„Es sah aus wie im Krieg“: Frankenthaler Rettungshundeführerin erinnert sich an die Flutnacht im Ahrtal

Gisela Böhmer mit Thorkild | Foto: Frank Böhmer
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Frankenthal. Als am Morgen nach der Flutkatastrophe der Alarm kam, ahnte niemand, was die Einsatzkräfte im Ahrtal erwarten würde. Feuerwehrfrau und Rettungshundeführerin Gisela Böhmer gehörte zu den ersten Helfern im schwer zerstörten Ort Insul. Auch noch lange danach erinnert sie sich an Chaos, Verzweiflung – und an Momente, die sie bis heute nicht loslassen.

Am Morgen des 15. Juli 2021, es ist der Tag nach der schrecklichen Flut im Ahrtal, kam um 9 Uhr der Anruf. Die Rettungshundestaffel der Feuerwehr Frankenthal und Kollegen aus Zweibrücken machten sich auf den Weg Richtung Norden ins Hochwassergebiet. "Trotz aller Erfahrung - niemandem von uns war in diesem Moment bewusst, was uns im Katastrophengebiet erwarten würde."

Gisela Böhmer, seit 2004 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Frankenthal, erinnert sich noch ganz genau an die damaligen Geschehnisse. An den Schock, als ihr das Ausmaß der Zerstörung bewusst wird. "Straßen endeten im Nichts, Brücken waren kaputt, Autos weggeschwemmt, überall lagen Trümmer herum - es sah aus wie im Krieg." Die Landesbeauftragte des Rettungshundewesens Rheinland-Pfalz hat die apokalyptischen Bilder immer noch vor Augen.

Es herrschte Chaos. Die Kommunikation war zusammengebrochen, es gab keinen Strom, dafür aber viele verzweifelte Menschen. Hunderte von Einsätzen hat Gisela Böhmer bereits als Retterin absolviert, aber dieser Dienst im Hochwassergebiet wird zu einem der schwierigsten. Die Hundeführer - neben Böhmer noch Manuela Heckert und Marcel Klein aus Frankenthal - sind die ersten Hilfskräfte, die es in das von der Außenwelt abgeschnittene Insul schaffen. 

Mit ihrem Ortungsgerät und den Hunden suchen die Frankenthaler nach Vermissten oder leisten direkt Hilfe. In einigen Häusern liegen noch pflegebedürftige Menschen in den Betten, einer mit einem vollen Katheder, ein paar Häuser weiter ein Diabetiker. Das Team sorgt für Betreuung und organisiert den Rettungsdienst. Eine Frau vermisst ihren Sohn, die Helfer können ihn durch gezielte Maßnahmen finden.

Fast 36 Stunden sind die drei Hundeführer aus Frankenthal im Einsatz, schlafen zwischendurch in der Nähe ihrer Hunde im Einsatzfahrzeug, denn für die Tiere ist in den Sammelunterkünften kein Platz. Die Rettungskräfte leisten in diesen ersten Stunden nach der Katastrophe Übermenschliches. "In dieser extremen Situation, in der so viel Hilfe ganz unmittelbar gebraucht wurde, gehst Du immer noch einen Schritt weiter und wächst über Dich hinaus", versucht die engagierte Hundeführerin eine Erklärung. Dennoch wird sie sich, wieder daheim in Frankenthal, in den ersten Nächten fragen, ob sie nicht noch mehr hätte tun, noch mehr hätte helfen können. Und auch, warum nicht rechtzeitig vor den Ausmaßen der Katastrophe gewarnt worden ist.

Das Gesehene zu verarbeiten, war schwierig. "Reden hilft", sagt Gisela Böhmer. Mit denen, die auch dort waren, aber auch mit all jenen, die einfach nur zuhören. Und dann war da in diesen dunklen Stunden auch viel Dankbarkeit, die den Helfern vor Ort entgegen gebracht wurde. Von Menschen, die alles verloren haben und in großer Not dennoch anboten, das wenige Verbliebene mit ihnen zu teilen. "Ich würde jederzeit wieder hinfahren und helfen", so das Fazit von Gisela Böhmer. 

Bewährt haben sich nicht nur die zweibeinigen Helfer ihm Ahrtal. Stolz ist Gisela Böhmer auch auf die Vierbeiner. Zahlreiche Rettungshunde waren in den ersten Stunden vor Ort und haben versucht, Menschen das Leben zu retten. Ihr Vizsla-Rüde Thorkild war zwar mit dabei, wurde aber nicht eingesetzt. Damals steckte der noch junge ungarische Jagdhund mitten in der Ausbildung zum Rettungshund.

Bei der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 starben mehr als 180 Menschen. Die Flut verursachte zudem Sachschaden in Milliardenhöhe. Der Wiederaufbau ist auch fünf Jahre nach der Katastrophe noch im Gange.

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Cornelia Bauer aus Speyer

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