Bürgerinitiative fordert nachhaltigeres Bauen und Erbpacht für Zukunftsquartiere
- Die Bilelu fordert, dass klarere Kurskorrekturen für Bauwende Richtung Klimaneutralität zumindest in den neuen Zukunftsquartieren erkennbar werden.
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Ludwigshafen. Der Rahmenplan für die neuen Zukunftsquartiere liegt derzeit aus. Angesichts des Klimawandels brauche es nach Ansicht der Bürgerinitiative Lebenswertes Ludwigshafen (Bilelu) deutlich mehr Begrünung. Zudem müssten innovative, nachhaltige Baustoffe stärker zum Einsatz kommen. Auch setzt sich die Initiative für Erbpachtverträge ein – Wohnen solle bezahlbar bleiben.
„Das Konzept macht Hoffnung – bislang allerdings vor allem auf dem Papier. Wer an der Veranstaltung am Samstag in der Rheingalerie teilgenommen und sich mit den Zielen für die Bebauung der neuen Innenstadtquartiere beschäftigt hat, kann angesichts der aktuellen Hitzewelle nur zu einem Schluss kommen: Das Gebot der Stunde lautet, mehr Grün in unsere Stadt zu bringen und uns aus der selbst geschaffenen Hitzehölle aus Beton und Asphalt zu befreien“, erklärt Sprecherin Ingeborg Welker im Auftrag der Bilelu.
Beim Thema Bauen müsse laut Bilelu endlich ein grundlegendes Umdenken stattfinden. Wissenschaftler arbeiteten bereits intensiv daran, wie die Transformation des emissionsstarken Bausektors gelingen könne. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Bauwende müsse weiter geschärft werden und diese konsequent umgesetzt werden. „Die Bilelu fordert ein Maximum an Dach- und Fassadenbegrünung, zusätzliche Grünflächen auf dem freiwerdenden Areal, Trinkbrunnen sowie den Einsatz von Sprühnebel im Sinne eines angenehmen Mikroklimas“, sagt Welker.
Das Konzept der Planungsfirma Adept definiert die Ziele präzise und benennt geeignete Orte, auf deren Grundlage künftig Bebauungspläne entwickelt werden. Die Bürgerinitiative begrüßt insbesondere den Erhalt und die Umnutzung von Bestandsgebäuden im ehemaligen Benckiser-Viertel. „Darüber hinaus sollten auf den neu zu bebauenden Flächen verstärkt ökologische Baumaterialien wie Holz oder Lehmbaustoffe eingesetzt werden“, so Welker. Den verstärkten Einsatz moderner, nachhaltiger Baustoffe fordern auch die Architektenkammern im Rahmen der Bauwende sowie die Initiative Architects for Future. Architektur- und Forschungsinstitute arbeiten derzeit intensiv an neuen Anwendungen für Materialien wie Holz, Weide oder Lehm – darin wird die Zukunft des Bauens liegen.
Die Bilelu befürchtet zudem, dass der übliche Weg, Grundstücke entlang der Kohl-Allee an Investoren zu vergeben, dort vor allem zu steigenden Mieten und der Entstehung höherpreisiger Immobilien führen könnte. „Wir befürchten, dass die Stadt ihre Verschuldung durch den hochpreisigen Verkauf von Baugrundstücken reduzieren will“, sagt Welker. Eine ähnliche Entwicklung habe es bereits am Rheinufer Süd gegeben. Stattdessen müsse die Verwaltung stärker auf soziale Durchmischung und bezahlbaren Wohnraum für Normalverdiener achten. Ein geeignetes Modell sei die Vergabe von Grundstücken in Erbpacht.
Darüber hinaus fordert die Bürgerinitiative einen klaren Fokus auf eine leistungsfähige Fußgänger- und Radinfrastruktur unter Einbindung und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. „Sanieren statt abreißen“ müsse künftig als grundsätzliches Prinzip gelten – eine Forderung, die von Bauexperten empfohlen sowie von der EU unterstützt und gefördert werde.
„Wenn das Leben in der Stadt angesichts des sich abzeichnenden Hitzekollapses und gleichzeitig steigender Mieten auch künftig lebenswert bleiben soll, dürfen diese Forderungen nicht nur bei der Planung des neuen Stadtquartiers berücksichtigt werden, sondern müssen zwingend Teil der aktuellen städtischen Baupolitik sein“, so Welker. jg
Erbpacht
Erbpachtverträge erfolgen über Trennung von Grund und Boden. Der Boden bleibt im Besitz der Baurechtsgeber, die Baurechtsnehmer, also Sahle Wohnen, haben gegen eine Pacht, das Recht zu bauen. Das errichtete Gebäude wird zunächst im Eigentum des Projektentwicklers sein. Nach in der Regel 99 Jahren fallen Gebäude und Nutzungsrechte am Boden wieder, gegen eine Verkaufssumme, an den Bodeneigentümer zurück. Der Vorteil ist: Kommunen können mehr mitreden, wie die Flächen entwickelt und bebaut werden. Die Spekulationen, etwa durch Ankauf und Verkauf, bleiben durch die Erbpacht ausgeschlossen.
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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