelslaternen steigen gelassen. Auch unachtsam abgestellte Autos auf grasbewachsenen Flächen können ein Feuer entzünden. Zudem kommt es immer wieder zu Brandstiftungen durch zündelnde Kinder, die mit Feuer spielen.
Welche Tipps können Sie beim Parken auf Feldwegen und Wiesen geben?
Riedel: Parken sollte man nicht auf trockenen Wiesen oder buschigem Gelände, sondern auf versiegeltem Boden. Die Gefahr der Hitzestrahlung wird oft unterschätzt. Wenn das Gras kurz gemäht ist, ist die Gefahr deutlich geringer. Viele Teile am Auto werden bei Hitze sehr heiß, nicht nur der KAT und der Motor.
Was genügt derzeit, um einen Brand auszulösen?
Riedel: Als Zündquelle reicht ein Funke von einer Zigarette oder ein Lagerfeuer, das Wärme abstrahlt. Auch eine Glasscherbe kann als Brennglas fungieren. Ich bekam vor einigen Jahren eine solche Gefahrensituation unfreiwillig mit. Auf der Hochzeit eines Freundes waren Gläser als Kerzenständer auf den Tischen verteilt. Sie erzeugten einen Brennglaseffekt, wodurch es auf einer Wiese zu Rauchentwicklung kam, die sich schnell entzündete.
Bei Trockenheit entzündet sich Feuer schneller und breitet sich rascher aus. Derzeit sollte man jede Brandgefahr vermeiden und auch andere darauf hinweisen, vorsichtig zu sein, wenn man Risiken erkennt. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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