Kohl-Allee: Der Plan vom Boulevard für eine lebendige Stadt im Wandel

Die Kohl-Allee wird auf der riesigen innerstädtischen Brache entstehen, die der Abriss der Hochstraße Nord hinterlässt.  | Foto: Planungsbüro Adept
2Bilder
  • Die Kohl-Allee wird auf der riesigen innerstädtischen Brache entstehen, die der Abriss der Hochstraße Nord hinterlässt.
  • Foto: Planungsbüro Adept
  • hochgeladen von Julia Glöckner

Ludwigshafen. Die Helmut-Kohl-Allee soll mehr sein als eine schnelle Verbindung zum Rhein: Mit repräsentativen Hochhäusern, fünf Alleebaumreihen, aufgewerteten Plätzen und lebendigen Erdgeschossen plant Ludwigshafen einen Stadtboulevard, der Verkehr und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden soll.

„Die Kohl-Allee wird nicht nur eine Straße zum Durchbrummen sein. Der Stadtboulevard ist sorgfältig geplant. Pendler oder Tagestouristen werden sicher einen Stopp einlegen und sich umschauen. Die Straße ist für den Aufenthalt geplant“, sagte Markus Neppl, Professor für Stadtplanung, schon beim Werkstattverfahren.

Vor allem auf dem geraden Abschnitt der Helmut-Kohl-Allee wird sich die Straße zum Fluchtpunkt, dem Rhein, hin perspektivisch verjüngen. Das verleiht breiten Stadtboulevards meist etwas Vornehmes, wie auch den Champs-Élysées oder The Mall in London. Auch die Stadthausfassaden, die mit breiten Begegnungszonen versehen sind, stehen in der Flucht, ebenso wie die Baumreihen. Der Fluss und das historische Getreidesilo werden schon von Weitem zu sehen sein.

Autozentrierte Stadt und Paradigmenwechsel

Straßenplanung folgt heute nicht mehr allein ingenieurwissenschaftlichen Kriterien wie in den Jahrzehnten der autogerechten Stadt. Bis in die 1960er-Jahre wurden Straßen vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geplant: Sie sollten Pendler- und Güterverkehr aufnehmen und eine möglichst schnelle Verbindung schaffen. Das Ergebnis waren stark verkehrsbelastete Wohnstraßen, an denen sich nach 30 bis 40 Jahren Asphaltkaries zeigte. Mit dem Paradigmenwechsel Ende der 1970er-Jahre, der maßgeblich von der Stadtplanerin Jane Jacobs geprägt war, rückte die soziale Funktion der Straße in den Mittelpunkt: Straßen sollen Nachbarschaften und Quartiere verbinden, Begegnungen ermöglichen und so gestaltet sein, dass Menschen auf den Gehwegen ins Gespräch kommen und die Außengastronomie auch am Abend Gäste anzieht.

Auch die Kohl-Allee planten Verkehrsplaner sowie Stadtplaner gemeinsam. Einerseits sollen belebte Erdgeschosszonen mit Restaurants und Handel dafür sorgen, dass man sich beim Shoppen begegnet und sich abends noch auf dem Boulevard trifft. Andererseits ermöglichen breite Gehwege und EG-Vorzonen, dass Menschen ins Gespräch kommen. Angrenzende, mit dem Stadtumbau stark aufgewertete Plätze wie der Danziger Platz, der Europaplatz und der Carl-Wurster-Platz lassen sich mit Stadtevents bespielen. Stadtgesellschaft soll in der stadtteilverbindenden Straße auch ganz selbstverständlich stattfinden.

Stadt der kurzen Wege

Die 15-Minuten-Stadt fordert kompakte Stadtstrukturen. Gleichzeitig gehen Planer davon aus, dass das Auto unsere Mobilität in den nächsten 20, 30 Jahren noch stark prägen wird, und müssen in ihren Konzepten damit zurechtkommen. In Kopenhagen führte dies zu einer vorübergehenden Verdoppelung der Infrastruktur. Auch die Kohl-Allee ist entsprechend breit geworden, um den Bedürfnissen von Radlern und Fußgängern neben denen der Autofahrer gerecht zu werden. Bequeme Fußwege und eine hohe Bevölkerungsdichte könnten Anwohner und Pendler veranlassen, mehr Wege zu Fuß zu machen.

Forschende glauben, dass sich die Ressource Öl durch ihre Verknappung und die damit einhergehenden Kriege weiter verteuern wird. Der Wegfall mancher Wasserstraßen wird das Gut weiter verknappen. Man hofft, dass mehr Menschen ihre Tonne Stahl aufgeben, wenn die Klimaeffekte in den nächsten 20 Jahren spürbarer werden. Dann wird auch mit mehr politischem Willen zu rechnen sein, Förderprogramme und Vorschriften beim Straßenbau anzupassen.

OBs oder Verkehrsdezernenten in einzelnen Städten zeigen Mut und setzen neben Ausbau von Rad- und Fußwegen gleichzeitig auf Beschränkung des Verkehrsaufkommens und des -flusses oder Parkraum, damit Verödung von Straßen und Plätzen sich nicht fortsetzt. Push und Pull wird zusammengedacht. Viele Forscher glauben, dass beides nur zusammen größere Effekte zeigt. Auf der Kohl-Allee ist Push schwierig umzusetzen. Sie ist Ersatzstraße für die Hochstraße Nord, einer von 2 Stelzenstraßen, die täglich bislang 45.000 Ein- und Auspendler über zwei Brücken nach Mannheim und zurückführten und wichtige Verkehrsachse im Agglomerationsraum Metropolregion Rhein-Neckar. 

Große belebte Boulevards

Viele Boulevards mit 70 Metern Breite, wie Champs-Élysées, sind lebendige Prachtstraßen in Paris und London. Die Champs-Élysées ist das Herz des Einzelhandels und bis spätabends stark belebt, zudem ist sie zu jeder Uhrzeit recht stark befahren. Die Kohl-Allee wird 80 Meter breit sein. Hochhäuser sollen entlang des neuen Stadtboulevards zusammen mit der Blockrandbebauung eine Sichtachse bilden, die die Stadtsilhouette neu prägt. Planer von Adept sprachen von sogenannten Ankerpunktplätzen, an deren Rand die Hochhäuser platziert sind und diese stark aufwerten. Das werden das Rheinufer, der Danziger Platz und der Bahnhofsvorplatz sein.

Die Champs Elysée ist 70 Meter breit. Wie in der Kohl-Allee sorgen Bäume für Trennung der Fußwege von der Straße und damit für angenehmere Aufenthaltszonen und mehr Sicherheitsgefühl.  | Foto: stockbym/stock.adobe.com
  • Die Champs Elysée ist 70 Meter breit. Wie in der Kohl-Allee sorgen Bäume für Trennung der Fußwege von der Straße und damit für angenehmere Aufenthaltszonen und mehr Sicherheitsgefühl.
  • Foto: stockbym/stock.adobe.com
  • hochgeladen von Julia Glöckner

Starker Verkehr kann zur Verödung von Straßenräumen und Plätzen sowie zu einer geringeren Aufenthaltsqualität führen. In Wohnstraßen, in denen das Auto dominiert, nutzen Anwohner häufig auch selbst nur das Auto, um das Haus zu verlassen. Allein 40 Meter der breiten Kohl-Allee gehören daher nur den Fußgängern und Radfahrern. Der Stadtboulevard zur Rushhour morgens und abends stark befahren sein, wenn 10.000 Pendler über die Schumacher-Brücke einpendeln und die Stadt Richtung Rhein-Pfalz-Kreis durchqueren.

Auf dem innerstädtischen Boulevard könnten sich Bewohner unterschiedlicher Herkunft, Milieus und Nationalität begegnen, vor allem aus den über den Ebertpark und Bismarckstraße angebundenen Stadtteilen Friesenheim, West, Hemshof, Süd und Innenstadt. Ob dort wirklich nur Wohnraum fürs Establishment entsteht, wie Kritiker des gesamten neuen Quartiers behaupteten, muss sich zeigen. Die GAG baut auf dem Areal einer Logistikfirma in der Deutschen Straße ein Wohnquartier, wo Mietraum zu üblich niedrigen Preisen entsteht. Dieses wird über den Park an den Boulevard fußläufig angebunden. jg

Ludwigshafen: Drei Hochhäuser prägen neue Rheintor Quartiere
LU, Deine Plätze: Diese Orte werden und könnten durch Umbau Piazze sein
RatgeberAnzeige

Kieser in Mannheim - für starke Muskeln und Ihre Gesundheit

Kieser Mannheim bedeutet mehr als Fitness: Mit Kieser stärken Sie gezielt Ihre Muskeln und fördern Ihre Gesundheit, Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit. Sie begleiten uns jeden Tag durchs Leben und sind weit mehr als nur für Bewegung zuständig: Unsere Muskeln beeinflussen Gesundheit, Haltung, Belastbarkeit und Wohlbefinden. Wer seine Muskulatur gezielt stärkt, schafft eine wichtige Grundlage für mehr Leistungsfähigkeit und einen aktiven Alltag. Unsere Muskeln bewegen uns und tragen uns durch...

Wirtschaft & HandelAnzeige
K&K Fleischhandel in Ludwigshafen steht seit 30 Jahren für Qualität, Tradition und ein vielseitiges Sortiment aus Fleisch, Wurst, Feinkost und Fisch. | Foto: K&K Fleischhandel
2 Bilder

Metzger Ludwigshafen: K&K Fleischhandel steht für 30 Jahre Qualität und Tradition

Metzger Ludwigshafen: Die Metzgerei K&K Fleischhandel steht seit 30 Jahren für Qualität, frische Wurst, hochwertiges Fleisch und persönlichen Service. Die K&K Fleischhandel GmbH in Ludwigshafen feiert im Jahr 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. Das Unternehmen steht seit drei Jahrzehnten für Qualität, Verlässlichkeit und persönlichen Service im Bereich Fleischhandel, Wurstwaren und Feinkost. Gegründet wurde K&K von Frank Kühner und Heiko Klawonn. Was einst in Ludwigshafen-Friesenheim begann,...

Wirtschaft & HandelAnzeige
Pflegefachkraft Rockenhausen: Das Evangelische Diakoniewerk Zoar steht für professionelle Betreuung, Teamgeist und berufliche Entwicklung. | Foto: Evangelisches Diakoniewerk Zoar, KI-generiert
2 Bilder

Pflegefachkraft Rockenhausen: Zoar bietet Perspektiven

Pflegefachkraft Rockenhausen. Das Evangelische Diakoniewerk Zoar überzeugt als Arbeitgeber mit gewachsenem Profil und klarer sozialer Haltung.  Rockenhausen. Das Evangelische Diakoniewerk Zoar ist mit 16 Standorten in der Pfalz und in Rheinhessen vertreten, in der Pfalz mit Einrichtungen zwischen Rockenhausen über Kusel und Kaiserslautern bis nach Ludwigshafen. 1.600 Mitarbeitende sind bei dem Unternehmen beschäftigt. In der Pflege, in der Assistenz und in der Betreuung bietet Zoar damit nicht...

Wirtschaft & HandelAnzeige
Bachelor Mannheim: Die VWA Rhein-Neckar verbindet Fachwirt, Betriebswirt (VWA) und Bachelor in einem berufsbegleitenden Studienmodell mit staatlichem Hochschulabschluss. | Foto: VWA Rhein-Neckar e.V.
2 Bilder

Bachelor Mannheim: VWA Rhein-Neckar bietet stufenweisen Weg zum Hochschulabschluss

Bachelor Mannheim: Das berufsbegleitende Studienmodell an der  VWA Rhein-Neckar verbindet Fachwirt, Betriebswirt (VWA) und Bachelor – mit überschaubaren Etappen, transparenten Gebühren und Abschlüssen staatlicher Hochschulen. Am besten gleich die detaillierten Infos dazu lesen. Und sich noch bis 27. August 2026 anmelden. Künstliche Intelligenz verändert den Bewerbungsprozess auf beiden Seiten: Bewerberinnen und Bewerber können in kurzer Zeit deutlich mehr Bewerbungen erstellen und versenden....

Die Kohl-Allee wird auf der riesigen innerstädtischen Brache entstehen, die der Abriss der Hochstraße Nord hinterlässt.  | Foto: Planungsbüro Adept
Die Champs Elysée ist 70 Meter breit. Wie in der Kohl-Allee sorgen Bäume für Trennung der Fußwege von der Straße und damit für angenehmere Aufenthaltszonen und mehr Sicherheitsgefühl.  | Foto: stockbym/stock.adobe.com
Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

25 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Online-Prospekte aus Ludwigshafen und Umgebung



Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.