Hitzestau auf Kohl-Allee? Straße wird kühle Winde in City tragen
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Ludwigshafen. Stadt- und Verkehrsplaner müssen sich angesichts des sich verändernden Mikroklimas mit einer zentralen Frage auseinandersetzen: Sorgen breite Straßen für mehr Hitze – oder können sie zugleich als Frischluftschneisen dienen?
Auf der Kohl-Allee soll nach den Vorstellungen der Planer stets eine sanfte Brise wehen. Die breite Verkehrsachse ermöglicht einen weitgehend ungehinderten Luftaustausch und Durchzug. Begünstigt wird dieser durch die vorherrschende Windrichtung von Ost nach West, also vom Rhein her. Vor allem nachts ist es am Rhein einige Grad kühler als in der aufgeheizten Innenstadt. Während Beton in der direkt angrenzenden City die tagsüber gespeicherte Wärme abstrahlen, kann der Wind die kühlere Rheinluft durch den Stadtboulevard bis in die Rheintor-Quartiere tragen. So soll heiße, stehende Luft in Bewegung kommen und bestenfalls entweichen.
Breite Straßen können sich stärker aufheizen
Breite Straßen haben allerdings zunächst vor allem Nachteile. Nicht nur Asphalt und Beton heizen sich auf. Auch die Häuserfronten werden tagsüber länger und flächenhaft von der Sonne beschienen. Das verbessert zwar die Belichtung der Gebäude, kann aber zugleich zur Erwärmung des Stadtraums beitragen.
Bereits beim Umbau Roms unter Kaiser Nero wurden Straßen verbreitert. Nach Einschätzung von Forschern trug dies dazu bei, dass die Stadt sich um ein bis zwei Grad stärker aufheizte.
Auch schmale Straßen sind nicht automatisch kühler
Viele Stadtplaner plädieren im Zuge der Verkehrswende dafür, Straßen künftig schmaler zu bauen. Verschattete Straßenschluchten können öffentliche Räume wirksam vor sengender Hitze schützen. Ein Beispiel ist die algerische Wüstenstadt Ghardaia. Dort gibt es kaum Autostraßen, viele Wege sind nur für Fußgänger vorgesehen.
Auf der Kohl-Allee lässt sich dieses Modell jedoch nicht übertragen. Die Hauptverkehrsachse muss täglich rund 20.000 Ein- und Auspendler aufnehmen und führt diese in den beiden Hauptverkehrszeiten von 8 bis 9 und nach 17 Uhr auf eine von drei wichtigen Rheinquerungen in der Metropolregion. Auch baurechtlich sind enge Straßenschluchten in Deutschland problematisch und nicht erlaubt, weil sie eine ausreichende Belichtung von Wohn- und Gewerberäumen beeinträchtigen können.
Ob sich eine Straße stark aufheizt, hängt zudem nicht allein von ihrer Breite ab. Entscheidend sind auch der Versiegelungsgrad, die Bebauung und die Frage, ob Frischluftschneisen in der Hauptwindrichtung freigehalten werden. Selbst schmale Straßen können sich bei dichter Bebauung und fehlender Durchlüftung stark erwärmen. Im Mannheimer Jungbusch etwa staut sich die Hitze in engen Straßenzügen, weil der Stadtteil versiegelt, extrem dicht bebaut ist und kaum Wind durch die Nebenstraßen zum Luisenring gelangt. Die Gebäude sind zudem höher als in der Wüstenstadt Ghardaia.
Breite der Kohl-Allee ist Fluch und Segen
Mit Blick auf das Mikroklima ist die 80 Meter breite Kohl-Allee somit Fluch und Segen zugleich. Einerseits wird sich der Asphalt im Sommer stark aufheizen. Andererseits soll die großzügige Gestaltung dafür sorgen, dass die Luft in Bewegung bleibt. Das ist auch angesichts des hohen Verkehrsaufkommens wichtig: Die Fahrzeuge speichern Wärme und geben sie noch lange nach Sonnenuntergang an die Umgebung ab, wirken durch die erhitzte Karosserie also wie Öfen.
Die Kohl-Allee wurde deshalb gezielt begrünt. Bei der Auswahl der Bäume, die in 5 Reihen stehen, stand nicht allein die Verschattung und Verdunstung im Vordergrund, was durch große, dichte Kronen erreicht worden wäre. Dies bleib wichtiger Nebenaspekt, gleichzeitig sollten sie klimaresilient sein und zugleich den Luftaustausch nicht behindern. Der Schnurbaum gilt beispielsweise als besonders robust und hat sich auch in dicht bebauten Straßenzügen bewährt.
Die Kohl-Allee ist vierspurig geplant. Hinzu kommen drei bis fünf Abstellspuren entlang der Hauptverkehrsachse. Ihre Dimensionierung geht auf Vorgaben des damaligen Bundesverkehrsministers zurück. Ursprünglich hatte die Stadt lediglich eine Fahrspur je Richtung vorgesehen. Die Planer erkannten in der großzügigen Breite jedoch auch einen Vorteil für die Funktion der Straße als Frischluftschneise. jg/red
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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