Zusammenfassung der Geschehnisse am Betzenberg
Eine weitere ereignisreiche FCK-Woche

Dank Investoreneinstieg gehen die Lichter beim Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern nicht aus  Foto: Jens Vollmer
  • Dank Investoreneinstieg gehen die Lichter beim Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern nicht aus Foto: Jens Vollmer
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FCK. Eine weitere Woche der Streitigkeiten, Machtspiele und Bangen um die Lizenz ist vergangen. Lügen, Intrigen und wüste Beschimpfungen machten die Runde. Die Presse befeuerte den Twist. Eine erneute Kehrtwende hat nun die Befürworter des Luxemburgischen Investors Flavio Becca die Oberhand gewinnen lassen.

von Jens Vollmer

Mit 3:2 Stimmen ist es nun beschlossen: Der FCK wird zukünftig seitens des Investors Flavio Becca unterstützt. Zunächst sollen 2,6 Millionen Kredit zur Sicherung der Lizenz fließen, danach der Wert der Kapitalgesellschaft neu festgelegt und der Kredit in Eigenkapital gewandelt werden. Damit bestätigt sich, dass auch Becca den vor einem Jahr festgesetzten Wert der Kapitalgesellschaft von 120 Millionen Euro nicht anerkennt.
Insgesamt soll Becca über fünf Jahre 25 Millionen - den später zu wandelnden Kredit inbegriffen - in den Verein investieren. Darüber hinaus möchte er auch das Stadion mitsamt umliegendem Areal kaufen, auch wenn derzeit Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel noch bis August an eine Ausschließlichkeitsvereinbarung mit einer Schweizer Immobilienfirma gebunden ist. Neben diesen Filetstücken des Kaiserslauterer Immobilienmarktes habe Becca zudem Interesse auf dem Pfaff-Gelände zu investieren. Die zu bauenden Gebäude miteingerechnet, hofft man auf über 100 Millionen Euro Investment in Kaiserslautern. Der FCK ist dabei nur ein kleinerer Teil.
Großes Manko: Becca hatte ein Ultimatum gestellt, Michael Littig, Aufsichtsratsvorsitzender des e.V. und Beiratsmitglied, müsse seinen Posten räumen - ein Eingriff in die Demokratie des Vereines, noch bevor der erste Euro geflossen ist. Dabei kennen sich die beiden noch nicht einmal persönlich. Der Protest war groß, die Westkurve rebellierte, regionale Investoren kamen kurzfristig als Alternative ins Spiel. Trotzdem hielt Becca sein Ultimatum aufrecht, letztendlich trat Littig nach dem Beiratsentscheid zu Beccas Gunsten letzten Donnerstag tatsächlich zurück.
Nach der Abstimmung - Beirat Paul Wüst war das Zünglein an der Waage - brachen die regionalen Investoren Hans Sachs und Klaus Dienes ihr Schweigen (wir berichteten online auf www.wochen
blatt-reporter.de/fck).
Die regionale Investorengruppe hatte noch mehr Mitstreiter als die zwei bekannt gewordenen Namen und wollte dem FCK die fehlende Summe zum Lizenzerhalt in Form von 3 Millionen Euro Eigenkapital zeitnah übergeben. Dafür forderten sie einen Sitz im Beirat und eine Abwertung der Kapitalgesellschaft von 120 auf 30 Millionen. Auch hierüber gab es Streitigkeiten, doch letztendlich wird auch Becca den Wert von 120 Millionen nicht annehmen, wie andere Medien mittlerweile ebenfalls bestätigen.
Das Konzept der regionalen Investoren stellte den Fröhnerhof in den Mittelpunkt. Hier sollte neu gebaut werden und neben den Jugendmannschaften auch die Profis sowie die Verwaltung einziehen. Eine Ersparnis von 1,6 Millionen Euro solle die Maßnahme bringen, rechneten die Investoren vor. Alles in allem wollten die Regionalinvestoren ebenfalls 25 Millionen in den nächsten Jahren bereitstellen.
Nachdem der Kreditgeber Quattrex (vier Millionen) sich für die bisherigen Ansprechpartner Klatt und Bader aussprach - ein Totschlagargument für die bevorstehende Entscheidung des Beirates - besserten die Regionalinvestoren ihr Angebot sogar nach, boten an, den Quattrex-Kredit zu circa 5 Prozent niedrigeren Zinsen zu übernehmen und weiteres Geld in den Mannschaftsetat zu stecken.
Trotzdem entscheid sich der Beirat nun für Becca, Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt gab zu bedenken, die Planungen mit Quattrex und Becca seien nach monatelangen Verhandlungen konkreter, wogegen die Regionalinvestoren ihr Konzept erst eine Woche vorher vorgestellt hätten und es erst eine Absichtserklärungen und ein E-Mail gegeben habe, welche noch keine Sicherheit für 25 Millionen seien.
Neben Michael Littig ist auch der Vorstand des e.V., Andy Buck, zurückgetreten. Zuerst mit einer offiziellen Version, er habe in Stuttgart beruflich zu viel zu tun und bleibe Markenbotschafter, mittlerweile konkretisierte er auf seiner Facebookseite ( nachzulesen unter www.wochenblatt-
reporter.de/fck) die Beweggründe und trat auch als „Markenbotschafter“ zurück. Buck sah sich in seiner ehrenamtlichen Position großen Haftungsrisiken ausgesetzt und kritisierte unter anderem den Beirat, das Angebot der Regionalinvestoren ausgeschlagen zu haben. Er behauptete in seinem Posting, auch Becca habe noch nicht mehr als eine Absichtserklärung abgegeben.
Noch vor der Beiratssitzung am letzten Donnerstag schlug Michael Littig Ex-FCK-Torhüter und Trainer Sepp Stabel als neuen Vorstand an der Seite von Wilfried de Buhr vor. Stabel lehnte das Angebot nach zwei Tagen Bedenkzeit letzten Samstag ab.
Während die Becca-Verträge nun vorbereitet werden sollen, hat der FCK noch wichtige Verpflichtungen: Am Samstag wird sich im Verbandsliga-Pokalfinale gegen Wormatia Worms entscheiden, wer in die erste Runde des DFB-Pokals einzieht. Sollte dies misslingen, fehlt dem FCK wichtiges Geld, das mit jeder Runde des DFB-Pokal an die teilnehmenden Vereine ausgeschüttet wird.
Schon bald ausverkauft ist das Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München am kommenden Montag. Die Einnahmen helfen bei dem Kampf um die Lizenz.
Nach dem Pokalspiel soll die Kaderplanung in Angriff genommen werden. Sport-Geschäftsführer Martin Bader will mit Investor Flavio Becca nächste Schritte besprechen. Im Sturm und im zentralen Mittelfeld ist der FCK seit Jahren glücklos und sucht vergeblich nach torgefährlichen Lösungen.
Wichtig ist, dass Ruhe in den Verein einkehrt. Fans und Mitglieder sind in zwei Lager gespalten, die einstige Stärke eines besonders starken Zusammenhalts ist verloren. Die Streitigkeiten haben den Verein neben der sportlichen und der finanziellen Situation auch auf einer dritten, noch wichtigeren Ebene in eine existenzbedrohlichen Lage gebracht, denn nicht Geld, sondern Zusammenhalt auf Platz und Tribüne war der Zaubertrank, mit dem der kleine FCK auch große Gegner wie die Bayern, Barcelona oder Real Madrid einst bezwang.

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