Natur vor der Haustür: ORBEA gibt Tipps
Vögel im Winter unterstützen
- Ein Rotkehlchen und eine Kohlmeise an einer gut gefüllten Futterstelle: Mit einfachen Mitteln lässt sich Vögeln im Winter schnell helfen. Wichtig sind das richtige Futter (Sonnenblumenkerne, Haferflocken) und ein geschützter, sauberer Platz. Die neue Ratgeber-Serie der ORBEA „Natur vor der Haustür“ zeigt Schritt für Schritt, wie jede und jeder die heimische Vogelwelt unterstützen kann.
- Foto: ORBEA
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Ludwigshafen, Oktober 2026 – Der vergangene Sommer hat die Natur in der Region durch Hitze und Trockenheit stark geschwächt. Das gilt auch für viele heimische Vögel, die mit dem anstehenden Winter die nächste Belastungsprobe vor sich haben. Ihre Nahrung wird ohnehin knapp, Frost und Schneedecken erschweren die Nahrungssuche zusätzlich. Vögel brauchen in der kalten Jahreszeit energiereiches Futter, um ihre Körpertemperatur zu halten. Gleichzeitig bieten Städte immer weniger natürliche Futterquellen – sei es durch versiegelte Flächen, fehlende Wildpflanzen oder den Verlust von Rückzugsräumen. Wer in dieser Jahreszeit hilft, und das geht mit einfachen Mitteln, leistet einen wichtigen Beitrag – und wird dafür mit faszinierenden Beobachtungen direkt vor der eigenen Haustür belohnt.
„Eine intakte Natur ist die Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben – auch für uns Menschen“, betont Klaus Eisele, ehrenamtlicher Leiter der ORBEA (Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein) und Naturschutzbeauftragter der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises. „Deshalb ist es unser Anliegen, aufzuklären und gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern praktische Wege aufzuzeigen, wie jede und jeder dazu beitragen kann, Natur und Artenvielfalt zu bewahren. Wir starten daher mit einer neuen Ratgeber-Serie zu verschiedenen Themen rund um diese Themen.“
Richtig füttern: Das richtige Futter zur richtigen Zeit
Wer Vögel unterstützen möchte, sollte auf artgerechtes Futter achten. Körnerfresser wie Buchfinken, Grünfinken und Spatzen freuen sich über Sonnenblumenkerne, Hanfsaat und ungesalzene Erdnüsse. Weichfutterfresser wie Amseln, Rotkehlchen und Zaunkönige nehmen dagegen Haferflocken, ungeschwefelte Rosinen, Obststücke oder spezielles Fettfutter an. Bei starkem Frost sind zusätzliche Fettquellen wie Meisenknödel wichtige Energielieferanten – aber bitte ohne Plastiknetz, in dem sich die Vögel verfangen können.
Brot, gewürzte Speisen und Essensreste haben im Vogelhäuschen nichts verloren. Sie enthalten kaum Nährstoffe, quellen im Magen auf und können die Verdauung der Tiere schwer belasten. Wer einmal mit dem Füttern begonnen hat, sollte dies über den gesamten Winter fortsetzen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Vögel verhungern, weil sie sich auf die Futterstelle verlassen haben.
Das richtige Futter im Überblick:
• Sonnenblumenkerne
• Meisenknödel ohne Netz
• Fettfutter / Streufutter
• Haferflocken und ungeschwefelte Rosinen
Futterstellen richtig einrichten und sauber halten
Der perfekte Futterplatz ist wettergeschützt, erhöht angebracht, bietet Sicherheit vor Fressfeinden und ist für die Vögel gut einsehbar. Besser mehrere kleine Futterstellen als eine große, damit sich die verschiedenen Vogelarten nicht in die Quere kommen.
Hygiene ist entscheidend: Futterhäuser und Spender müssen alle zwei bis drei Tage gereinigt werden, verdorbenes oder feuchtes Futter sollte täglich entfernt werden. So werden Krankheiten vorgebeugt, die sich an schmutzigen Futterplätzen schnell ausbreiten können.
Sicheres Futterhaus:
• 2–3 Meter Abstand zu Fenstern (verhindert Kollisionen)
• Sicherheit vor Fressfeinden (mindestens 2 Meter über dem Boden)
• windgeschützt und trocken
Wasser ist auch im Winter überlebenswichtig
Vögel brauchen auch bei Frost Trinkwasser. Eine einfache Methode, um eine Vogeltränke vor dem Zufrieren zu schützen: Ein Tongefäß mit einer Grabkerze darunter – der Tonuntersetzer wird über der Kerze angebracht, das Wasser bleibt leicht angewärmt und eisfrei. Flache Schalen sollten bei Frost täglich mit frischem Wasser gefüllt werden.
Naturnahe Gärten: Der beste Lebensraum
Wer Vögeln langfristig helfen möchte, kann mehr tun als füttern: Beerentragende Sträucher wie Holunder, Weißdorn oder Vogelbeere bieten natürliche Nahrung. Verblühte Stauden stehen lassen, Laubhaufen anlegen und wilde Gartenecken schaffen – das sind nachhaltige Lebensräume, die Schutz und Nahrung bieten.
Winter braucht Teamarbeit:
• Beerentragende Sträucher pflanzen
• Stauden über Winter stehen lassen
• Wilde Gartenecken zulassen
• Naturnahe Gärten fördern
Nistkästen: Qualität statt Discount
Fachgerecht konstruierte Nistkästen mit passenden Einflugöffnungen und aus geeignetem Material sind entscheidend für den Bruterfolg. Die Einfluglochgröße muss zur Vogelart passen: 26–28 mm für Blaumeisen, 32 mm für Kohlmeisen und Kleiber. Billige Discount-Produkte haben zwar vielleicht ein ansprechendes Design, bieten aber oft keinen ausreichenden Schutz vor Hitze, Feuchtigkeit oder Fressfeinden und sind daher häufig ungeeignet.
Gefahren vermeiden
Streusalz ist im Winter eine unterschätzte Gefahr: Vögel trinken aus salzhaltigen Pfützen und können daran verdursten. Auf Gehwegen sollte deshalb auf umweltverträgliche Streumittel zurückgegriffen werden. Auch Glasscheiben, an denen Vögel aufprallen können, sowie freilaufende Katzen und andere Fressfeinde gilt es zu bedenken.
Einladung zum Austausch
ORBEA Ludwigshafen lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, die gefiederten Wintergäste bewusst zu beobachten und mit einfachen Mitteln zu unterstützen. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte: Bei ausreichendem Interesse – mindestens 20 Personen – bietet ORBEA ein vertiefendes Austauschforum „Vögel im Winter" an der ORBEA-Station im Maudacher Bruch an. Offene Fragen können gestellt, eigene Erfahrungen mit anderen Naturfreunden vernetzt werden. Interessierte melden sich bitte per E-Mail an naturschutz@orbea-lu.de oder telefonisch unter 0160 99164962.
Die Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein (ORBEA Ludwigshafen) wurde 1960 in Ludwigshafen gegründet. Sie engagiert sich seit mehr als sechs Jahrzehnten für den Schutz von Vögeln, Biodiversität und natürlichen Lebensräumen im urbanen und industriellen Umfeld. Getragen wird die ORBEA ausschließlich von Ehrenamtlichen, die mit Fachwissen, Ausdauer und Leidenschaft vielfältige Aufgaben übernehmen - von Nistkastenpflege und Schwalbenschutz über Umweltbildung bis hin zu Forschungskooperationen und politischem Engagement. Heute betreut die ORBEA über 2.000 Nistkästen und mehr als 600 Schwalbennester, arbeitet mit Unternehmen und Universitäten zusammen und bietet jährlich zahlreiche Exkursionen, Vorträge und Schulprojekte an. Die Arbeit ist zu 100 Prozent ehrenamtlich und wird durch Spenden, Kooperationen und praktische Unterstützung ermöglicht. Mehr zur ORBEA: www.orbea-lu.de
Autor:Klaus-Peter Rieser aus Ludwigshafen |
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