Wenn Schulden erdrücken: Caritas-Zentrum hilft Betroffenen in Kaiserslautern
- Immer mehr Menschen in Kaiserslautern suchen Unterstützung bei der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums. Das Foto zeigt die Schuldner- und Insolvenzberater Maximilian Helmholz (links) und Claudia Schoch (rechts) mit Einrichtungsleiterin Beate Schmitt
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Kaiserslautern. Offene Rechnungen, steigende Kosten, wachsende Schulden: Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern unterstützt kostenlos auf dem Weg aus der Krise.
Von Monika Klein
Wieder flattert eine Rechnung ins Haus, der Kühlschrank ist leer und die Miete längst überfällig – was tun, wenn der Dispokredit ausgeschöpft ist, der Berg der offenen Zahlungen aber immer weiter wächst? Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern kann dabei helfen, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen.
Hauptursachen für Überschuldung
Viele Gründe können in die Schuldenfalle führen. Laut dem Statistischen Bundesamt zählten 2024 Erkrankung, Sucht und Unfall (18,1 Prozent) und Arbeitslosigkeit (17,4 Prozent) zu den Hauptursachen. Mehr als verdoppelt hat sich die Überschuldung wegen eines längerfristigen Niedrigeinkommens zwischen 2015 und 2024. In diesem Zeitraum ist sie von 3,4 auf 10,8 Prozent geklettert.
Den Zusammenhang mit gestiegenen Lebenshaltungskosten stellt auch Einrichtungsleiterin Beate Schmitt her: "Im Niedriglohnsektor gibt es Leute, die sich ihr Essen wirklich nicht mehr leisten können." Dementsprechend suchen vor allem Geringverdiener, aber auch Personen aus der Mittelschicht und seltener solche mit einem Monatseinkommen von mehr als 5000 Euro die Unterstützung der Beratungsstelle.
Die Gründe für eine Überschuldung sind vielfältig. Mal sind es laufende Ratenzahlungen und andere Verbindlichkeiten wie unnötige Versicherungsbeiträge, die die Abwärtsspirale vorantreiben. Oder es sind die wenigen Klicks im Online-Shop, der schnelle Ratenkredit und Streamingdienste oder PC-Spiele, die zu einer unüberlegten Kaufentscheidung führen. Auch eine Steuernachzahlung ans Finanzamt, eine Bürgschaft oder ein tragischer Schicksalsschlag können das Finanzgerüst zum Einstürzen bringen.
Anzahl der Ratsuchenden steigt
Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern begleitet ausschließlich Personen, die in der Stadt Kaiserslautern wohnen. Seit rund zehn Jahren steigt die Zahl der Hilfesuchenden. Im Jahr 2024 haben die vier Schuldner- und InsolvenzberaterInnen 962 laufende Beratungen durchgeführt, 2025 waren es 1102.
Junge Erwachsene ebenso betroffen wie Rentner
Hervorgegangen sind diese Beratungen des vergangenen Jahres aus 1655 Telefonaten, die zum Teil in einmalige oder wenige persönliche Gespräche gemündet sind. Der Großteil jedoch bedarf einer längerfristigen Begleitung. Das Alter der Ratsuchenden beginnt ab circa 20 Jahren, nach oben gibt es keine Grenze, denn auch Rentner oder Pensionäre kann es treffen.
Konsum, Kredite und fehlender Überblick als Risikofaktoren
Zwar gebe es auch tragische Schicksalsschläge, aber das Gros der Ratsuchenden könne Verbraucherkredite nicht mehr bedienen und Anschaffungen nicht mehr bezahlen, hält Schmitt fest. "Die Gewichtung ist verrutscht, es fehlt ein wirtschaftliches Denken. Unsere Konsumgesellschaft ist darauf ausgerichtet, dass die Leute kaufen und zum Beispiel erst in sechs Wochen zahlen." Viele junge Menschen seien so aufgewachsen, dass alles immer verfügbar ist. Sie nutzen die Geldkarte an der Kasse, haben kein Bargeld mehr im Portemonnaie. "Da braucht es eine gute Struktur, sonst verliert man schnell den Überblick."
- Wenn das Geld nicht mehr reicht, um laufende Kosten zu zahlen, und die offenen Rechnungen drücken, können sich Betroffene kostenlos an die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Zentrums in Kaiserslautern wenden
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Ordnung schaffen im finanziellen Chaos
Claudia Schoch ist eine der Caritas-BeraterInnen, die Ordnung in das Finanzchaos bringen. "Viele Leute, die zu uns kommen, leiden unter Ängsten und Überforderung. Sie stehen zum Teil so unter Druck, dass sie sich gar nicht mehr trauen, ihre Post zu öffnen." Die Beraterin weiß aber auch, dass der erste Schritt, die Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle, der schwierigste ist.
Entschuldungspläne und Schutz vor Pfändungen
Schoch schaut den Stapel mit unbezahlten Rechnungen durch, ordnet und erstellt eine Prioritätenliste, auf der Miete, Strom und der Bedarf für Lebensmittel ganz oben stehen. Sie sondiert, ob sozialrechtliche Ansprüche bestehen, etwa Wohngeld, und kontaktiert Gläubiger, um Zahlungsfristen aufzuschieben und zu verhandeln. Sie erstellt Entschuldungspläne und stellt bei Bedarf eine Pfändungsschutzbescheinigung aus, damit das Bankkonto bis zu einem Sockelbetrag, einem Mindestbehalt, geschützt ist.
Privatinsolvenz als Ausweg aus der Überschuldung
Eine weitere Variante, um den Schuldenberg abzutragen, ist eine Privatinsolvenz, die die Caritas-BeraterInnen vorbereiten, aber nur über einen Notar oder Anwalt als Insolvenzverwalter möglich ist. Ein solches Verfahren macht dann Sinn, wenn die Einnahmen in den kommenden Jahren nicht steigen. Es läuft über drei Jahre und erfordert ein zuverlässiges Mitwirken des Betroffenen. Nach Ablauf dieses Zeitraums ist man schuldenfrei. "Das bedeutet aber, seine Obliegenheiten zu erfüllen und keine neuen Schulden zu machen, also ein redlicher Schuldner zu sein", unterstreicht Schoch.
- Eine Privatinsolvenz kann einen Ausweg aus der Überschuldung darstellen
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Weitere Hilfsangebote der Caritas
Wer den Weg der Entschuldung einschlägt, der kann auch von den weiteren Beratungsangeboten des Caritas-Zentrums Kaiserslautern profitieren. Dazu gehören Suchtberatung, Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung, Sozialberatung und Schwangerschaftsberatung.
Info und Kontakt
Stadt Kaiserslautern: Caritas-Zentrum Kaiserslautern, Edith-Stein-Haus, Engelsgasse 1, 67657 Kaiserslautern, Telefon 0631 361200, E-Mail caritas-zentrum.kaiserslautern@caritas-speyer.de, https://www.caritas-speyer.de/caritas-zentren/kaiserslautern
Kreis Kaiserslautern: Haus der Diakonie, Pirmasenser Straße 82, 67655 Kaiserslautern, Telefon 0631 72209, E-Mail hdd.kl@diakonie-pfalz.de, https://www.diakonie-pfalz.de/diakonie-pfalz/haeuser-der-diakonie/kaiserslautern
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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