dm-Award 2026: „Fragile Homes“ bringt Medienkunst in Karlsruhes Stadtraum
- Blick auf eine Projektion im Stadtraum. Wer abends unterwegs ist, kann Medienkunst und Skulpturen direkt in Karlsruhe entdecken.
- Foto: Das Künstlerduo Yulia Mashkova (rechts) und Grisha Mumrikov erhält den diesjährigen dm-Award. | Foto: Dasha Karetnikova
- hochgeladen von Heike Schwitalla
Karlsruhe. Migration, Bürokratie und das Gefühl von Heimat stehen im Mittelpunkt eines Medienkunstprojekts, das bald im Karlsruher Stadtbild auftaucht. Yulia Mashkova und Grisha Mumrikov gewinnen den dm-Award „connecting worlds“ 2026 mit ihrer Arbeit „Fragile Homes“.
Der international ausgeschriebene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er geht zum dritten Mal an ein Projekt, das digitale und analoge Welten verbindet. „Fragile Homes“ zeigt das Duo vom 13. August bis 13. September bei den Schlosslichtspielen Light Festival Karlsruhe sowie in der Ausstellung „Media art is here“, wie die Stadtverwaltung mitteilt.
Was hinter „Fragile Homes“ steckt
Mit „Fragile Homes. Migrating Landscapes“ greifen Mashkova und Mumrikov Migration als persönliche und gesellschaftliche Erfahrung auf, zwischen Aufbruch, Ankommen und bürokratischen Hürden. Im Zentrum stehen „hohle Körper“ aus behördlichen Dokumenten und Formularen, die sichtbar machen sollen, wie stark bürokratische Prozesse die Lebensrealität von Migrantinnen und Migranten prägen.
Eine digitale Projektion verbindet diese Erzählungen mit dem Karlsruher Stadtbild. Straßen verwandeln sich dabei in Wurzelsysteme und neuronale Netzwerke. Das Duo versteht das als Symbol für Verbundenheit, Orientierung und neue Heimat.
Außerdem macht das Projekt Medienkunst im öffentlichen Raum als interaktive „Listening Stations“ erlebbar. Dafür nutzt das Team recycelte Dokumente von Bürgerinnen und Bürgern. Die Skulpturen sollen zum Innehalten einladen und die Stadt als Ort der Begegnung neu erfahrbar machen.
Dr. Dominika Szope, Leiterin des Kulturamts Karlsruhe, ordnet das Projekt so ein: „Das Duo verbindet in Fragile Homes das Persönliche und das Politische mit künstlerischen Mitteln, die wirklich berühren: als Emigrierte, für die Papier nicht abstrakt ist, sondern über Zugehörigkeit entscheidet.“
Preis verbindet Stadt Karlsruhe und dm
Die Stadt Karlsruhe arbeitet beim dm-Award mit dm-drogerie markt als auslobendem Partner zusammen. Die Kooperation betont laut Mitteilung auch die nachhaltige Ausrichtung Karlsruhes als Mitglied des UNESCO Creative Cities Network.
Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, sagt: „Mit dem dm-Award ‚connecting worlds' unterstützen wir als Unternehmen Künstlerinnen und Künstler, die zeigen, wie Kreativität gesellschaftliche Herausforderungen sichtbar macht. ‘Fragile Homes‘ verbindet digitale Bildwelten mit haptischen, aus recycelten Materialien gefertigten Skulpturen. Damit greift das Projekt einen zentralen Gedanken des dm-Awards auf: die kreative Verknüpfung von digitaler und analoger Welt, um neue Formen des Engagements, des Dialogs und des gemeinsamen Erlebens zu schaffen“.
Karlsruhe trägt seit 2019 als erste und bisher einzige Stadt in Deutschland den UNESCO-Titel „Creative City of Media Arts“. Damit gehört die Stadt zum UNESCO Creative Cities Network, das 2004 gegründet wurde und die Zusammenarbeit kreativer Städte fördern soll.
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |