Prävention wirkt: Weniger Jugendhilfe-Fälle im Kreis Germersheim trotz hoher Belastung
- Im Landkreis Germersheim gehen die Hilfen zur Erziehung leicht zurück. Der Kreis setzt dabei weiter auf frühe Unterstützung für Familien.
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Landkreis Germersheim. Im Landkreis Germersheim geht die Zahl der Hilfen zur Erziehung erstmals wieder leicht zurück. Für Familien bedeutet das nach Einschätzung des Kreises, dass Unterstützung häufiger früh und direkt vor Ort ankommt, bevor Probleme größer werden.
Wie der Landkreis mitteilt, sanken die Fallzahlen im laufenden Jahr über alle Hilfesegmente hinweg leicht. Zugleich verändert sich die Jugendhilfe seit Jahren deutlich. Der Kreis setzt stärker auf ambulante Angebote, frühe Hilfen und Unterstützung im direkten Lebensumfeld von Kindern, Jugendlichen und Familien statt auf stationäre und damit oft teurere Hilfen.
Landrat Martin Brandl sagt: „Das Entscheidende ist für mich: Wir warten nicht, bis Probleme so groß geworden sind, dass nur noch intensive Hilfen möglich sind. Wir investieren vorher in Strukturen, die Familien möglichst früh erreichen“. „Wenn es dadurch gelingt, trotz schwieriger sozialer Rahmenbedingungen die Fallzahlen zu stabilisieren und gleichzeitig weniger stationäre Hilfen zu benötigen, zeigt das, dass dieser Weg richtig ist.“
Frühe Hilfe statt später Eingriff
Zum Konzept des Landkreises gehören unter anderem Schulsozialarbeit, Jugendarbeit, Frühe Hilfen sowie Familienbüros und Häuser der Familie. Ziel ist, dass Familien möglichst niedrigschwellig und früh Unterstützung bekommen.
Nach Angaben des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz, das die Entwicklung im Jugendhilfeausschuss vorgestellt hat, steigt seit 2002 der Anteil ambulanter Hilfen deutlich. Stationäre Hilfen gehen dagegen zurück. Hilfe findet damit immer häufiger dort statt, wo Familien leben.
Jugendamtsleiterin Denise Hartmann-Mohr erklärt: „Wir setzen bewusst auf frühe Unterstützung und stärken die Familien dort, wo sie leben“. „Unsere Angebote erreichen die Menschen frühzeitig und helfen, belastende Entwicklungen rechtzeitig zu stabilisieren.“
Trotzdem bleibt die soziale Lage im Landkreis angespannt. Der Anteil der Haushalte, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, liegt weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Finanzielle Belastungen, schwierige Wohnverhältnisse und andere soziale Faktoren erhöhen nach Einschätzung des Kreises den Unterstützungsbedarf.
ISM-Geschäftsführer Heinz Müller sagt: „Wo finanzielle Belastungen, beengte Wohnverhältnisse oder andere soziale Herausforderungen den Familienalltag prägen, steigt häufig auch der Bedarf an Unterstützung“. Dass die Hilfen trotz dieser Ausgangslage auf stabilem Niveau gehalten werden können, bewertet das ISM als bemerkenswert. Den leichten Rückgang der Fallzahlen sieht das Institut als Stabilisierungseffekt.
Jugendamt soll stärker vernetzen
Gleichzeitig baut der Landkreis seine soziale Infrastruktur weiter aus. Das Jugendamt übernimmt dabei nach Angaben des Kreises zunehmend eine koordinierende Rolle zwischen Jugendhilfe, Schule, Gesundheit und sozialer Sicherung.
Als Beispiel nennt der Kreis das 4+1-Programm an Schulen. Es verbindet schulische Teilhabe, Inklusion und Jugendhilfe und setzt auf strukturelle Lösungen statt vor allem auf klassische Einzelfallhilfen.
Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und Geschäftsbereichsleiter Christoph Buttweiler betont: „Investitionen in Prävention und Angebote vor Ort sind Investitionen in die Zukunft“. „Sie helfen nicht nur den Familien direkt, sondern tragen auch dazu bei, kostenintensive Maßnahmen zu vermeiden.“
Auch das ISM zieht eine positive Bilanz. Der Landkreis Germersheim verfüge über ein leistungsfähiges und strategisch ausgerichtetes Jugendamt, das frühzeitig in Infrastruktur investiere, Bedarfe breit erreiche und die Hilfesysteme aktiv steuere.
Hartmann-Mohr fasst zusammen: „Die Zahlen zeigen: Prävention wirkt“. „Deshalb werden wir diesen Weg weitergehen: früh unterstützen, Familien vor Ort erreichen und unsere Hilfen so organisieren, dass sie möglichst nachhaltig wirken.“
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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