Tigermücke im Kreis Germersheim: Warum Reiserückkehr jetzt besonders aufpassen sollen
- Wer im Garten oder auf dem Balkon Wasser stehen lässt, schafft der Tigermücke schnell neue Brutplätze. Das Foto zeigt Tigermücken-Larven.
- Foto: Kreis GER/gb
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Germersheim. Wer aus dem Urlaub zurückkommt, bringt manchmal mehr mit als Souvenirs. Im Landkreis Germersheim warnen die Kreisverwaltung und die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS e. V.), dass sich Viren nach einer Reise über die Asiatische Tigermücke auch lokal weiterverbreiten können.
Die Tigermücke ist nach Angaben der Kreisverwaltung selbst nicht mit Krankheitserregern infiziert. Sie kann aber Viren wie Dengue, Chikungunya, Zika und das West-Nil-Virus übertragen, wenn sie zuvor eine infizierte Person gestochen hat. Menschen können sich in tropischen und subtropischen Regionen infizieren, oft ohne Symptome. Das Virus zirkuliert dann im Blut. Sticht anschließend eine heimische Tigermücke, kann sie das Virus aufnehmen und so einen lokalen Übertragungsherd auslösen.
Massiver Befall in Germersheim und Hinweis auf West-Nil-Fall
Bei einer gemeinsamen Ortsbegehung von Kreisverwaltung und KABS stellten die Teams in Germersheim einen so starken Befall fest, dass sich im Außenbereich kaum noch Menschen aufhalten konnten. Neben vielen ausgewachsenen Mücken fanden sie große Mengen an Larven, unter anderem in Sickerschächten. Die KABS leitete nach eigenen Angaben umgehend Bekämpfungsmaßnahmen ein. Eine flächendeckende Bekämpfung auf privaten Grundstücken ist nach Angaben der KABS aber nicht möglich.
Die zuständige Kreisbeigeordnete Anette Kloos sagt: „Die Asiatische Tigermücke ist nicht mehr nur ein Problem in fernen Reiseländern – sie ist bei uns angekommen. Besonders jetzt, wo viele aus dem Urlaub zurückkehren, müssen wir alle achtsam sein. Jeder Mückenstich kann potenziell Viren übertragen.“
Als weiteren Hinweis auf die zunehmende Bedeutung heimischer Mücken verweisen Experten auf den ersten autochthonen West-Nil-Fall 2026 in Rheinland-Pfalz. Laut Medienberichten reiste die betroffene Person nicht ins Ausland und eine heimische Mücke infizierte sie höchstwahrscheinlich.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt ungeimpften Reiserückkehrern aus Risikogebieten, sich in den ersten 14 Tagen nach der Rückkehr besonders konsequent vor Mückenstichen zu schützen. Das gilt auch ohne Symptome. Dazu nennt die Kreisverwaltung unter anderem langärmelige, helle Kleidung und insektenabweisende Sprays.
Bei Symptomen wie Fieber, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Hautausschlag oder allgemeinem Krankheitsgefühl sollen Reiserückkehrende unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und dabei auf die Reise hinweisen.
Landrat Martin Brandl richtet einen Appell an die Bevölkerung: „„Gesundheitsschutz ist Gemeinschaftsaufgabe. Wir als Kreisverwaltung und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KABS können nicht jedes private Grundstück kontrollieren. Aber wenn wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen – ob im Garten, auf dem Balkon oder nach der Reise – dann können wir verhindern, dass sich tropische Viren bei uns etablieren.“
Die Verwaltung betont, dass die Tigermücke schon kleinste Wasseransammlungen zur Fortpflanzung nutzt, etwa Regentonnen, Blumenuntersetzer, verstopfte Dachrinnen oder Sickerschächte. Am wirksamsten wirkt laut Kreisverwaltung, stehendes Wasser konsequent zu vermeiden und Brutstätten zu beseitigen. Brandl sagt dazu: „Nur durch gemeinsames Handeln kann verhindert werden, dass sich tropische Viren auch in unserer Region etablieren“. (red)
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |