Experte fordert mehr Automation: Chancen für Medizin, Wirtschaft und KI

Grundsätzliche Fragen zur Autonomik sollten einmal beantwortet und für einzelne Anwendungen angepasst werden, empfiehlt Peter Liggesmeyer.  | Foto: Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering
  • Grundsätzliche Fragen zur Autonomik sollten einmal beantwortet und für einzelne Anwendungen angepasst werden, empfiehlt Peter Liggesmeyer.
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Kaiserslautern. Individualisierte Medikamente könnten nach Einschätzung eines Software- und KI-Experten aus Kaiserslautern künftig nur noch einen Bruchteil der heutigen Kosten verursachen. Möglich machen sollen das autonome Systeme, die Produktionsprozesse weitgehend selbst steuern. Der Forscher sieht darin große Chancen für Medizin, Wirtschaft und Europa. A

Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE, fordert nach eigenen Angaben mehr Aufmerksamkeit für das Thema Automation. Aus seiner Sicht wird dazu bislang zu zersplittert geforscht. Nötig sei ein eigenes Wissenschaftsgebiet, das grundlegende Fragen systematisch klärt und Ergebnisse dann auf einzelne Anwendungen überträgt.

Rat an die Politik

Liggesmeyer sagte der Deutschen Presse-Agentur, in vielen Bereichen gebe es die Tendenz zu stärker automatisierten Prozessen bis hin zur vollständigen Automation. Das betreffe vor allem Aufgaben, die für Menschen zu komplex, zu zeitaufwendig oder zu teuer seien. Es wäre aus seiner Sicht sinnvoll, wenn die Politik diese Entwicklung stärker aufgreife.

Mit einer rund 20-köpfigen Arbeitsgruppe setzt sich der Forscher für den Ausbau der sogenannten Autonomik ein. Zu der Gruppe gehören demnach auch der Physiker und frühere SAP-Vorstand Henning Kagermann sowie der KI-Experte Wolfgang Wahlster.

Beispiel Medikamente: deutlich geringere Kosten möglich

Als konkretes Beispiel nennt Liggesmeyer die Herstellung individualisierter Medikamente. Diese Präparate seien bislang auch deshalb selten, weil die Produktion ohne weitreichende Automatisierung sehr teuer sei. Mit autonom gesteuerten Verfahren könnten die Kosten nach seiner Einschätzung auf ein Zehntel sinken. Aus einer Viertelmillion Euro würden dann etwa 25.000 Euro. Das könnte solche Arzneien für deutlich mehr Menschen erreichbar machen.

Autonome Systeme brauchen klare Grenzen

Nach Darstellung des Experten unterscheiden sich autonome Systeme grundlegend von klassischer Software. Herkömmliche Programme würden einmal entwickelt, überprüft und dann in weitgehend unveränderter Form eingesetzt. Ein autonomes System solle sich dagegen an neue Bedingungen anpassen und eigenständig den passenden Weg zum vorgegebenen Ziel finden.

Dafür müsse es laut Liggesmeyer klare Sicherheitsgrenzen geben. Innerhalb dieses Korridors könne ein System selbstständig handeln. Wie diese Grenzen aussehen, hänge stark vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Für eine dauerhafte Nutzung sei zudem eine fortlaufende Sicherheitsüberprüfung nötig.

Vorteile für Deutschland und Europa

Liggesmeyer sieht in der Autonomik auch eine wirtschaftliche Chance. Wer die offenen Grundsatzfragen zuerst löse, könne sich wichtige Vorteile sichern. Das sei volkswirtschaftlich sinnvoll für Deutschland und Europa.

Künstliche Intelligenz sei dabei nur eine von mehreren Technologien, die in der Autonomik genutzt werden könnten. Der aktuelle KI-Boom helfe dem Thema, weil er neue technische Möglichkeiten sichtbarer mache. Auch die öffentliche Debatte über Chancen und Risiken werde breiter. So hatte Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika internationale Regeln für den Umgang mit KI verlangt und neben Gefahren auch auf mögliche wertvolle Hilfe durch die Technologie verwiesen. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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