Ludwigshafen: Kohl-Allee soll kühle Rheinluft in die City bringen
- Foto: Stadt Ludwigshafen
- hochgeladen von Julia Glöckner
Ludwigshafen. Deutsche Städte erleben seit Jahren intensive Hitzewellen. Angesichts zunehmender Sommerhitze müssen sich Planer fragen, ob breite Straßen das Stadtklima zusätzlich aufheizen und ob sie Freiluftschneise sein können.
Allein die Straßenfläche der Kohl-Alle wird bis zu rund 30 Meter breit sein, denn eine Autospur ist in Deutschland 2,75 bis 3,25 Meter breit, ein Laster hat eine Breite von 2,5 Metern. Die verbleibenden Flächen der insgesamt 70 bis 80 Meter breiten Straße gehören Fußgängern und Radlern und dienen der Begrünung mit 5 Baumreihen.
Auf der Kohl-Allee soll nach den Vorstellungen der Planer stets eine sanfte Brise wehen. Die breite Verkehrsachse ermöglicht einen weitgehend ungehinderten Luftaustausch und Durchzug. Begünstigt wird dieser durch die vorherrschende Windrichtung von Ost nach West, also vom Rhein her. Vor allem nachts ist es am Rhein einige Grad kühler als in der aufgeheizten Innenstadt. Während Beton in der direkt angrenzenden City die tagsüber gespeicherte Wärme abstrahlen, kann der Wind die kühlere Rheinluft durch den Stadtboulevard bis in die Rheintor-Quartiere tragen. So soll heiße, stehende Luft in Bewegung kommen und bestenfalls entweichen.
Breite Straßen können sich stärker aufheizen
Breite Straßen haben allerdings zunächst vor allem Nachteile. Nicht nur Asphalt und Beton heizen sich auf. Auch die Häuserfronten werden tagsüber länger und flächenhaft von der Sonne beschienen. Das verbessert zwar die Belichtung der Gebäude, kann aber zugleich zur Erwärmung des Stadtraums beitragen.
Bereits beim Umbau Roms unter Kaiser Nero wurden Straßen verbreitert. Nach Einschätzung von Forschern trug dies dazu bei, dass die Stadt sich um ein bis zwei Grad stärker aufheizte.
Auch schmale Straßen sind nicht automatisch kühler
Manche Stadtplaner sprechen angesichts der erzielen Verkehrswende dafür, Straßen künftig schmaler zu bauen. Ein Extrembeispiel sind die Wüstenstädte Algeriens. Verschattete Straßenschluchten könnten öffentliche Räume wirksam vor sengender Hitze schützen. In der Wüstenstadt Ghardaia gibt es kaum Autostraßen, viele Wege sind nur für Fußgänger vorgesehen. Durch die enge Bebauung bleibt es in der Stadt tagsüber kühl.
Auf der Kohl-Allee lässt sich dieses Modell jedoch nicht übertragen. Die Hauptverkehrsachse muss täglich rund 20.000 Ein- und Auspendler aufnehmen und führt diese in den beiden Hauptverkehrszeiten von 8 bis 9 und nach 17 Uhr auf eine von drei wichtigen Rheinquerungen in der Metropolregion. Auch baurechtlich sind enge Straßenschluchten in Deutschland problematisch und heute nicht mehr erlaubt, weil sie eine ausreichende Belichtung von Wohn- und Gewerberäumen beeinträchtigen können. Umweltverbände und VCD sprachen sich dafür aus, die Straße schmaler zu dimensionieren. Denn mit der Hochstraße Süd gibt es eine weitere Rheinquerung.
Ob sich eine Straße stark aufheizt, hängt zudem nicht allein von ihrer Breite ab. Entscheidend sind auch der Versiegelungsgrad, die Bebauung und die Frage, ob Frischluftschneisen in der Hauptwindrichtung freigehalten werden. Selbst schmale Straßen können sich bei dichter Bebauung und fehlender Durchlüftung stark erwärmen. Im Mannheimer Jungbusch etwa staut sich die Hitze in engen Straßenzügen, weil der Stadtteil versiegelt, extrem dicht bebaut ist und kaum Wind durch die Nebenstraßen zum Luisenring gelangt. Die Gebäude sind zudem mit 6,5 Stockwerken höher als in der Wüstenstadt Ghardaia.
Breite der Kohl-Allee ist Fluch und Segen
Mit Blick auf das Mikroklima ist die 80 Meter breite Kohl-Allee somit Fluch und Segen zugleich. Einerseits wird sich der Asphalt im Sommer stark aufheizen. Andererseits soll die großzügige Gestaltung dafür sorgen, dass die Luft in Bewegung bleibt. Das ist auch angesichts des hohen Verkehrsaufkommens wichtig: Die Fahrzeuge speichern Wärme und geben sie noch lange nach Sonnenuntergang an die Umgebung ab, wirken durch die erhitzte Karosserie also wie Öfen.
Die Kohl-Allee wurde deshalb gezielt begrünt. Bei der Auswahl der Bäume, die in 5 Reihen stehen, stand nicht allein die Verschattung und Verdunstung im Vordergrund, was durch große, dichte Kronen erreicht worden wäre. Dies bleib wichtiger Nebenaspekt, gleichzeitig sollten sie klimaresilient sein und zugleich den Luftaustausch nicht behindern. Der Schnurbaum gilt beispielsweise als besonders robust und hat sich auch in dicht bebauten Straßenzügen bewährt.
Die Kohl-Allee ist vierspurig geplant. Hinzu kommen drei bis fünf Abstellspuren entlang der Hauptverkehrsachse. Ihre Dimensionierung geht auf Vorgaben des damaligen FDP-Bundesverkehrsministers Wissing zurück. Ursprünglich hatte die Stadt lediglich eine Fahrspur je Richtung vorgesehen. Das Ministerium legte seine eigenen Berechnungen der Verkehrsauslastung durch Pendler und Logistik zugrunde. Die Planer erkannten in der großzügigen Breite jedoch auch einen Vorteil für die Funktion der Straße als Frischluftschneise. jg/red
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.