Kinderbetreuung im Corona-Alltag
Spielen und toben elementar für die Kleinsten

Für die Kinder hat sich viel verändert seit Corona.  Foto: Esther Merbt/Pixabay
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Von Gisela Böhmer

Coronakrise. Es ist für alle nicht einfach. Die Schulen müssen neue Wege gehen, die Betriebe und die Kindertagesstätten. Wie soll ein normaler Alltag entstehen, wenn das Kind nur zwei Stunden im Kindergarten ist? Bei manchen Kitas sogar nur 2 Stunden in der Woche! Gleichzeitig: Wie sollen Erzieher das geforderte Konzept umsetzen?

Jeder Kindergarten ist anders aufgebaut, muss das Konzept anders umsetzen. Das kann auch innerhalb einer Gemeinde oder Stadt pro Kindergarten unterschiedlich aussehen. Es treffen verschiedene Welten aufeinander – das sorgt automatisch für Ärger. Der erste Schritt war aus der Notbetreuung einen eingeschränkten Regelbetrieb zu machen. Doch das hat nicht allen Eltern geholfen. Das Kind für zwei Stunden in den Kindergarten geben, das reicht nicht für eine Berufstätigkeit und für soziale Kontakte unter den Kleinsten ebenfalls nicht. Ende Mai hat das Land einen 14-seitigen Katalog mit dem Titel „Leitlinien des Kita-Tag der Spitzen Rheinland-Pfalz Kindertagesbetreuung in einem Alltag mit Corona“ herausgegeben. Dort steht: „Kindertagesbetreuung darf auch im Alltag mit Corona nicht nur einer „Betreuungslogik“ folgen, sondern orientiert sich an den Interessen der Kinder […]. Denn für Kinder ist es von elementarer Bedeutung, ihre Freunde zu treffen, zu spielen, zu toben, lernen zu können und gefördert zu werden. Kinder brauchen soziale gewohnte Strukturen und Bezugspersonen und Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass sie mit der Vereinbarkeit zwischen Kinderbetreuung und Beruf nicht allein gelassen werden.“ Klingt super. Aber ist das auch so? Die Realität sieht anders aus. Grundsätzlich sind sicherlich Eltern und Kinder froh, dass es langsam wieder los geht. Dies bestätigt auch der Stadtelternausschuss aus Frankenthal. Aber: Manche Kinder können aktuell nicht in die Eingewöhnungsphase, Eltern müssen ihre Kinder an der Eingangstür abgegeben, dürfen nicht mit reingehen. Eltern fehlen Informationen oder müssen sich rechtfertigen, wenn sie dringend Betreuung (mehr als 2 Stunden) brauchen. „Wichtig ist uns noch, dass die Vergabe neuer Plätze wieder aufgenommen wird. Auch wenn es noch ein wenig dauern mag, bis Eingewöhnungen in den Kitas wieder möglich sind, brauchen die Eltern zumindest die Information, ob ihr Kind einen Platz bekommen wird, um planen zu können“, informiert der Ausschuss. Aber auch die Erzieher stehen vor großen Herausforderungen. So gibt es Erzieher, die zu den Risikogruppen gehören und deshalb nicht betreuen können. Da kommt das Thema Personalmangel, welches bereits vor der Krise vorhanden war, noch stärker zum Vorschein. Das bestätigt auch der Stadtelternausschuss: „Es ist richtig, bei der Öffnung langsam und schrittweise vorzugehen, und es ist klar, dass sich durch die Zugehörigkeit zu Risikogruppen auch die ohnehin schon schlechte Personalsituation weiter verschärft“. Feste und kleinere Gruppen, weniger Personal – wie soll das funktionieren? Laut einem Schreiben des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung sollen die Eltern solidarisch zusammenstehen und jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel Betreuungsbedarf nötig ist. Und was ist mit den Interessen der Kinder? Sie wollen spielen, Freunde treffen und die Welt entdecken, aber nicht im 2-Stunden-Takt. Schließlich ist der Kindergarten für die soziale Entwicklung der 3- bis 6-Jährigen anerkannt. Jedes Kind hat einen Anspruch auf ein entsprechendes Angebot – unabhängig von der Berufstätigkeit der Eltern. Sozialen Umgang mit „Anderen“ lernt man eben nicht Zuhause.

Gewünscht ist eine schnelle Rückkehr in die Kindergärten, natürlich darf die Gesundheit nicht aufs Spiel gesetzt werden. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Erzieher regelmäßig getestet werden, um einerseits Infektionen schnell zu erkennen, sowie andererseits dem Personal vielleicht ein stückweit mehr Sicherheit zu geben, Ängste zu nehmen. Dies aus Kostengründen auszuschließen ist schwer nachvollziehbar“, so der Stadtelternausschuss. Er hoffe auch darauf, dass das Jugendamt aktiv wird und die freien Träger unterstützt. Jedes (Frankenthaler) Kind soll wieder Zugang zur Kita haben. Wer Fragen und Anregungen hat, kann sich an den Ausschuss unter sea-ft@gmx.de melden.

Bis zu den Sommerferien ist nicht mehr viel Zeit. Und gerade für die Kinder, die kommendes Schuljahr eingeschult werden, bedeutet dies, sie haben viele wundervolle Erlebnisse, wie beispielsweise den „Rauswurf aus dem Kindergarten“ oder den Besuch einer Grundschule „verpasst“, eben nicht erleben dürfen. Vielleicht wäre mit mehr Personal, besserer Kita-Ausstattung und größeren Räumlichkeiten es schneller zurück in den neuen Alltag (mit Corona) gegangen. Aber eins wird damit klar: Erzieher sind systemrelevant und sollten so gewürdigt werden. Vielleicht kann man jetzt aus der Krise lernen und für die Zukunft sich besser aufzustellen. gib

Autor:

Gisela Böhmer aus Frankenthal

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