ORBEA: Wildvögeln helfen
Hitze, Brutzeit und zunehmender Stress für heimische Wildvögel
- Sechs hilfsbedürftige Mehlschwalben, die von der ORBEA aktuell gepäppelt werden – exemplarisch für die zahlreichen Vögel, die derzeit unter der anhaltenden Hitzewelle und ungeeigneten Nistbedingungen leiden. Die jungen Vögel sitzen auf der Zeitung sauber und trocken, sie müssen stündlich gefüttert werden. Die ORBEA Ludwigshafen weist auf die Bedeutung artgerechter Nistkästen und einfacher Hilfsmaßnahmen wie flache Wasserschalen und Schattenplätze hin. Jeder kann helfen!
- Foto: ORBEA
- hochgeladen von Klaus-Peter Rieser
Die anhaltende Hitzewelle stellt heimische Wildvögel während der Brut- und Setzzeit vor erhebliche zusätzliche Belastungen. In Deutschland gilt diese sensible Phase in der Regel vom 1. März bis zum 30. September – zahlreiche Arten brüten in diesem Zeitraum, versorgen ihre Jungtiere und sind besonders störungsanfällig. Die aktuellen Wetterbedingungen mit extremen Temperaturen, überhitzten Siedlungsräumen und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten führen dazu, dass Alt- und Jungvögel zunehmend unter Stress geraten.
Völlig überlastete Auffangstationen in der Region
Sämtliche Vogelauffangstationen in der Region sind derzeit stark überfüllt. Mehrere hundert Vögel – Jungtiere ebenso wie adulte Tiere verschiedenster Arten – werden aktuell versorgt, viele Einrichtungen arbeiten längst an oder über ihrer Kapazitätsgrenze. Ursachen sind Hitzeschwäche, geschwächte Elterntiere, Nahrungsmangel sowie aus dem Nest gefallene Jungvögel, die häufig noch nicht flugfähig sind.
Problematische Nistkästen im Fokus – und fachgerechte Alternativen
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sind einfache Nistkästen aus dem Handel, die häufig für wenige Euro beim Discounter erhältlich sind. Sie bieten oft keinen ausreichenden Schutz vor Hitze und Feuchtigkeit: unzureichende Belüftung, dünnwandige Materialien und eine ungünstige Bauweise führen dazu, dass sich die Kästen bei direkter Sonneneinstrahlung stark aufheizen oder Feuchtigkeit nicht ausreichend reguliert wird. Für Jungvögel kann dies lebensbedrohlich sein – insbesondere während längerer Hitzeperioden. Viele Vögel fliehen dann aus ihren Nistbehausungen und landen im besten Fall bei den Auffangstationen.
Die ORBEA Ludwigshafen weist daher ausdrücklich auf die Bedeutung artgerechter, fachlich geeigneter Brutkästen hin, die je nach Vogelart unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen – etwa Einfluglochgröße, Innenraumvolumen, Belüftung und Standortwahl. Empfohlen werden Nistkästen aus massiven, wärmeregulierenden Materialien wie Holzbeton (einem Beton-Zement-Gemisch). Sie bieten eine deutlich bessere Temperaturstabilität, schützen zuverlässig vor Überhitzung und Feuchtigkeit und erhöhen damit die Überlebenschancen von Höhlenbrütern erheblich. Unbedingt erforderlich ist ein Einflugloch von 32 Millimetern Durchmesser: Diese Größe ermöglicht es einer Vielzahl verschiedener Vogelarten, den Kasten zu nutzen.
„Wir erleben in diesem Sommer eine außergewöhnlich hohe Belastungssituation für unsere heimische Vogelwelt. Gleichzeitig zeigt sich sehr deutlich, wie wichtig fachlich geeignete und artspezifisch angepasste Brut- und Nistmöglichkeiten sind“, erklärt Klaus Eisele, ehrenamtlicher Leiter der ORBEA sowie Naturschutzbeauftragter der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises. „Daher wollen wir unser Angebot im Bereich Aufklärung und praktische Wildvogelhilfe weiter ausbauen. Unser Ziel: Fehlverhalten vermeiden und gleichzeitig die Handlungssicherheit in der Bevölkerung stärken.“ Er ergänzt: „Wir werden das Problem künftig häufiger bekommen mit Temperaturen über 40 Grad – daher ist es umso wichtiger, dass jeder einen Beitrag leistet."
Was Garten- und Balkonbesitzer bei Hitze mit einfachen Mitteln tun können:
• flache Wasserschalen täglich frisch bereitstellen
• Schattenplätze schaffen (Pflanzen, Tücher, Markisen)
• keine Neststörungen während der Brutzeit (Gesetzliche Anleinpflicht für Hunde bitte beachten)
• keine Rasenpflege mit starker Hitzeentwicklung
• heimische, insektenfreundliche Pflanzen fördern
• ruhige Rückzugsbereiche im Garten belassen
Autor:Klaus-Peter Rieser aus Ludwigshafen |
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