Lange Nacht des Jazz
Großkarlbach swingte bis Mitternacht
- Foto: M.S.
- hochgeladen von Martina Stepper
Wenn ein ganzes Dorf swingt – Die Lange Nacht des Jazz verwandelte Großkarlbach auch 2026 wieder in eine einzige Bühne
Warme Sommerluft lag über den historischen Gassen von Großkarlbach, aus den Innenhöfen drangen erste Musikfetzen nach draußen, Menschen standen mit Weingläsern zwischen alten Mauern, irgendwo lachte jemand, wenige Meter weiter erklang bereits die sonoren Klänge eines Kontrabass. Und je später der Abend wurde, desto mehr schien der kleine Weinort vollständig in Musik einzutauchen.
Die Lange Nacht des Jazz ist längst weit mehr als nur eine Veranstaltungsreihe.Sie ist ein Erlebnis, das man nicht einfach besucht – man bewegt sich mitten hindurch.
Auch 2026 verwandelte sich der wunderschöne historische Ortskern wieder in ein einziges großes Klangmeer aus Swing, Blues, Soul, Gypsy-Jazz und New-Orleans-Klängen. Gerade dieses Zusammenspiel aus Livemusik, Sommerabend, Wein und den romantischen Höfen verleiht der Veranstaltung ihre ganz eigene Atmosphäre.
Schnell wurde klar: Wer an diesem Abend alles erleben wollte, stand vor einem Problem – wenngleich einem äußerst angenehmen. In nahezu jedem Hof wurde auf höchstem musikalischem Niveau gespielt, sodass die Entscheidung, wo man länger verweilen sollte, alles andere als leichtfiel. Auch kulinarisch ließ die Lange Nacht des Jazz keine Wünsche offen – die Besucher erwartete ein ebenso vielfältiges wie hochwertiges Angebot.
Man lief nicht einfach von Konzert zu Konzert.Man ließ sich treiben.
Hinter jeder Ecke wartete eine andere Stimmung. Während in einem Hof getanzt wurde, lauschten Besucher wenige Meter weiter konzentriert einem ruhigen Gitarrensolo. Aus offenen Toren fiel warmes Licht auf das Kopfsteinpflaster, Stimmen vermischten sich mit Musik, und immer wieder blieb man spontan stehen, weil irgendwo gerade genau dieser eine Moment entstand, den man nicht verpassen wollte.
Die sechs Höfe und die protestantische Kirche entwickelten dabei erneut ihren ganz eigenen Charakter.
In der Rheinmühle sorgten Lady Cat & the Roaring Tigers mit stilvollem Swing und nostalgischem Flair für eine wunderbar elegante Stimmung. Jazzklassiker, Bossa-Nuancen und gefühlvolle Balladen verschmolzen dort mit dem besonderen Ambiente des historischen Hofes zu einer fast zeitlosen Atmosphäre.
Im Weingut Lingenfelder überzeugte das Jazz Sisters Quartet mit musikalischer Vielseitigkeit und spürbarer Spielfreude. Zwischen Jazz, Soul und modernen Popsongs entstand eine warme, offene Stimmung, bei der viele Besucher einfach sitzen blieben, den Abend genossen und sich von der Musik tragen ließen.
Der Sternenhof gehörte mit B.B. & The Blues Shacks zu den energiegeladensten Orten des Abends. Kraftvolle Bluesriffs, erdige Gitarren und treibende Grooves verwandelten den Hof zeitweise in einen kleinen Bluesclub mitten in der Pfalz. Der Hof pulsierte förmlich – hier ging die Post ab. Das Publikum ließ sich mitreißen, bewegte sich im Rhythmus der Musik und feierte die Band vom ersten bis zum letzten Titel.
Ganz andere Klangfarben boten die Gypsy-Jazz-Formationen des Abends. In der protestantischen Kirche entfaltete Django’s Tiger Jankeje & Guttenberger Trio mit virtuosen Gitarrenläufen und feiner Rhythmik eine fast schon magische Wirkung. Gerade die besondere Akustik der Kirche verlieh dem Konzert eine intensive Ruhe, die das Publikum sichtbar in ihren Bann zog.
Im Sekthof Schreier brachte die Bobeye Reinhardt Gipsy Combo französisches Flair nach Großkarlbach. Leichtfüßig, temperamentvoll und voller musikalischer Dynamik entstand dort eine Atmosphäre, die beinahe an einen Sommerabend irgendwo zwischen Paris und Südfrankreich erinnerte.
Im Weingut Krück bewiesen Simon & Simon erneut, warum sie seit Jahren zu den Publikumslieblingen der Langen Nacht des Jazz gehören. Zwischen Rock'n'Roll, Blues, Soul und New-Orleans-Sounds wurde mitgewippt, mitgesungen und ausgelassen gefeiert. Als die beiden Musiker den Abend mit „Always Look on the Bright Side of Life“ ausklingen ließen, schien dieses Lied die Stimmung des gesamten Festivals auf den Punkt zu bringen – unbeschwert, voller Lebensfreude und Balsam für die Seele.
Musikalisch anspruchsvoll und gleichzeitig angenehm zugänglich präsentierte sich das DVD Trio Demurishvili Vanecek Ditzner im Alten Weingut Reibold. Swing, Latin und klassisch inspirierte Elemente verschmolzen dort zu einem atmosphärisch dichten Konzerterlebnis, das perfekt in die intime Hofkulisse passte.
Und dann waren da immer wieder The New Orleans Gumbo Crabs, die durch die Gassen des Dorfes zogen und die Musik buchstäblich in Bewegung hielten. Mal hörte man plötzlich Bläserklänge aus einer Seitengasse, dann wieder Banjo-Rhythmen zwischen zwei Höfen. Genau diese spontanen musikalischen Begegnungen machten den besonderen Zauber der Langen Nacht des Jazz aus.
Denn dieses Festival lebt nicht nur von seinem Programm.
Es lebt von seinem Gefühl.
Von Menschen, die spontan stehen bleiben.
Von Musik, die durch offene Höfe zieht.
Von Gesprächen zwischen alten Mauern.
Von Sommerluft, einem Glas Wein und jenem seltenen Moment, in dem ein ganzes Dorf dieselbe Stimmung atmet.
Vielleicht war genau das die größte Stärke dieser Langen Nacht des Jazz: Nicht nur die musikalische Qualität auf allen Bühnen, sondern das Gefühl, für ein paar Stunden den Alltag hinter sich zu lassen. Ein Abend voller Musik, Begegnungen und Lebensfreude – und einer, der noch lange nachklang.
Und genau deshalb blieb am Ende nicht nur die Musik in Erinnerung.
Sondern das Gefühl, für ein paar Stunden Teil eines Dorfes gewesen zu sein, das sich mit Herz und Leidenschaft ganz dem Jazz verschrieben hatte.
©M.S.
Autor:Martina Stepper aus Frankenthal |
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