Schausteller – eine Branche am Abgrund
Wie eine traditionsreiche Zunft ums Überleben kämpft

Roswitha Henn-Nickel (links) und ihre Schwester Susanne Henn-Marker durchleben schwierige Zeiten
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von Ralf Vester
Kaiserslautern.
Die Jahrmärkte haben eine lange, überaus erfolgreiche Tradition. Schaustellerfamilien verdienen dort seit vielen Generationen ihr Geld und erfreuen die Besucher immer wieder aufs Neue. Die Corona-Krise trifft die Schausteller Deutschlands mit besonderer Härte, da sie seit den Weihnachtsmärkten 2019 und mitunter gar seit Herbst vergangenen Jahres ohne jegliches Einkommen sind. Tausende von Familienbetrieben und damit auch die Volksfestkultur hierzulande sind in ihrer Existenz bedroht. Jeder zweite steht laut Schaustellerverband vor der Insolvenz, falls die Herbst- und Weihnachtsmärkte auch noch ausfallen sollten.

Während Branchen wie die ebenfalls über Monate hinweg darbende Gastronomie und Hotellerie sowie Konzertveranstalter wenigstens in abgespeckter, aber sicher noch längst nicht wirtschaftlich lohnender Form dank kreativer Konzepte inzwischen wieder an den Start gehen durften, blicken die Schausteller noch für unbestimmte Zeit konsterniert in die Röhre und sehen ihre Felle machtlos davonschwimmen.

Susanne Henn-Marker und ihrer Schwester Roswitha Henn-Nickel ist deutlich anzumerken, wie sehr ihnen die Situation zu schaffen macht und an die Nieren geht. „Die Gesundheit der Menschen steht selbstverständlich über allem. Die einschränkenden Maßnahmen waren zu Beginn der Pandemie absolut berechtigt. Auch die Absage der Mai-Kerwe in Kaiserslautern haben wir Schausteller, auch wenn der Einnahmeverlust sicher schmerzte, klaglos eingesehen und befürwortet. Die Infektionszahlen gingen daraufhin ja auch entsprechend zurück. Natürlich hat die Zahl der positiven Tests wegen der Reiserückkehrer und des erhöhten Testvolumens zuletzt wieder zugenommen, aber das rechtfertigt noch keine vorschnellen Absagen der Herbst- und Winterveranstaltungen“, betonen die beiden Schwestern, die der traditionsreichen Westpfälzer Schausteller-Dynastie Henn-Nickel-Marker entstammen.

Längst hat auch ihr Gewerbe hieb- und stichfeste Hygiene-, Abstands- und Sicherheitskonzepte fertig in der Schublade. Dennoch müssen die Schausteller mit ansehen, wie Feste im Großen wie im Kleinen reihenweise abgesagt werden und ihnen so vielfach die Möglichkeit genommen wird, wenigstens mit einzelnen Buden und kleineren Fahrgeschäften mit von der Partie sein zu können. Vereinzelt sieht man in der Region eine Mini-Kerwe, auf der ein Kinderkarussell und ein Süßigkeitenstand aufgebaut sind, wirklich rentabel ist das für die Betriebe jedoch keineswegs.

Aber es ist trotzdem Balsam für die Schaustellerseele. Denn sie lieben den Kontakt, die Gespräche mit den Menschen. All das fällt derzeit weg und schlägt vielen Kollegen verständlicherweise schwer aufs Gemüt und nicht zuletzt auch auf so manche Gesundheit. „Wenn wir durch die Stadt gehen, sprechen uns viele Leute auf die derzeitige Situation an und sehnen die Zeiten von Festen und Jahrmärkten herbei. Sie drücken uns die Daumen, dass wir bald wieder an den Start gehen dürfen. Das tut natürlich gut“, bekennt Roswitha Henn-Nickel. Nur Mitleid wolle man keines, denn das sei das Schlimmste.

Von der großen Politik fühlen sie sich extrem im Stich gelassen. „Das ist derzeit einfach zu viel Panikmache und ein ungeheuer großer Druck, der erzeugt wird“, betont Susanne Henn-Marker. Zwar gebe es Überbrückungshilfen vom Bund und auch die Landesregierung habe Hilfspakete aufgelegt, aber das Geld reiche für viele Betriebe nicht annähernd aus. Zudem seien die bürokratischen Hürden sehr hoch, so dass noch immer viele Kollegen auf den Erhalt der Zuwendungen warten würden, beklagt die Vorsitzende des Schaustellerverbands Barbarossa-Pfalz-Saar. Von millionenschweren Förderpaketen wie in Baden-Württemberg, die für die Schausteller einen direkten Zuschuss zu den Tilgungsraten für ihre Kredite vorsehen, könne man nur träumen.

Das Engagement der Politik im Kleinen sehen die beiden Schwestern sehr wohl und erkennen es auch an. Zwar ist die eigentliche Lautrer Oktober-Kerwe bereits abgesagt, aber Bürgermeisterin Beate Kimmel bemüht sich seit Wochen im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum, vielleicht doch noch eine kleine, abgespeckte Version auf dem Messeplatz zu ermöglichen – Ausgang noch ungewiss.

Fällt dies allerdings flach und zudem noch die Weihnachtsmärkte, sieht es ganz düster aus um die Zukunft der Kerwe-Beschicker. „Dann wird die Zunft der Schausteller mit zahlreichen Insolvenzen drastisch ausgedünnt. Das Gesicht der Feste und Jahrmärkte wird dann ein anderes sein“, prophezeien Roswitha Henn-Nickel und ihre Schwester Susanne. Dass dies so kommt und die Schaustellerbranche reihenweise in den wirtschaftlichen wie seelischen Ruin getrieben wird, kann keiner wirklich wollen! ps

Roswitha Henn-Nickel (links) und ihre Schwester Susanne Henn-Marker durchleben schwierige Zeiten
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht gibt es ja doch noch eine kleine Form der Oktober-Kerwe und nicht zuletzt auch die Weihnachtsmärkte in der Region.
Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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