Musikalische Früherziehung
Warum sie für Kinder so wichtig ist

Foto: Scarletts Musikschule

Warum musikalische Früherziehung für Kinder so wichtig ist

Musik begleitet den Menschen von den ersten Lebensmomenten an. Schon lange bevor Kinder sprechen oder lesen lernen, reagieren sie auf Klänge, Rhythmen und Melodien. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass musikalische Früherziehung weit mehr ist als eine kreative Freizeitbeschäftigung: Sie unterstützt die geistige Entwicklung, stärkt sprachliche Fähigkeiten und fördert soziale sowie emotionale Kompetenzen. Die positiven Auswirkungen beginnen bereits vor der Geburt und können bis ins Erwachsenenalter nachwirken.

Musik prägt bereits Säuglinge

Der Hörsinn ist der erste Sinn, der sich während der Schwangerschaft entwickelt. Bereits im letzten Abschnitt der Schwangerschaft sind ungeborene Kinder in der Lage, Melodien wahrzunehmen, zu erlernen und sogar im Langzeitgedächtnis zu speichern [1]. Musik beeinflusst die Entwicklung also schon vor der Geburt. Diese Fähigkeit bildet auch die Grundlage des sogenannten pränatalen Singens, wie man es aus sogenannten BabyBauchTönen-Kursen kennt. Dabei werden dem ungeborenen Kind durch die Stimme der Mutter wiederkehrende Melodien und Rhythmen vermittelt, die nach der Geburt wiedererkannt werden können. Wissenschaftlich wird dies vor allem als frühe Form von Kommunikation und Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind verstanden. 
Auch nach der Geburt zeigen sich erstaunliche musikalische Fähigkeiten. Forschende, die die Schreie von Säuglingen untersucht haben, stellten fest, dass Babys beim Schreien eine Art Melodie erzeugen. Ihre Schreie weisen ähnliche Merkmale wie Gesang auf und zeigen damit, dass musikalische Strukturen bereits sehr früh vorhanden sind [3].

Positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern

Musikalische Früherziehung trägt wesentlich zur Allgemeinbildung von Kindern bei. Darüber hinaus wirkt sie sich positiv auf verschiedene Bereiche der geistigen Entwicklung aus. So fanden Stefan Koelsch und Sebastian Jentschke vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig heraus, dass Musizieren die geistige Beweglichkeit fördert. Kinder lernen dadurch leichter, zwischen unterschiedlichen Gedanken und Aufgaben zu wechseln und sich flexibel auf neue Situationen einzustellen [1].

Auch die Sprachentwicklung profitiert von musikalischer Förderung. Studien zeigen, dass sich Musik ähnlich positiv auf das Sprachvermögen auswirken kann wie gezieltes Lesetraining [1]. Ein Grund dafür liegt in den Gemeinsamkeiten zwischen Sprache und Musik: Beide basieren auf Tonhöhen, Rhythmen und Klangmustern, die vom Gehirn auf vergleichbare Weise verarbeitet werden.

Besonders deutlich werden die Vorteile beim aktiven Musizieren. Wer ein Instrument erlernt und regelmäßig spielt, trainiert zahlreiche Bereiche des Gehirns gleichzeitig. Martin Guhn und sein Forschungsteam von der University of British Columbia konnten nachweisen, dass aktives Musizieren die Intelligenzentwicklung fördern und die schulischen Leistungen von Kindern verbessern kann. Dabei zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen musikalischem Engagement und schulischem Erfolg unabhängig von früheren Leistungen, dem Geschlecht sowie dem kulturellen oder sozioökonomischen Hintergrund bestand [1].

Musik fördert mehr als nur die Intelligenz

Die positiven Effekte musikalischer Bildung beschränken sich nicht allein auf schulische Leistungen. Erwachsene, die in ihrer Kindheit und Jugend mehrere Jahre Musikunterricht erhalten haben, können Geräusche und akustische Informationen später effizienter verarbeiten als Menschen ohne musikalische Ausbildung [1].

Dies zeigt sich beispielsweise in lauten Umgebungen wie vollen Räumen oder belebten Veranstaltungen. Musikalisch geschulte Personen können Sprache dort häufig besser verstehen und einzelne Stimmen leichter herausfiltern [1]. Zudem fällt es ihnen leichter, schnellem Redefluss zu folgen oder ähnlich klingende Silben voneinander zu unterscheiden [2].

Auch die emotionale Intelligenz wird durch musikalische Förderung gestärkt. William Forde Thompson von der University of Toronto und sein Forschungsteam konnten zeigen, dass musikalisch ausgebildete Kinder Emotionen in gesprochener Sprache sicherer erkennen als Kinder ohne musikalische Erfahrung. Sie identifizierten traurige, fröhliche, ängstliche oder ärgerliche Aussagen zuverlässiger. Die sogenannte Satzmelodie spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sie hilft, die tatsächliche Bedeutung einer Aussage richtig einzuordnen.

Aktives Musizieren ist entscheidend

"Kinder brauchen Musik, aber nicht, weil Musik ein nützlicher Gehirn-Trainer ist; sie macht so wenig klug, wie sie dumm macht. Doch fordert sie das Gehirn in selten komplexer Weise heraus, weil beim Musizieren Hören und Sehen, Fühlen und Tasten, Bewegung und Koordination, Imagination und Kreativität in besonders intensiver Weise miteinander verbunden werden. Insofern ist das Beste, was wir einem Kind bieten können, zu ihm und mit ihm zu singen, zu spielen und zu tanzen."

Prof. em. Dr. Wilfried Gruhn, Musikpädagoge an der Musikhochschule Freiburg und seit 2009 Vorsitzender der Internationalen Leo-Kestenberg-Gesellschaft, Berlin

Für die positiven Wirkungen von Musik reicht es jedoch nicht aus, lediglich Musik zu hören. Entscheidend ist das aktive Musizieren. Forschende um Nina Kraus von der Northwestern University in Evanston konnten zeigen, dass vor allem die aktive Beteiligung der Kinder den positiven Effekt auf die Gehirnentwicklung bewirkt.

Dabei spielt auch die Motivation der Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle. Kinder, die den Musikunterricht eher passiv verfolgten, zeigten selbst nach zwei Jahren kaum Fortschritte. Dagegen konnten bei engagierten Teilnehmern deutliche Verbesserungen festgestellt werden. Besonders bemerkenswert ist, dass Musikunterricht bestehende Defizite wirksam ausgleichen kann. Allerdings braucht dieser Prozess Zeit: Erst nach etwa zwei Jahren wurden klare positive Veränderungen sichtbar. Wie Nina Kraus betont, ist Musik deshalb „keine schnelle Lösung“, sondern eine langfristige Investition in die Entwicklung von Kindern.

Musik erleben bei Scarletts Musikschule

Die Angebote von Scarletts Musikschule richten sich an verschiedene Altersgruppen und umfassen sowohl musikalische Bildungsangebote als auch kreative Kurse für Familien. Bereits während der Schwangerschaft können werdende Mütter im Kurs „BabyBauchTöne“ durch Singen, Tönen und musikalische Bewegung erste musikalische Erfahrungen mit ihrem ungeborenen Kind sammeln. Ergänzt wird das Angebot durch Übungen zur Körperwahrnehmung sowie Lieder, die dem Kind bereits vor der Geburt vertraut werden können.
Im Bereich der musikalischen Früherziehung erhalten Kinder einen altersgerechten Zugang zu Musik. Im Kurs „First Music Kids Instrumentenkarussell“ lernen sie unterschiedliche Instrumente kennen und können verschiedene Klang- und Spielmöglichkeiten praktisch erproben, bevor sie sich gegebenenfalls für ein Instrument entscheiden.
Darüber hinaus gehören weitere kreative Angebote, darunter Eltern-Kind-Yogakurse, zum Programm der Musikschule. Diese verbinden Bewegung, Wahrnehmung und gemeinsames Erleben und ergänzen die musikalischen Kurse.

Neben dem regulären Kursbetrieb finden regelmäßig Veranstaltungen für Familien statt, darunter saisonale Feste und gemeinsame Aktivitäten. Sie bieten Gelegenheit zum Austausch und fördern die Vernetzung der teilnehmenden Familien über den Unterricht hinaus.

Einen Einblick in das Programm erhaltet Sie auf der Homepage und auf den Social-Media-Kanälen.

Fazit

Musikalische Früherziehung unterstützt Kinder in vielfältiger Weise. Sie fördert die geistige Flexibilität, stärkt Sprache und Lernen, verbessert die Verarbeitung von Hörreizen und trägt zur Entwicklung emotionaler Kompetenzen bei. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen deutlich, dass Musik weit mehr ist als Unterhaltung. Besonders das aktive Musizieren kann die Entwicklung des Gehirns nachhaltig positiv beeinflussen und Kindern wichtige Fähigkeiten für ihr weiteres Leben vermitteln.

Quellen:
[1] https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/musik-forschung-intelligenz-musikalitaet-100.html
[2] https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/musik-dabei-sein-ist-nicht-genug/
[3] https://www.ukw.de/aktuelle-meldungen/detail/news/wie-aus-weinen-sprache-wird/

Autor:

Scarletts Musikschule aus Kaiserslautern

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