Durchgriff in Ludwigshafen: Das ändert sich an Brennpunktschule
- Die Schließung der Brennpunktschule ist keine Option, versichert Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU).
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Ludwigshafen. Für rund 800 Schülerinnen und Schüler in Ludwigshafen soll der Schulalltag an der Karolina-Burger-Realschule plus wieder verlässlicher und sicherer werden. Nach wiederholten Schlagzeilen über Polizeieinsätze, Gewalt, Vandalismus und massive Konflikte im Kollegium greift die rheinland-pfälzische Schulaufsicht ein.
Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig kündigte im Bildungsausschuss des Landtags ein umfassendes Maßnahmenpaket an. Der Schulleiter soll abgeordnet werden. Ein Mitglied der Schulleitung und eine weitere Lehrkraft sollen versetzt werden. Für Lehrkräfte kann nach Einzelfallprüfung künftig eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag angeordnet werden.
Schulaufsicht täglich vor Ort
Um die Veränderungen an der Karolina-Burger-Realschule plus zu begleiten, soll es eine tägliche Präsenz der Schulaufsicht oder des Bildungsministeriums vor Ort geben. ADD-Präsident Andreas Kruppert informierte Kollegium, Elternschaft und Schülervertretung direkt in der Schule über die Schritte.
Kruppert betonte, es gehe nicht darum, die Schule zu übernehmen. Die ADD wolle unterstützen und gemeinsam Erfolge erzielen. Ab sofort sollen zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ADD vor Ort sein.
Diese Maßnahmen sind geplant
Das Paket soll den Schulfrieden wiederherstellen und den Unterricht stabilisieren. Dazu gehören nach Angaben der Ministerin unter anderem:
- Abordnung des Schulleiters
- Versetzung eines Mitglieds der Schulleitung und einer weiteren Lehrkraft
- mögliche Attestpflicht für Lehrkräfte ab dem ersten Krankheitstag nach Einzelfallprüfung
- tägliche Präsenz von Schulaufsicht oder Ministerium an der Schule
- Überarbeitung bereits eingeleiteter Konzepte gemeinsam mit der Schule
- verstärkter Einsatz multiprofessioneller Teams
Eiling-Hütig sagte, im Mittelpunkt stünden die Schülerinnen und Schüler. Sie hätten Anspruch auf guten und sicheren Unterricht. Die Kinder und Jugendlichen sollten wieder gut lernen und mit Freude und Stolz ihre Schule besuchen können.
Klage gegen Personalrat angekündigt
Die Schulaufsicht ADD will zudem juristisch gegen den amtierenden Personalrat vorgehen. Beim Verwaltungsgericht Mainz werde auf Auflösung des Gremiums geklagt, sagte die Bildungsministerin. Begründet werde der Schritt mit einer Gefährdung des Schulfriedens und groben Pflichtverletzungen.
Nach Darstellung der Ministerin sei wegen des Verhaltens des örtlichen Personalrats keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich. ADD-Präsident Kruppert nannte den Gang zum Verwaltungsgericht einen „absoluten Ausnahmefall“.
Konflikte im Kollegium als Kernproblem
Die Schule war wiederholt wegen Polizeieinsätzen in die Schlagzeilen geraten. Auslöser waren Gewalttaten und Vandalismus. Zuletzt beschäftigten Fehlalarme die Feuerwehr. Zu Beginn des neuen Schuljahrs meldete sich etwa ein Drittel der Lehrkräfte krank.
Hintergrund sollen langanhaltende Differenzen innerhalb des Kollegiums und Konflikte mit dem Schulleiter sein. Diese führten auch zu mehreren Dienstaufsichtsbeschwerden. Eiling-Hütig sagte, die Schülerschaft sei nicht das eigentliche Problem. Es gebe viele engagierte und positiv überzeugte Schülerinnen und Schüler. Auffällig seien nur wenige Jugendliche.
Eine Schließung der Schule sei keine Option gewesen, sagte die Ministerin. Auch Sicherheitspersonal lehnt sie ab. Stattdessen müsse die Brennpunktschule weiterentwickelt werden.
Elternbeirat fordert dauerhaften Neustart
Der Elternbeirat Rheinhessen-Pfalz mahnte einen ernsthaften Neustart an. Regionalelternsprecherin Justyna Winkler sagte der Deutschen Presse-Agentur, es dürfe keinen kurzfristigen Aktionismus geben. Nötig seien ein sicherer und geregelter Schulalltag sowie klare und verlässliche Strukturen.
Winkler warnte davor, dass der Name der Schule zu einem negativen Stempel für junge Menschen werden könne, etwa bei Bewerbungen oder beim Übergang in den Beruf. Die Kinder und Jugendlichen dürften nicht das Gefühl haben, sich für ihre Schule rechtfertigen oder schämen zu müssen.
GEW sieht Hilferufe seit Jahren
Auch die Bildungsgewerkschaft GEW fordert mehr Unterstützung für Schulen in angespannten Sozialräumen. Landeschefin Christiane Herz erklärte, die Karolina-Burger-Realschule plus zeige deutlich, dass solche Schulen intensivere und andere Unterstützungsformate benötigten.
Die Probleme hätten von den Verantwortlichen rechtzeitig erkannt werden müssen, kritisierte Herz. Seit Jahren habe die Schulgemeinschaft Hilferufe ausgesendet. An der Ludwigshafener Schule werden rund 800 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Schülerschaft gilt als sehr heterogen. Nach Angaben der Ministerin hat die Hälfte der Schülerinnen und Schüler die deutsche Staatsangehörigkeit. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |