Angebot von exemplarischer Qualität
KlangÖffner am Badischen Staatstheater

Foto: ©Badisches Staatstheater

Es beginnt mit einem leisen Aufglimmen, einem höfischen Schimmer: Land of Hope and Glory zieht, kaum verklungen, bereits seine Spur durch den Raum. Robert Krampe – Klavier & Moderation – nimmt den Faden auf und macht genau das, was der Titel des Formats verspricht: Er öffnet das Hören. Nicht mit belehrender Schwere, sondern mit jener seltenen Mischung aus Eleganz und Präzision, die neugierig macht, bevor sie erklärt. Der KlangÖffner am Badischen Staatstheater widmet sich Edward Elgars Erster Sinfonie As-Dur op. 55 – und Krampe zeigt schon in den ersten Minuten, dass Elgar weit mehr ist als der Glanz und Pomp, mit dem man ihn so gern verwechselt.

Denn wie nebenbei skizziert er Biographie und Signatur: den provinziellen Orgelsohn, den Chorpraktiker, den späten Triumphator, den von Hans Richter geförderten Orchesterkomponisten, dessen Enigma-Variationen ihm die Türen öffneten. Anekdote und Erkenntnis halten sich die Waage: Die Engländerin, am Vormittag, die beim Marsch, der „zweiten Hymne“ ,reflexhaft aufstehen möchte, steht neben der nüchternen Beobachtung, dass Elgars Ruhm sich stets aus zweierlei gespeist habe – aus repräsentativer Geste und aus subtilster kompositorischer Arbeit. Krampe gönnt dem Publikum die anekdotische Wärme, um es auf die analytische Kühle vorzubereiten. Und beides leuchtet, weil es einander dient.

Bevor die Partitur in den Blick tritt, legt Krampe den Grund – kurz, klar, zwingend: Was ist eine Sinfonie? Eine Form, gewiss, vor allem aber ein Gedanke – der zyklische. „Kontrast bindet, Wiederholung trennt“: In dieser paradoxen Formel bündelt sich eine Ästhetik der Spannung, die er am Klavier hörbar macht. Drei Töne, ein Keim, daraus Wachstum – Beethoven wird zum Gärtner einer musikalischen Urpflanze; die „entwickelnde Variation“ wird nicht bloß benannt, sondern ans Ohr gezeichnet. Brahms stellt sich an die Seite, Richard Strauss als Gegenpol mit der Programmmusik, während Elgar diese Tradition der Sinfonie nicht widerwillig, sondern souverän verteidigt.

Dann das Werk. Krampe spricht vom Hymnus der langsamen Einleitung – zwei Paukenwirbel wie ein Tor, dahinter eine schrittweise steigende Melodie, deren Würde niemals pathetisch, deren Schlichtheit nie simpel ist. Entscheidender noch: jene charakteristischen Intervallsprünge, aufwärts und zurück, die er als Erinnerungszeichen markiert. Was in vielen Einführungen Terminus bliebe, wird hier zum Erlebnis: Der Hymnus kehrt wieder, unverhofft und logisch zugleich, ein Emblem, das die Architektur trägt. Und wie scharf Krampe die formale Pointe setzt: Nach As-Dur stürzt der erste Satz nicht in die Dominante, sondern kühner nach d-Moll; die Harmonik atmet Tristan-Fremdheit, ohne den Boden der Tonalität preiszugeben. Man hört es, ehe man es versteht – und dann versteht man, was man eben gehört hat.

Krampe führt durch die Sätze, ohne je zu verlieren, wofür er da ist: das Hören zu schärfen. Im Scherzo zeigt er den Marsch, der bei aller Geschwindigkeit ein Schatten von Trauermarsch bleibt; keine frivole Maskerade, eher eine wache Ironie der Form. Das Trio – „wie ein Säuseln am Fluss“ – ist mehr als ein Bild, es ist eine Spielanweisung für die inneren Ohren. Im Adagio entfaltet er eine der diskreten Wunder dieser Sinfonie: dass die schnelle Sechzehntelfigur des Scherzos, gedehnt und gewendet, zur großen, atmenden Kantilene wird – Verwandlung als Prinzip, nicht als Trick. Und im Finale bündelt sich alles: der Hymnus, nun kanonisch verflochten, und ein neues, punktiertes Motiv, das sich, marschartig aufgeladen, in den Raum stemmt, bis sich die Logik der Finalsinfonie erfüllt: per aspera ad astra – nicht als Behauptung, sondern als Erleben.

Didaktik? Vorbildlich, weil sie nie bevormundet. Krampe stellt Fragen, um Antworten hörbar zu machen. Er zeigt, ohne zu zeigenhaft zu werden. Sein Witz ist leise, sein Ernst freundlich. Wer jung ist, wird mitgenommen; wer erfahren ist, fühlt sich ernst genommen. Der Zeitplan – die pünktliche Generalprobe um 18:30 Uhr – wird nicht zur Unterbrechung, sondern zur Regieanweisung dieses Abends: Alles läuft auf das Hören hinaus.

Am Ende bleibt jener seltene Eindruck, den gute Musikvermittlung hinterlässt: Man weiß nicht nur mehr, man hört anders. Der KlangÖffner erweist sich als Musterfall geglückter Musikvermittlung: ein Format, das Wissen in Hörlust verwandelt, Analyse in Anschaulichkeit und Neugier in Erfahrung. Robert Krampe verbindet am Klavier klangliche Aspekte mit sprachlicher Leuchtkraft; seine Beispiele öffnen Räume, seine Bilder erden Begriffe, seine Dramaturgie führt vom Aha zum „So klingt es!“. Hier wird nicht erklärt, sondern aufgeschlossen – mit einer Eleganz, die das Publikum ernst nimmt und zugleich verführt. Kurz: ein Angebot von exemplarischer Qualität, das die Stadt stolz machen darf.

Unmittelbar danach zeigte die Badische Staatskapelle unter Killian Farrell in der Generalprobe zu Elgars Erster, wozu ein aufgeklärtes Ohr fähig ist: die noble Weite des Hymnus, die seidige Glut der Streicher, ein Blech von britischer Würde ohne Schwulst, dazu Farrells klare Architektur, die den langen Atem wahrt und den Puls straff hält – transparent, energiegeladen, überwältigend. Es war schlicht unglaublich. Karlsruhe sollte sich auf die verbleibenden Karten stürzen: Sonntagvormittag und Montagabend versprechen Sternstunden, die man nicht nur erzählt bekommen, sondern erlebt haben will.

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Autor:

Marko Cirkovic aus Durlach

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