Glücklicher Abschluss einer verkorksten Saison
Schonungslose Aufarbeitung unabdingbar – vor allem in den Führungsgremien

Der 1. FC Kaiserslautern ist in dieser Saison sportlich noch einmal mit einem dicken blauen Auge davongekommen. Bis auf die beiden Derbysiege, den erfolgreichen Endspurt und den geglückten Schuldenschnitt durch die Insolvenz in Eigenverantwortung liefen auf allen Ebenen etliche Dinge schief.
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  • Der 1. FC Kaiserslautern ist in dieser Saison sportlich noch einmal mit einem dicken blauen Auge davongekommen. Bis auf die beiden Derbysiege, den erfolgreichen Endspurt und den geglückten Schuldenschnitt durch die Insolvenz in Eigenverantwortung liefen auf allen Ebenen etliche Dinge schief.
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Von Ralf Vester
FCK. Es ist vollbracht: Der 1. FC Kaiserslautern bleibt auch in der kommenden Saison in der Dritten Liga und hatte bereits am vorletzten Spieltag das rettende Ufer erreicht. Sportlich sind die Roten Teufel mit dem 14. Tabellenplatz dem Supergau des Abstiegs in die Regionalliga knapp entgangen. Gar nicht auszudenken, welche sportlichen und wirtschaftlichen Folgen der Gang in die 4. Liga für den FCK bedeutet hätte. Hätten die regionalen Saar-Pfalz-Investoren weiter zum Club gestanden, um im Optimalfall einen direkten Wiederaufstieg zu ermöglichen? In welchem Stadion wäre gespielt worden? Im für die Regionalliga völlig überdimensionierten Fritz-Walter-Stadion? Auf der Husterhöhe in Pirmasens? Oder gar auf dem benachbarten Erbsenberg?

Derlei Quadraturen des Kreises vornehmen zu müssen, bleibt den Verantwortlichen durch die sportliche Rettung zwar fürs Erste erspart, aber auf diverse Fragen müssen dennoch zeitnah Antworten gefunden werden. In den vergangenen Wochen war es sehr ruhig seitens der Vereinsführung. Vielleicht einer der Gründe für den Klassenerhalt. Zuletzt waren fast nur der neue Sportdirektor Thomas Hengen, Trainer Marco Antwerpen und einige der wichtigsten Spieler in der Öffentlichkeit zu sehen, zu hören und zu lesen.

Jede Menge Zündstoff

Bis Ende März, Anfang April war das noch anders. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung Ende Februar ging es förmlich drunter und drüber im Aufsichtsrat und Beirat. Das Schreiben von Boris Notzon an die Vereinsgremien, in dem der scheidende Sportdirektor das aus seiner Sicht wiederholte Eingreifen von Markus Merk ins operative Tagesgeschäft sowie das Gebaren seitens der Investoren anprangerte, sorgte für reichlich Zündstoff.

Noch am gleichen Tag dann die nächste Hiobsbotschaft vom Rücktritt des gerade erst mit einem fulminanten Votum der Mitglieder in den Aufsichtsrat gewählten Bernhard Koblischeck, der monierte, dass die dringend notwendig gewordene Aufklärungsarbeit in den Vereinsgremien gelinde gesagt mehr als unzureichend sei und offenbar bewusst verschleppt werde.

In jenen Tagen im März kam der FCK gar nicht mehr aus dem Dementieren und Richtigstellen der Vorwürfe heraus. Der eher öffentlichkeitsscheue Martin Weimer zog letztlich die Konsequenzen und legte seine Ämter in Aufsichts- und Beirat ebenso nieder, sodass das wenige Wochen zuvor frisch gewählte Gremium bereits vor der Zerreißprobe stand und mit Johannes B. Remy und Valentin Helou zwei Nachrücker benötigte.

Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft

Obendrein folgte die Strafanzeige eines Vereinsmitglieds bei der Staatsanwaltschaft. Der Anzeigenerstatter sah einen Anfangsverdacht im Hinblick auf mögliche Verstöße gegen das Aktiengesetz wie die „Verletzung der Geheimhaltungspflicht“ und „Unrichtige Darstellung“ gegeben. Diese Anzeige steht noch immer im Raum, wie der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, Dr. Udo Gehring, auf Anfrage bestätigte. Die Prüfung, ob ein Anfangsverdacht bestehe, sei noch nicht abgeschlossen.

Der Anzeigensteller hat gegenüber der Staatsanwaltschaft seine Anklagepunkte durch Zusendung eines Mailverkehrs dokumentiert, aus dem hervorgeht, dass der Aufsichtsrat am 13. März beschlossen habe, die Geschäftsführung der Management GmbH damit zu beauftragen, die im Schreiben von Boris Notzon geäußerten Vorwürfe von einer externen Kanzlei juristisch prüfen zu lassen.

Notwendige Aufarbeitung wird hintan gestellt

Aufsichtsrat Rainer Keßler sah in Form der Einreichung einer Unterlassungserklärung durch den Rechtsanwalt der KGaA am 18. März dem Sachverhalt juristisch Rechnung getragen und bat um interne Aufarbeitung durch die Vereinsgremien, da man über genügend Erfahrung und Qualität in den eigenen Reihen verfüge. Zudem habe Keßler am 21. März darum gebeten, in Zeiten des Kampfes um den sportlichen Klassenerhalt eine weitere Aufarbeitung des Sachverhalts fürs Erste hintan zu stellen, um im Umfeld die hierfür benötigte Ruhe zu wahren.

Schonungslose Analyse und Prüfung unabdingbar

Der Klassenerhalt ist in nun also in trockenen Tüchern. Einer externen juristischen Aufarbeitung der vorgeworfenen Sachverhalte sollte nichts mehr im Wege stehen. Die Führungsriege des 1. FC Kaiserslautern wäre gut beraten, diese auch tatsächlich und vor allem zeitnah in Auftrag zu geben. Denn im Anschluss an eine trotz der späten Rettung sportlich völlig verkorksten Saison – der FCK war durchaus mit Aufstiegsambitionen an den Start gegangen – und einem mit Tohuwabohu noch milde umschriebenen Gebaren in den Ratsgremien ist eine schonungslose Analyse auf allen Ebenen schlicht unabdingbar.

Vier verschlissene Aufsichts- bzw. Beiräte (Martin Wagner, Jörg E. Wilhelm, Martin Weimer und Bernhard Koblischeck), vier zurückgetretene Vereinsvorstände (Wilfried de Buhr, Markus Römer, Steven Dooley und Dagmar Eckel), zwei verschlissene Trainer (Boris Schommers und Jeff Saibene) sowie der entmachtete Sportdirektor Boris Notzon haben der Öffentlichkeit ein desaströses Bild vermittelt. Erst im letzten Saisondrittel begannen sich einige Dinge zum Positiven zu wenden.

Mit dem ebenso kantigen wie leidenschaftlichen Marco Antwerpen hat der FCK einen Trainer verpflichtet, der seit langer Zeit mal wieder zu diesem überaus emotionalen Club zu passen scheint. Antwerpen hat sicher einen gewichtigen Anteil am Klassenerhalt, zu dem auch der seit März im Amt befindliche neue Sportdirektor Thomas Hengen beigetragen hat. Der Rückkehrer zu den Roten Teufeln bewies mit der Verpflichtung von Schlüsselspielern wie Felix Götze und Marvin Senger ein gutes Händchen und kann nun die Personalplanung für die neue Saison angehen.

Weichen für eine bessere Zukunft stellen

Wenn sich jetzt auch noch die Vereinsgremien gewissenhaft hinterfragen, warum im Geschäftsjahr 2020/2021 derart viel falsch laufen konnte, daraus womöglich noch die ein oder andere weitere personelle Konsequenz gezogen wird und sich der Aufsichtsrat ausschließlich auf seine ureigenste Aufgabe als reines Kontrollorgan ohne Eingriffe ins sportliche Tagesgeschäft beschränkt, könnte die kommende Spielzeit für den FCK um einiges sorgenfreier verlaufen – aber auch nur dann, wenn das wirklich beherzigt wird.

Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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