Bildergalerie: Tag des offenen Denkmals - Touren an unzugängliche Orte
- Ansturm vor der Villa Raschig ab 11 Uhr: Die Villa wurde ab 2023 umfassend saniert.
- Foto: JG
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Ludwigshafen. Zum Tag des offenen Denkmals öffneten die Villa Raschig, 2 Bunker, Kirchen sowie das Maudacher Schloss. An sonst unzugänglichen, verschlossenen Orten gab es tagsüber Touren.
"Die Baukultur in Ludwigshafen wird besser werden, denn das Kulturdezernat wird jetzt federführend von OB Blettner geführt. Das Dezernat umfasst auch die Baukultur", sagte Baudezernent Alexander Thewalt bei der Eröffnung am Tag des offenen Denkmals. "OB Blettner sieht in der Erneuerung der Baukultur eine große Chance für Ludwigshafen. Vieles, was im Krieg nicht zerstört wurde, gilt es zu erhalten. In Ludwigshafen wissen wir das noch besser als in anderen Städten. Mancherorts musste Altsubstanz abgerissen werden, weil eine Straße breiter werden musste oder die Bausubstanz des Gebäudes nicht mehr erhaltenswert war, es also am Verfallen war."
Firma und Villa Raschig wurde 1996 an PMC Global Europa verkauft. Die Ehefrau Anneliese Raschig hatte bis zu ihrem Tod lebenslanges Wohnrecht im Gebäude. Sie lebte auf einer Etage und hatte die weiteren Stockwerke vermietet. Nachdem Anneliese Raschig 2021 verstarb, entschied das US-amerikanische Chemieunternehmen, das Gebäude nach Denkmalschutzauflagen sanieren zu lassen. 2023 begannen aufwendige Sanierungsarbeiten. Mieter fanden sich fürs begehrte Objekt innerhalb von zwei Jahren. "Es gibt Gesetze zum Denkmalschutz, aber es braucht auch den Willen sie umzusetzen, wir danken daher dem Denkmalengagement des Eigentümers", sagte Thewalt.
Es fand eine Umnutzung zum Bürogebäude statt, das Innenarchitekturbüro Raum in Form plante den Umbau. "Uns ist es nicht schwergefallen, der Neunutzung zuzustimmen, denn der Verfall war bereits erkennbar", sagte Denkmalschutzbauftrager Matthias Ehringer. Die Vermischung von Wohnen und Industrie, die es hier lange gab, darf es nach heutigem Baurecht nicht mehr geben. Durch die gewerbliche Nutzung habe man planungsrechtlich eine verträgliche Situation geschaffen.
Ehringer erklärte, dass er die "unangenehme Aufgabe hatte, zu entscheiden, was bleibt und was wegkommt. Dabei musste man überzeugen und sich verständlich machen. Wenn die Mieter jetzt zufrieden sind und sich identifizieren können, dann hat sich die Mühe gelohnt und wir können sicher sein, dass wird die richtigen Entscheidungen mit Blick auf erhaltenswerte Elemente und Bauteile am Gebäude getroffen haben."
Das soziale Herz des Hemshof
Pfarrerin Kerstin Bartels führte durch die Apostelkirche, die nach den Plänen Johannes Otzen von Anfang an als Gebäudekomplex gedacht war, wo nicht nur Gottesdienste, sondern auch wichtige Care Arbeit im Quartier stattfinden sollte.
Die Kirche wurde 1894 fertiggestellt, in einer Zeit, als die Bevölkerung in Ludwigshafen explosionsartig wuchs. Im Hemshof gab es damals noch mehr Armut und Elend wie heute. Der Hemshof ist allerdings bis heute sozial benachteiligtes Quartier, was mancherorts sichtbar wird. "Es gab schon damals eine ambulante Krankenversorgung, Schwestern strömten aus und versorgten Kranke im Quartier", sagte Bartels. Daneben gab es Gemeindesaal und Kita seit den Anfängen. Ihre Vorgänger machten Sozialarbeit noch auf ihre Art. So gab es eine Nähstube, die Mädchen wurden von der Straße geholt und bekamen eine neue Aufgabe.
Heute bietet die Kirchengemeinde Anlaufstellen für Obdachlose und arme Menschen. Die Suppenküche versorgt 70 statt der 40 Menschen vor Corona, die mittags an 5 Tagen die Woche eine warme Mahlzeit und Süßteilchen ausgegeben bekommen. Die Helfenden sind Türöffner zu weiteren Hilfsangeboten hin. Die Rohlachstube bietet bei Regen und im Winter ein Obdach, Duschen sowie Kleiderkammer für Wohnungslose. Im Sommer ist sie Kältestube. Kita und Sozialstation gab es damals wie heute.
Vor einigen Monaten war ein Blatt des Turmkreuzes abgefallen. "Mit dem Hubsteiger stiegen Bauingenieure und Steinmetze in eine Höhe von 70 Metern auf, um Vorsorgeuntersuchungen zu machen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit entschieden sie, das Turmkreuz und zwei Sandsteinornamente abzunehmen. Das Turmkreuz liegt seither im Kirchensaal und macht ihn auf eine Art auch zu etwas Besonderem", sagte Bartels, die durch die Kirche führte. Die Buntsandsteinornamente, ein großes Kreuz und eine Blume, liegen im Vorgarten.
Angesichts der vielen Sozialaufgaben muss die Kirchengemeinde jedes Jahr gewichten, ob sie Denkmalschutzaufgaben wahrnimmt, was zulasten des Sozialen ginge. Die Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen sinken. Waren 1975 noch die Hälfte der Ludwigshafener Christen, sind es heute 30.000 von 175.000. Die Restauration des Turmkreuzes, der unterhöhlten Sandsteinelemente, der Ornamente und Denkmalschutzaufgaben im Fundament will die Gemeine auf absehbare Zeit angehen. Man hofft auf Sponsoren oder Stiftungsgelder. 5 Millionen müssen neben den Zuschüssen des Landes aufgebracht werden.
Die Ludwigshafener Gemeinde nennt die Kirche ihre "Standfeste". Sie überstand zwei Weltkriege, mehrere BASF-Explosionen, bei denen die Fenster barsten sowie viele weitere Krisen, die über die Gesellschaft hinwegfegten.jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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