UV-Licht-Test in Karlsruhe: Traktor mit „Solarium“ schütz Pflanzen vor Pilzen
- Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg testet den UV-Booster.
- Foto: Uli Deck/dpa
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Karlsruhe. Weniger Pflanzenschutzmittel im Obstbau. Dieses Ziel steht hinter einem ungewöhnlichen Versuch auf Plantagen am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe. Ein Traktor zieht dort einen Anhänger mit grell leuchtenden UV-Röhren durch Reihen von Apfelbäumen sowie Johannis- und Stachelbeeren.
Die Anlage erinnert optisch an ein Solarium. Das UV-Licht soll bei den Pflanzen eine Art Alarmreaktion auslösen. „Das UV-Licht spielt der Pflanze vor, dass eine Infektion vorliegt“, erklärt Forscherin Doris Betz vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum. Die Folge. Die Pflanze aktiviert ihr Immunsystem und erhöht ihre Abwehrkräfte.
Hoffnung gegen Pilzkrankheiten
Der Ansatz richtet sich vor allem gegen pilzliche Erreger wie Mehltau. Wenn die Abwehrmechanismen der Pflanzen früh aktiviert werden, könnten Krankheiten seltener ausbrechen. Ziel der Forschenden ist es, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel deutlich zu reduzieren.
Die biologischen Prozesse hinter dieser sogenannten Wirt-Krankheitserreger-Interaktion sind in der Forschung schon länger bekannt. Versuche, die Abwehrkräfte von außen zu steigern, etwa mit Algenpräparaten, brachten in der Praxis bislang jedoch kaum messbare Effekte.
Versuche bereits in Weinbergen
In Frankreich wurde die Methode mit UV-Licht bereits in Weinbergen getestet. Laut Herstellerangaben sank dort der Krankheitsdruck im Durchschnitt um rund 41 Prozent. Gleichzeitig stieg der Ertrag um etwa 13 Prozent, weil weniger Früchte durch Krankheiten oder Umweltstress verloren gingen.
Eine einzige Fahrt mit dem UV-Anhänger soll die Pflanzen für bis zu zwei Wochen widerstandsfähiger machen. Die Lichtdosis entspricht ungefähr der UV-Belastung eines halben Sommertages.
Starkes Licht mit Sicherheitsabstand
Das Licht ist so intensiv, dass für Menschen Vorsicht gilt. Der Traktorfahrer trägt eine Sonnenbrille. Andere Personen müssen mehrere Dutzend Meter Abstand halten, weil Augenreizungen und Sonnenbrand möglich sind.
Die Forschenden untersuchen neben der Krankheitsabwehr weitere mögliche Effekte.
- Verbessert sich die Frosttoleranz der Pflanzen
- Gibt es Schäden an Früchten durch die Bestrahlung
- Lässt sich die Technik wirtschaftlich im großen Stil einsetzen
Denn selbst bei guten Ergebnissen bleibt eine entscheidende Frage offen. Ob zusätzliche Fahrten über die Plantagen mit Anschaffungs- und Betriebskosten sowie Arbeitszeit am Ende wirtschaftlich sind. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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